Wasserstoff und Brennstoffzelle
Von Elmar Getto
Ein weiterer wichtiger Artikel von Elmar Getto zum wichtigen Energie- und Treibstoffthema. Diesmal spiesst er die mainstreampresse auf, die im Auftrag der monopolkonzerne verdreht. Der Originalartikel erschien in "Rbi-aktuell" am 24.Oktober 2005.
In der vergangenen Woche berichtete die „Süddeutsche Zeitung" in einen Artikel unter der Überschrift ‚Alternativer Antrieb’ über drei ‘Concept Cars’, die mit Brennstoffzellen funktionieren und auf der Motorshow in Tokio vorgestellt wurden. Jeder kann sich nun ein eigenes Bild machen, wo er objektiv und umfassend informiert wird und wo man ihm eine Meinung in Richtung der Konzerninteressen unterschieben will.
Das Mainstream-Blatt aus München nimmt drei ‚Concept Cars’ als Anlaß, um versteckt gegen die Wasserstoffzukunft der Automobile Stimmung zu machen und die Losung: "Alles nicht ausgereift! Laßt alles, wie es ist!" unters Volk zu bringen: Den Fine-X von Toyota, Hondas FCX und DaimlerChryslers F 600 Hygenius.
Zwar berichtet das Konzernblatt wahrheitsgemäß, daß dieser Antrieb abgasfrei arbeitet, daß er nur minimal Platz braucht, daß er extrem effizient ist, daß er vorbildlich leise ist, daß er weit weniger Kraftstoff verbraucht als ein Benzin- oder Dieselmotor und daß die entsprechenden Autos genauso lebhaft sind wie ein heutiges.
Aber der Artikel „vergißt" völlig, den Zusammenhang mit dem Kohlendioxid-Ausstoß der heutigen Autos herzustellen, die dieses wichtigste Treibhausgas in die Luft pusten und damit wesentlich zur globalen Erwärmung und zum Klimawandel mit Hurricanes, Unwettern, Trockenheiten und anderen Katastrophen beitragen. Damit erwähnt er nicht das wichtigste Argument, warum ein Brennstoffzellenantrieb nicht einfach eine Spielerei mit futuristischen Konzepten ist, sondern eine aktuelle Notwendigkeit, bevor die weltweite Umweltkatastrophe nicht mehr aufzuhalten ist.
Ebenso bringt er nicht das für den Autofahrer natürlich wesentliche Argument, daß der Treibstoff Wasserstoff, wird er erst einmal in großen Mengen mit Solarenergie hergestellt, zu einem Spottpreis zur Verfügung stehen wird und der Brennstoffzellenantrieb zusätzlich auch noch viel ergiebiger ist.
Doch dann wird zum Gegenschlag ausgeholt und die unsinnigen Argumente der Großkonzerne werden kolportiert: „Schön und gut, aber teuer." heißt es da. Was, teuer? Ist doch viel billiger!
Und jetzt höre man genau hin, wie die 'Süddeutsche' versucht, einen Popanz aufzubauen: „Brennstoffzellen kosten noch immer ein kleines Vermögen. 100 Millionen Yen, rund 735.000 Euro, veranschlagt Honda-Chefingenieur Yuji Kawaguchi für einen Honda FCX.
"Haben Sie den Trick bemerkt?
Man nennt die Kosten eines ‚Concept Car’, der völlig in Handarbeit hergestellt wurde und daher natürlich ein Vermögen kostet und verbindet damit die angeblichen Kosten von Brennstoffzellen. So suggeriert man, daß die Brennstoffzellentechnik unbezahlbar teuer sei und für eine sofortige Realisierung nicht in Frage käme. Ein ‚Conzept Car’ auf Benzinbasis kommt natürlich in Wirklichkeit genauso teuer.
Die Brennstoffzellen sind der geringste Anteil an den Kosten des Honda FCX. Werden sie erst einmal in Millionenauflage hergestellt für die Automobilproduktion, werden sie weit weniger kosten als ein heutiger Explosionsmotor. D.h. in Wirklichkeit liegt das Kostenargument genau anders herum. So führt man Leute an der Nase herum.
Dann holt man zum zweiten Schlag aus. Man führt sogenannte ‚Kritiker’ ein (natürlich ohne Namen zu nennen) und baut eine absurde Theorie auf: „Um den gebundenen Wasserstoff per Elektrolyse [aus Wasser] abzuspalten, ist allerdings viel Strom nötig. Auch die Kompression des extrem leichten Gases auf 350 oder 700 bar kostet Energie. Kritiker fürchten daher, daß Wasserstoff genau die Energieprobleme schafft, die er lösen soll."
Und diesmal, haben Sie erkannt, wie getrickst wurde?
Während Benzin und Diesel Bestandteile des Erdöls sind und damit (mit hohem Aufwand) als EnergieQUELLE gewonnen werden, kommt Wasserstoff nirgends als Energiequelle vor. Man kann also mit Wasserstoff kein Energieproblem lösen. Die Aussage ist einfach Unsinn.
Wasserstoff wird vielmehr als EnergieTRÄGER genutzt, d.h. er beinhaltet eine Energie, die aus ANDEREN Energiequellen gewonnen wurde. Wie schon im genannten Artikel ausgeführt, ist die ideale Energiequelle für Wasserstoff die Sonnenenergie, die man mit Photovoltaikzellen über Strom nutzen kann oder auch direkt mit Zellen, die aus Sonnenlicht und Wasser Wasserstoff herstellen. Auch für die anschließend notwendige Kompression des Wasserstoffs, damit er weniger Raum einnimt, kann dann direkt der Strom aus der Sonne verwendet werden.
Die Lösung des Energieproblems stellt also die Solarenergie dar. Wasserstoff ist aber ideal, um die so gewonnene Energie in einen Autoantrieb per Brennstoffzelle umzusetzen. Das Problem, das damit gelöst wird, ist das der Umweltbelastung durch den Nicht-Ausstoß von CO2 und anderen luftverunreinigenden Gasen, nicht das Energieproblem.
Insoweit ist auch das der obigen Aussage gegenübergestellte Zitat eines Professors nicht einschlägig. Der sagt: „In der gesamten Nutzungsbilanz, von der Wasserstoffherstellung bis zum Rad, ist die Brennstoffzelle mit dem Wirkungsgrad eines Dieselmotors vergleichbar." Das aber bezieht sich auf den Nutzungsgrad der im Wasserstoff enthaltenen Energie im Vergleich zur Nutzung der in Diesel enthaltenen Energie, wobei völlig unberücksichtigt bleibt, daß bei einer Nutzung der Sonnenenergie als Energiequelle insgesamt nur etwa die Hälfte an Energie aufgebracht werden muss, um das Auto anzutreiben als bei der Nutzung von Diesel, weil der Prozeß der Rohölerschließung, -förderung und -aufbereitung zu Diesel extrem energieintensiv ist.
Um dem System Wasserstoff / Brennstoffzelle endgültig den Garaus zu machen, kommt dann das dritte Totschlagargument, wiederum trickreich gebracht. Diesmal gibt man auch noch offen zu, daß das Argument von ‚Big Oil’ kommt, in diesem Fall von der Aral: „Sollten alle 50 Millionen Autos in Deutschland mit Wasserstoff fahren, müssten etwa 102 Milliarden Euro in den Aufbau des Tankstellennetzes fließen, hat Aral vorgerechnet.
"Nun, die Aral vertritt die Interessen ihrer Eigner, also der Riesen-Ölkonzerne. Sie rechnet nun so, als müßten alle Tankstellen in Deutschland neu gebaut werden. Das ist natürlich Unsinn. Es braucht lediglich ein spezieller Platz an den Tankstellen für die Versorgung mit Wasserstoff eingerichtet werden. Das ist schon an vielen Tankstellen mit Erdgas geschehen, also kein Problem, dies auch mit Wasserstoff zu machen. Natürlich wird dies nach und nach gemacht, nicht alle auf einmal. Es wird ja, selbst wenn jetzt sofort Wasserstoff-Autos auf dem Markt wären, eine Zeit dauern, bis es genügend sind, um ein Angebot der Tankstellen lohnend zu machen.
Im Vergleich zu den Investitionen, die notwendig waren, um innerhalb weniger Jahre ein flächendeckendes Mobil-Telephon-Netz mit Tausenden von Türmen in Deutschland zu erstellen, ist dies ein Klacks.
So wird denn auch die Studie im Auftrag von Linde erwähnt, die auf etwa 870 Millionen Euro an Investitionen für Wasserstoff-Tanksäulen bis 2020 kommt. Allerdings läßt der Artikel dann die beiden Aussagen nebeneinander stehen und nimmt so nicht das Gewicht von der Drohung der Aral.
Es wird deutlich, daß die Monopolkonzerne es nicht mehr wagen können, offen und brutal gegen die alternativen Energien zu lügen. Gehen sie zu plump vor, werden sie durchschaut. Sie versuchen es nun mit solchen Tricks und Dingen zwischen den Zeilen und Suggestionen und Nebeneinanderstellungen, Stimmung gegen die Konkurrenz zu ihren Autos und ihren Treibstoffen zu machen.
‚Unerklärlicherweise’ werden die Automobilkonzerne nie fertig mit der Entwicklung marktreifer Brennstoffzellenmodelle, wie der Artikel auch belegt: 1994 war die damalige Daimler-Benz mit einem Brennstoffzellenauto auf einer Auto-Show. „Damals verkündeten Mercedes-Manager, der alternative Antrieb wäre 2005 in Serie. Auch GM, Honda und Toyota haben (...) investiert. Doch der Einführungstermin wurde immer wieder verschoben. „Mit dem F600 machen wir einen großen Schritt auf dem Weg zur Marktreife des Brennstoffzellen-Antriebs, die wir zwischen 2012 und 2015 erreichen wollen", erklärt jetzt Thomas Weber, DaimlerChrysler-Vorstand Forschung und Technologie.
Und 2015 wird es dann heißen: 2025 usw.usw. Kann es sein, daß die uns nicht für sehr klug halten?
Hier ist der Link zum absurden Artikel der Süddeutschen

