Montag, 31. Dezember 2007

War das 'Wunder von Bern' ein Wunder?

... oder harte Arbeit?

Von Karl Weiss

Dies ist ein Artikel über Sepp Herberger und sein Team, das die Fussballweltmeisterschaft 1954 in Bern in der Schweiz gewann. Es beruht auf einem Interview und Gespräch von mehreren Stunden, das ein Bekannter von mir mit einem der Teilnehmer der damaligen deutschen Delegation in der Schweiz geführt hat, der nicht namentlich genannt werden will. Es stellt also die persönliche Sicht eines Menschen dar, nicht die ‚absolute Wahrheit’. Auf jeden Fall ist dies eine sehr interessante Sicht.

Das Ganze begann im Jahr vor der Weltmeisterschaft von 1954, im Wembley-Stadion von London, bei jenem Spiel zwischen England und Ungarn, in dem England zum ersten Mal zu Hause besiegt wurde.

Fußball war Englands’ Sport. Die Engländer, so wusste jeder, waren weit überlegen allen anderen Teams. Diese Überlegenheit war so fundamental und so weitgehend anerkannt, dass England vor 1950 gar nicht an Fussballweltmeisterschaften teilnahm. Die waren für alle – außer England.

England war bis dahin zu Hause unbesiegt, das schien dieses Urteil zu bestätigen. Nun aber wurde alles anders. Das Nationalteam Ungarns hatte die Engländer zu Hause besiegt! Es eilte von Sieg zu Sieg, war für Jahre ungeschlagen, ja nicht nur ungeschlagen, es gewann alle Spiele! Auch das Turnier der Olympischen Spiele von Helsinki 1952 hatte sie gewonnen. Jeder, der etwas von Fußball verstand, war fasziniert von diesem Team um den Spielmacher Puscas.

Die überfallartigen Angriffe dieser Mannschaft, basiert auf Schnelligkeit, auf Genauigkeit der Pässe und auf Positionswechseln der Angreifer, waren tödlich für praktisch jeden Gegner. Diese Nationalmannschaft von Ungarn brachte es fertig, in fast jedem Spiel gegen andere Nationalmannschaften innerhalb der ersten zehn Minuten mindestens zwei Tore vorzulegen!

Die wesentlichen Spieler dier Mannschaft waren technisch allen anderen Spielern auf den jeweiligen Positionen überlegen, das heißt, sie konnten sie ausspielen. Bei den Angriffen wurde nicht einfach, wie bis dahin im Fußball üblich, der Ball hoch nach vorne gedroschen und gehofft, einer der Stürmer könnte ihn kontrollieren und etwas damit anfangen. Erstmals in dieser mannschaftlichen und nicht individuellen Form sah man das Führen des Balles nach vorne, eng am Fuß, sah man Dribblings, mit denen Verteidiger ausgespielt wurden und sah man Körpertäuschungen in vollem Lauf mit dem Ball am Fuß, die fast jede gegnerische Abwehr wie Anfänger aussehen ließ.

Vor allem aber – und das traf nicht nur auf die ungarische, sondern auch auf die deutsche Mannschaft zu, wurde weit mehr als vorher als Mannschaft gespielt, nicht mehr im wesentlichen auf Einzelleistungen aufbauend.

Jeder wusste, wenn nicht ein Wunder geschieht, wird diese ungarische Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft von 1954 gewinnen! Nur einer sagte etwas anderes: Sepp Herberger, damals Trainer der deutschen Fussballnationalmannschaft, behauptete, man werde im Endspiel gegen diese Ungarn gewinnen. Er wurde belächelt.

Herberger tat etwas, was damals die Trainer noch nicht kannten: Er kaufte einen Film über ein Spiel der Ungarn, auf dem das ganze Spiel zu sehen war, und studierte die Mannschaft auf diesem Film. Heute ist es tägliche Routine, die Videos von Spielen der eigenen Mannschaft und des Gegners zu studieren – ja, es ist zum A und O der Trainer geworden.

Der Film, den Herberger studierte, war das sagenumwobene Spiel mit dem ungarischen Sieg in Wembley. Er studierte diesen Film über Monate. Danach sagte er: „Die Ungarn haben einen Schwachpunkt: Der rechte Verteidiger Buzánski. Er ist schwächer als viele andere auf dieser Position. Wenn wir gegen Ungarn gewinnen wollen, müssen wir über den linken Flügel angreifen.“

Er suchte und fand den idealen Linksaussen für diese Aufgabe: Schäfer von 1. FC Köln. Er ließ in allen Vorbereitungsspielen bevorzugt über den linken Flügel angreifen, um diese Art von Spiel ins Unterbewusstsein der Spieler eingehen zu lassen – auch dann, wenn dieses gegen den aktuellen Gegner nicht angebracht war. Schäfer war der beste Linksaussen, den Deutschland je gehabt hatte, schnell und ballgewandt Er fütterte die anderen Stürmer mit hohen und mittelhohen Flanken von links in den Strafraum.

Übrigens gibt es hier eine klare Parallele zum Endspiel der darauffolgenden WM zwischen Schweden und Brasilien: Als Brasilien 1:0 zurücklag, gab der Kapitän Didi die Parole aus, alles über Garrincha am rechten Flügel laufen zu lassen, dem genialen Dribbler. Man gewann 5:2. So sehr die ersten WM-Siege der Brasilianer mit dem Namen Pelé verbunden sind, in Wirklichkeit war es das Genie Garrinchas, das ausschlaggebend für die brasilianischen WM-Siege 1958 und 1962 war.

Seit diesem Zeitpunkt war Herberger besessen von dieser Auseinandersetzung. Er dachte kaum noch an etwas anderes. Die sehr gemischten Ergebnisse seiner Mannschaft vor der WM liessen ihn ungerührt. Er sah sich im Endspiel – und das gegen Ungarn!

Er benutzte seine ganze Zeit, um einen umfangreichen Plan auszuarbeiten, wie er die Spieler positionieren müsste, wie die Ungarn psychologisch zu überraschen seien und die eigene Mannscaft psychologisch aufgebaut werden könnte. Er nannte dies nicht Psychologie, er nannte dies Energie.

Er war sich darüber im Klaren: Die Ungar hatten „einen Lauf“ und er übersetzte dies völlig richtig: Ihre eigenen Erfolge gaben den Ungarn so viel Selbstvertrauen, dass sie in jedem Spiel über sich hinauswuchsen. Es war klar, es gab kein verfügbares Mittel, um dies Selbstvertrauen zu brechen. Er musste im Gegenteil genau dies ausnützen: Er musste dem ungarischen Team die Sicherheit geben, sie würden gewinnen. Er musste sie die deutsche Mannschaft unterschätzen lassen! Er tat Alles, um dies zu erreichen.

Eine Aussage von ihm hierzu ist in Kaiserslautern in Stein geschlagen am Denkmal der Lauterer Spieler, die Teil hatten an dem Triumph: „Die Außenseiterrolle ist der Schlüssel für die Schatzkammer unermesslicher Kräfte, die - geweckt und geschürt – Energien freisetzt, die helfen, Berge zu versetzen.“ Und das war, was Herberger in die Tat umsetzte: Er ließ Deutschland in eine fast hoffnungslose Außenseiterrolle rutschen und er weckte und schürte Energien bei seinen Spielern.

Wahrscheinlich hat er bei einer Reihe von Spielen vor der WM absichtlich eine schwächere Mannschaft aufgestellt, als er zur Verfügung hatte! So spielte man z.B. in den Qualifikationsspielen für die WM gegen Norwegen nur unentschieden, gegen ein Norwegen, das selbst gegen das Saarland verloren hatte. Das Saarland stand damals noch unter französischer Verwaltung und durfte als eigenes Land an der Weltmeisterschaft teilnehmen.

Erst unmittelbar vor der WM begann er mit dem Team zu spielen, das später die WM gewinnen würde: Es war auf fünf Spielern vom 1. FC Kaiserslautern basiert, die kurz vor der WM die deutsche Meisterschaft 53/54 gewonnen hatten: Der Verteidiger Kohlmeyer, der Mittelläufer Liebrich, der rechte Läufer Eckel sowie die beiden Brüder Walter, Fritz als Halblinks und Ottmar als Mittelstürmer. Dies waren nicht unbedingt alle die besten Spieler auf diesen Positionen, Kohlmeyer war deutlich umstritten, aber er brauchte ein eingespieltes Team, ohne zu diesem Zeitpunkt noch die Zeit für viele Vorbereitungsspiele zu haben. So nutzte er das „Gerüst“ des Kaiserslauterner Meisters, um seine moderne Vorstellung eines Mannschaftsspiels umzusetzen.

Zwar ist der minutiösen und vorher in dieser Form nie gesehnen Vorbereitungsarbeit Herbergers sicherlich ein wesentlicher Teil des Triumphes zuzuschreiben, aber es kamen ihm auch eine Anzahl von günstigen Umständen zu Hilfe:

Der erste davon war die Auslosung und der Modus der Gruppenspiele.

Wie vorher schon üblich, gab es in jeder Gruppe gesetzte Mannschaften (die als besser eingeschätzen) und nicht gesetzte (hinzugeloste). Es war in Herbergers Taktik wichtig, nicht zu den gesetzten Mannschaften zu gehören. Dann hatte man die Möglichkeit, mit einer spektakulären Niederlage gegen eine der gesetzten Mannschaften zum Aussenseiter zu werden. Und so geschah es. Deutschland wurde nicht gesetzt. Dafür war sicherlich die schwache Vorstellung in den Qualifikationsspielen mit verantwortlich, aber wohl vor allem Deutschlands Ansehen, nur neun Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Man wollte und musste jeden möglichen Eindruck vermeiden, Deutschland würde ein irgendeiner Weise bevorteilt.

Man konnte ja nicht wissen, nichts gesetzt zu sein war Teil des Herberger-Plans.

Der Modus der Gruppenspiele war nach heutigen Verhältnissen fremdartig. In jeder Gruppe waren vier Mannschaften, aber sie spielten nicht jeder gegen jeden, sondern nur die Gesetzten gegen die nicht Gesetzten. Auch das kam Herbergers Plan entgegen, denn nun brauchte seine Mannschaft nicht gegen den anderen nicht Gesetzten der Gruppe, Süd-Korea, zu spielen, was angesichts der damaligen Kräfteverhältnisse einen unerwünscht hohen deutschen Sieg ergeben hätte.

Vor der WM waren folgende Mannschaften als Favoriten gehandelt worden: Uruguay, der amtierende Weltmeister, nach Ansicht Vieler das zweitbeste Team der Weltmeisterschaft nach den Ungarn. Brasilien, der zweite der vorhergehenden WM, dessen wirkliche Stärke nie deutlich wurde, natürlich das ungarische Traum-Team, dazu der zweimalige Weltmeister Italien und auch noch das Fußball-Mutterland England. Doch auch Österreich, Frankreich und die Heimmannschaft Schweiz, damals alles Fußball-Mächte, waren unter den Favoriten.

So wurden denn auch gesetzt: In Gruppe 1: Brasilien und Frankreich, in Gruppe 2: Ungarn und Türkei (dieses Setzen der Türkei war auch ein günstiger Umstand; eigentlich war dieser Platz für Spanien vorgesehen, das sich aber nicht qualifizieren konnte, so rückte die Türkei nach, obwohl sie eindeutig schwächer einzuschätzen war als das nicht gesetzte Deutschland), in Gruppe 3: Uruguay und Österreich und in Gruppe 4: England und Italien.

Die Auslosung muss Herbergers Herz höher schlagen gelassen haben: Das günstigst Mögliche trat ein: Man kam in die Gruppe mit Ungarn und konnte so spektakulär gegen den erwarteten Endspielgegner verlieren und man hatte in der Gruppe als zweite gesetzte Mannschaft die Türkei, die wahrscheinlich schwächste aller gesetzten Mannschaften. Damit war das Weiterkommen auch nach einer Niederlage gegen Ungarn nicht so schwer.

Allerdings wurde damals noch nicht mit der Tordifferenz oder den geschossenen Toren oder dem direkten Vergleich bei Punktgleichheit entschieden, sondern es wurde ein Entscheidungsspiel ausgetragen. Dies musste dann auch Deutschland gegen die Türkei, aber alles ging gut, man konnte relativ leicht gewinnen und das zusätzliche Spiel in den Knochen belastete nicht so sehr, denn gegen Ungarn hatte Herberger eine Reservemannschaft antreten lassen.

Herberger konnte unmöglich eine Mannschaft mit dem Auftrag aufs Spielfeld schicken, spektakulär zu verlieren. Das hätte auch seine Ethik nicht zugelassen. So stellte er einfach eine Mannschaft gegen Ungarn, die im wesentlichen aus Reservespielern bestand. Gegen das hochmotivierte Ungarn hatte diese Elf nie eine Chance. Die Niederlage mit 8:3 war aber eine tiefe Demütigung für das deutsche Nationalgefühl. Niemand verstand die Taktik Herbergers. Er wurde von der Presse und im Rundfunk in der Luft zerrissen.

Der Verteidiger Bauer von 1860 München, der bei einigen der 8 Tore der Ungarn nicht sehr gut aussah, hat später erzählt: „Nein, er hat uns nicht gesagt, wir sollen verlieren. Im Gegenteil, er hat uns noch einige Tipps gegeben, auf was wir besonders achten müssen. Aber wir waren eindeutig schwächer. Das war die beste Mannschaft der Welt, gegen die wir da spielten. Da waren die drei geschossenen Tore sogar noch ein Trostpflaster.“

Die heftige Kritik aus Deutschland nach der Niederlage gegen Ungarn nutzte Herberger nun, er „weckte und schürte Energien“, indem er den Spielern Ausschnitte aus den Kritiken vorlas, speziell jenen, die weit übertrieben in der Kritik, die Spieler persönlich angriffen und sogar zu Schimpftiraden, Schlägen unter die Gürtellinie und Obszönitäten griffen. Er schuf eine Atmosphäre von „wir allein gegen die ganze Welt“, von „denen werden wir es zeigen“, kurz: den ‚Geist von Spiez’ (die deutsche Delegation war in Spiez bei Bern untergebracht und lebte völlig abgesondert von der Umwelt. Es entwickelte sich eine Trotz- und Kampfstimmung, die später als der ‚Geist von Spiez’ bezeichnet wurde).

Diese Wut, dieser Kampfgeist zeigte sich in allen Spielen nach der vernichtenden Niederlage gegen Ungarn. Man gewann das zweite Spiel gegen die Türkei leicht mit 7:2, gewann das Viertelfinale gegen Jugoslawien mit 2:0 und vor allem, man gewann das Halbfinale gegen Österreich mit 6:1!

Angesichts der damals üblichen Ergebnisse des Offensivfußballs scheint dies nichts Aussergewöhnliches, aber es war es. Österreich war damals eine der Grossmächte des Fussballs. Österreich hatte in der Qualifikation Portugal mit 9:1 aus dem Wettbewerb geworfen, Österreich hatte in den Gruppenspielen der ersten Phase keinerlei Tor hinnehmen müssen, was außer diesem Team nur Uruguay gelang, Österreich würde wenige Tage später im Spiel um den dritten Platz das Weltmeister-Team von Uruguay niederringen, das vorher meistens als zweitbestes nach Ungarn angesehen wurde, vor allem aber hatte Österreich im Viertelfinale die Schweiz mit 7:5 besiegt, dem Spiel mit der höchsten Zahl der Tore der WM, das in die Geschichte als Hitzeschlacht von Lausanne einging. In diesem Spiel, so unglaublich das erscheinen mag, hatten die Schweizer nach 23 Minuten bereits 3:0 geführt, doch nach weiteren 12 Minuten lag Österreich mit 5:3 vorn! Fünf Tore in zwölf Minuten in einem Viertelfinale der Weltmeisterschaft, das muss den Österreichern erst einmal jemand nachmachen!

Nun, mag vielleicht jemand sagen, was ist schon die Schweiz? Aber damals war die Schweiz ebenfalls eine der Spitzenmannschaften. Sie war es nämlich, die Italien, den damals schon zweimaligen Weltmeister, aus dem Turnier befördert hatte mit zwei Siegen. Die Schweiz spielte den Riegel, das war ein erster schüchterner Versuch, eine etwas defensivere Spielweise anzuwenden, wenn auch dies immer noch innerhalb des Offensivfußballs stattfand. Italien war an diesem Riegel zweimal gescheitert, aber die Österreicher hatten ihn überwunden. Wer dieses Österreich mit 6:1 besiegt hatte, musste ein ernst zu nehmender Gegner im Endspiel sein.

Doch das hochfliegende Team Ungarns war solchen Erwägungen nicht zugänglich. Wer „einen Lauf hat“, d.h. er wird vom eigenen Selbstbewusstsein getragen zu immer neuen Höchstleistungen getrieben, der kann nicht gewarnt werden. Er wird einmal plötzlich auf Umstände und einen Gegner treffen, die ihn besiegen und dann wird das Heulen und Zähnknirschen umso lauter sein. Das war es, was mit Ungarn geschah.

Brasilien war von Ungarn relativ leicht ausgeschaltet worden – die Brasilianer hatten sich in persönliche Auseinandersetzungen verbissen, anstatt ihre Spielkraft auszuspielen. Im Halbfinale trafen die Ungarn auf den amtierenden Weltmeister Uruguay, damals eine absolute Spitzenmannschaft, die vorher die hoch eingeschätzten Engländer glatt mit 4:2 abgefertigt hatten. Zwar ging Ungarn, wie gewohnt, mit 2:0 in Führung, doch das Team musste in der regulären Spielzeit noch das 2:2 ninnehmen und in eine Verlängerung. Diese Verlängerung wurde äusserst schwer für die Ungarn, doch sie konnten mit zwei Toren des Torschützenkönigs Kocsis schliesslich mit 4:2 dominieren.

Diese Verlängerung im Halbfinale war eine weitere günstige Bedingung für die Deutschen im Endspiel, denn die Ungarn waren ausgelaugt von dieser Energieleistung. Eine deutliche Parallele zur WM 1970 in Mexiko, als Italien in eine schwere Verlängerung gegen Deutschland musste und darum im Endspiel gegen Brasilien nur eine Halbzeit mithalten konnte. Daraus entstand die Forderung, bei den WM mehr Zeit zwischen den Halbfinals und dem Endspiel einzubauen.

Die WM 1954 war die letzte Weltmeisterschaft des reinen Offensiv-Fussballs, wenn auch mit dem Schweizer Riegel schon die erste Andeutung der Entwicklung zum Defensiv-Fußball auftauchte. Bei der folgenden Weltmeisterschaft würde bereits mit Brasilien ein Team gewinnen, das nicht mehr fünf, sondern nur noch 4 Stürmer aufwies. Der Linksaussen Zagallo (heute der Mann mit der erfolgreichsten Fußball- und Trainer-Karriere aller Zeiten) war bereits zurückgezogen und war eigentlich ein Mittelfeldspieler. Wirklich defensiv wurde der Weltfussball aber erst, als die Italiener (Inter Mailand) Anfang der Sechziger Jahre den Cattenacchio erfanden und sich daraus dann mehr und mehr defensive Spielarten entwickelten bis zum heutigen Fußball, in dem gewinnt, wer die Anderen nicht spielen lässt.

Man kann heute mit den hohen Spielergebnissen von damals kaum noch etwas anfangen. Aber damals wurde das Spiel vorne gewonnen, nicht hinten, wie heute – jedenfalls in der Regel (wir werden noch eine Ausnahme beim Endspiel 54 kennen lernen). Oft wurden die Mehrzahl der Tore des Spiels in der ersten halben Stunde geschossen. Das hängt mit den damaligen Möglichkeiten zusammen, wie man die Spieler körperlich vorbereiten konnte, wie die Kondition der Spieler war. Es gab noch nicht die ausgefeilten Trainingsmethoden von heute. Die Spieler waren Amateure oder Halbprofis. Sie gingen einem Beruf nach. Die Fussballer hatten noch keine Lungen wie Engelsflügel und noch kein Herz von der doppelten Grösse eines normalen Menschen.

Die Entscheidung wurde schnell gesucht. Später im Spiel war man zu ausgelaugt, um noch Grosses zu vollbringen. Die heutige Maxime, der Ballführende muss sofort angegriffen werden, möglichst mit zwei Spielern, wäre damals nicht möglich gewesen. Das hätte niemand durchgehalten, jedenfalls nicht mehr als 10 Minuten. Damals gab es auch noch keine grosszügigen Auswechselungskontingente. Fast immer mussten Alle 90 Minuten durchspielen.

Kurz: Es war ein anderes Spiel. Darum erscheinen uns heute die Berichte von 1954 so fremdartig.

Ursprünglich war das Spielsystem im Fußball ein 2-3-5 gewesen: Zwei Verteidiger, drei Läufer und fünf Stürmer. Davon zeugen heute noch viele der benutzten Nummerierungen, z.B. wird die ‚7’ oft noch für einen Stürmer verwendet. Bis zur WM 54 hatten sich aber die Positionierungen schon verändert und es war das WM-System entstanden. Vorne wurde in einem ‚W’ positioniert, hinten in einem ‚M’. Der Mittelläufer, typischerweise für den gegnerischen Mittelstürmer zuständig, war von dessen vorgeschobener Position nach hinten gedrückt worden und war ein Mittelverteidiger geworden. Vor den drei Verteidigern spielten die beiden Aussenläufer ein defensives Mittelfeld. Im Sturm wurde die beiden Halbstürmer zurückgezogen und spielten das offensive Mittelfeld. Es war also eine Art von 3-2-2-3 oder 3-4-3-System.

Dies war in jenem Jahr DAS Fußball-System. Alle, auch die Ungarn, spielten WM-System. Im Spiel gegen Jugoslawien im Viertelfinale, bei dem alle Beobachter die deutsche Mannschaft irgendwie als „ofusk“ angesehen hatten, waren diese Positionen geändert. Das Spiel der deutschen Mannschaft war nicht ‚frei’, man spielte irgendwie viel zu zurückhaltend – die beiden Tore fielen mehr zufällig anstatt als logische Konsequenz vieler Angriffe.

Was war geschehen? Herberger hatte sein Spielsystem gegen Ungarn getestet. Eckel war als Manndecker nach hinten gezogen worden, Fritz Walter spielte extrem defensiv, praktisch wie ein defensiver Mittelfeldspieler, sein Bruder Ottmar hatte die Rolle des Ballverteilers im vorderen Mittelfeld übernommen, Schäfer blieb immer nahe der linken Aussenlinie und war so praktisch kein Stürmer mehr. Als Stürmer blieben nur Morlock und Rahn, wobei der letztere kaum an der rechten Aussenlinie blieb, sondern in die Mitte drängte. Dies war gegen Jugoslawien völlig unangebracht, aber Herberger brauchte mindestens ein Spiel, in dem die neue Positionierung erprobt wurde.

Nach dem Jugoslawien-Spiel, das als extrem schwache Vorstellung der Deutschen angesehen wurde, war die Kritik aus der Heimat noch schriller und ätzender geworden. Es wurde u.a. kritisiert, dass Herberger an Ottmar Walter festhielt, der absolut nichts gezeigt habe (er nahm ja nicht seine Position als Mittelstürmer ein). Berni Klodt solle für ihn in die Mannschaft. Herberger sagte nur, die verstehen gar nichts. Und das war es, die deutschen Sportjournalisten verstanden nicht, dass alles an Herbergers Taktik auf ein Endspiel gegen Ungarn ausgerichtet war, dass er nicht von Spiel zu Spiel dachte, sondern im wesentlichen an dieses Endspiel. Er nutzte die Kritiken erneut, um die Wut der Spieler noch zu steigern.

Im Film „Das Wunder von Bern“ wird das Endspiel fast völlig auf Rahns Tore reduziert. Das ist eine Verfälschung. Natürlich gibt Rahn von Rotweiss Essen einen idealen Ruhrgebietshelden ab und er schoss eben wirklich zwei der drei Tore im Endspiel. Aber das ist nur eine Seite.

Rahn war keineswegs der Beste auf seiner Position, genauso wenig wie Ottmar Walter, für dessen Position auch noch Berni Klodt auf der Bank sass. Die beiden waren dort, weil Herberger sie in seiner genialen Strategie benutzte. Ottmar Walter war einer der besten Mittelstürmer Deutschlands und verdiente, in dieser Mannschaft zu stehen, aber er war kein klassischer „Goal-Getter“, er war dort, weil er sich mit seinem Bruder Fritz und den anderen „Lauterern“ fast blind verstand, was Herberger in dieser Mannschaft brauchte.

Rahn war ein langsamer Spieler mit etwas behäbigen Bewegungen und wenig Technik. Aber er hatte das, was man als „Bums“ bezeichnete oder später als „Klebe“ oder „Wumme“, das was wir bis vor kurzem bei Roberto Carlos von Brasilien bewundern konnten, einen mächtigen Gewaltschuss – und er konnte ihn oft in die richtige Richtung bringen. Das ist mehr als man von vielen heutigen Bundesligaspielern sagen kann.

Herberger hatte ihn hereingenommen, weil er keinen anderen Spieler mit dieser Charakteristik hatte. Er war sich bewusst, irgendjemand hätte die Tore zu machen. Er hatte Max Morlock von 1. FC Nürnberg, der ein wirklicher „Goal-Getter“ war, aber der war mit seinem Sinn für den richtigen Ort im richtigen Moment mehr für jene Art von Abstauber-Toren zuständig, wie er eins im Endspiel zum 1:2 machte. Morlock, nicht etwa Rahn oder O. Walter, wurde Zweiter der Torjägerliste der WM 54! Aber Rahn war jener, der aus einer gewissen Entfernung Dinger aufs Tor loslassen konnte, die kaum ein Torwart halten konnte und der Torwart der Ungarn, Grosics, war nicht der stärkste.

Herbergers Sturm war damit mit allen Typen von Stürmern ausgerüstet, ein Gleichgewicht, das heute viele Trainer nicht herzustellen verstehen, nicht zuletzt, weil sie nur noch einen Stürmer haben.

Ganz links war Schäfer, über den fast alle Angriffe liefen und der viele von ihnen in Flanken in die Mitte umsetzen konnte. Alle drei deutschen Tore begannen mit Vorstössen von Schäfern, wobei allerdings beim ersten Tor von Morlock bis zum Tor eine Menge anderer Füsse dazwischen waren.

Halblinks war Fritz Walter, der Spielmacher, der Mann mit Übersicht und mit einem Blick fürs Spiel. Er war Herbergers Mann auf dem Spielfeld. Er verstand Herbergers Taktik. Er kommandierte auf dem Spielfeld, nicht einfach, weil er Kapitän war, sondern aufgrund seiner natürlichen Autorität als besonders herausragender Spieler. Er war mit Defensivaufgaben überbeansprucht in diesem Endspiel und verstärkte praktisch die Abwehr, kein Wunder bei einem so starken Gegner.

Der Mittelstürmer Ottmar Walter war mehr ein Aufbauspieler als ein Reisser. Er beschäftigte die Hintermannschaft der Ungarn und sorgte dafür, dass ständig Spieler in der Verteidigung bleiben mussten. Er hinterliess zwar keine unmittelbaren Spuren im Finale, war aber einer von denen, der die Ungarn mit ständigem Laufen mattspielte.

Halbrechts war Max Morlock, der sich in dieser Weltmeisterschaft als der Mann erwies, der vorne im richtigen Moment am richtigen Platz war. Sein Anschlusstor unmittelbar nach dem 2:0 der Ungarn war ausschlaggebend, dass sich keine ängstliche Stimmung in der deutschen Mannschaft verbreiten konnte.

Rechtsaussen war Helmut Rahn. Er spielte in Wahrheit keinen Rechtsaussen, sondern mehr einen Mittelstürmer, der sich meist weiter rechts aufhielt. Er bekam fast keine Bälle, um sie nach vorne zu tragen oder Flanken zu geben, denn in beidem war er nicht besonders gut. Er bekam in aussichtsreichen Positionen zweimal abgeprallte Bälle vor die Füsse und zögerte nicht abzuziehen, das waren zwei Tore für die Deutschen. Das macht ihn unsterblich.

Doch kommen wir, bevor wir wieder aufs Endspiel zu sprechen kommen, noch einmal auf die günstigen Umstände zurück.

Zu den schon genannten kamen im Endspiel nämlich zwei weitere:

Die erste: Puscas war leicht verletzt. Es ist nicht überliefert, was es für eine Verletzung war, aber Puskas spielte in diesem Spiel bei weitem nicht das, was er konnte. Das hing wohl auch mit einem starken Gegner zusammen, aber wahrscheinlich auch mit der Verletzung. Immerhin schoss Puskas das erste ungarische Tor, gleich nach sechs Minuten. Kurz vor Schluss gelang ihm aus Abseitsposition noch ein Beinahe-Tor. Er konnte aber das ungarische Spiel über die ganze Zeit nicht wie gewohnt antreiben und das war wohl eine deutliche Schwächung.

Der zweite günstige Umstand war – und das ist allgemein bekannt: Es regnete während des ganzen Finalspiels, es war „Fritz–Walter-Wetter“. Auf tiefem und von Pfützen bedeckten Grund konnte das typische ungarische Spiel mit einem raschen Ball-Laufen-Lassen von einem zum anderen nicht funktionieren, denn die kurzen Flach-Pässe bleiben in den Pfützen stecken. Zum anderen funktioniert das Eng-am-Fuß-Führen des Balls, während man vorwärts strebt, nicht wie gewohnt – aus dem gleichen Grund. Kurz: Die technische Überlegenheit Ungarns, die unbestreitbar ist, war praktisch eliminiert durch den Regen.

Damals gab es ja noch nicht die teppichartigen Rasenplätze, die heute dominieren. Auch die heutige Drainage-Technik, die das Entstehen von Pfützen verhindert, war noch unbekannt.

Was das mit Fritz Walter zu tun hat? Eigentlich wenig. Nur indirekt. Fritz Walter war Spielführer von zwei Mannschaften, die nicht unbedingt durch viel Technik glänzten, dem 1. FC Kaiserslautern und der damaligen deutsche Nationalmannschaft. Er selbst war sehr wohl ein technischer Spieler, der gut in eine Mannschaft wie die der Ungarn gepasst hätte, aber die von ihm geführten Mannschaften konnten immer froh sein, wenn es regnete und die technischen Vorteile des Gegners nicht zum Zuge kamen. So kam es zum Begriff des Regens als „Fritz –Walter-Wetter“.

Ganz nebenbei gab es noch einen kleinen günstigen Umstand für die deutsche Elf: Kurz vor dem Finale hatte Adi Dassler, der damalige Besitzer von Adidas, den Fussballschuh mit Schraubstollen erfunden, der den deutschen Spielern zur Verfügung stand. Man konnte im Regen längere Stollen einschrauben und hatte dann einen geringfügigen Vorteil in der Standfestigkeit.

Als die Ungarn also aufliefen, hätten sie eigentlich gewarnt sein müssen. Sie standen dem Gegner gegenüber, der Österreich mit 6:1 abgefertigt hatte, sie hatten einen verletzten Spielführer, sie waren noch von der Verlängerung gegen Uruguay ausgelaugt, sie spielten im für sie ungünstigen Regen und sie hatten einen bis in die Haarspitzen motivierten Widersacher vor sich. Doch die Aussagen, die einige der ungarischen Spieler später machten, waren klar: Obwohl sie sich im Grunde dieser Tatsachen bewusst waren, dominierte doch in ihrem Unterbewusstsein die Gewissheit der Überlegenheit, stand man nicht einer ungesetzten Mannschaft gegenüber, hatte man denn nicht Deutschland zwei Wochen vorher mit 8:3 deklassiert? Offenbar hatte Trainer Sebes nicht oder nicht ausreichend deutlich gemacht, wie gefährlich dieser Gegner war. Herbergers Rechnung begann aufzugehen.

Aber auch wenn Sebes gewarnt hätte, bleibt zu bezweifeln, ob irgendetwas anders gelaufen wäre. Das schnelle ungarische Spiel auf höchstem Niveau war nur mit prallem Selbstbewusstsein möglich – und so beisst sich die Katze in den Schwanz.

Innerhalb von 8 Minuten führte Ungarn 2:0. Das hätte die Zuversicht von fast jedem unterminiert, nicht aber dieser deutschen Mannschaft, die es immer noch ‚Allen zeigen’ musste und wollte. Zwei Minuten nach diesem 2:0 gelang Morlock bereits das Anschlusstor, weitere 8 Minuten später Rahn der Ausgleich.

Doch gehen wir noch einmal zu den zwei Minuten zurück, die Ungarn 2:0 führte. Der Mitteläufer der Ungarn Lorant, der später lange Zeit Trainer in Deutschland war, sagte nämlich später: „In diesem Moment hatten wir das Spiel verloren.“ Nicht etwa, als der 2:2-Ausgleich fiel, nein, mit dem 2:0.

Was wollte er sagen?

War man vielleicht mit einem bestimmten Vorbehalt ins Spiel gegangen, ob sich der Gegner nicht doch als schwer herausstellen würde, ob man erneut höchste Schwierigkeiten haben würde zu gewinnen wie gegen Uruguay, so atmete jeder in der Mannschaft mit dem 2:0 innerlich auf. Nein, nichts dergleichen, Deutschland war nicht besser als die Ersatzmannschaft, man hatte alles im Griff, man würde das Ding souverän heimschaukeln. Innerlich, ohne es zu merken, wurde der absolute Fokus auf das Ziel etwas gelockert, es wurde sich erleichtert zurückgelehnt – jedenfalls ihm übertragenen Sinn. Damit hatten die ungarischen Spieler das Einzige verloren, das ihnen auch in dieser Situation noch den Sieg garantiert hätte: Die absolute Konzentration auf jede einzelne Szene des Spiels, der Einsatz von allem, was möglich war, der absolute Fokus.

Ob dies Herberger auch so geplant hatte? Ungewiss. Er konnte unmöglich absichtlich eine ungarische 2:0-Führung provoziert haben, allerdings war das typisch für das ungarische Spiel. Dies kam nun aber in idealer Weise seinen Absichten zupass, speziell, weil der deutschen Mannschaft schnell der Ausgleich gelang. Während des ganzen Spieles konnten die Ungarn nicht zurückfinden zur absoluten Konzentration, die hier nötig gewesen wäre. Das hatte Lorant gemeint mit: „Nach dem 2:0 hatten wir das Spiel verloren.“

Das ist eine alte psychologische Erkenntnis: Ist man mit einer bestimmten Haltung (zum Beispiel der sträflichen Unterschätzung des Gegners) ins Spiel gegangen oder hat man diese Haltung nach kurzer Zeit im Spiel angenommen, so gelingt es nicht so einfach, während des Spiels diese Haltung zu ändern.

Das heißt natürlich nicht, dass Ungarn nicht noch hätte gewinnen können. Es hatte auch genug klare Chancen dazu. Hidegkuti knallte einen Ball an den Pfosten, Kocsis einen an die Latte, Turek hielt einige „Unmögliche“ und der Schiedsrichter hätte das Abseits von Puskas bei seinem Tor kurz vor Schluss nicht gesehen haben können. Aber auch das mag mit der Psycholgie zu tun haben. Ist man nicht völlig fokussiert, kommt mit fortlaufendem Spiel Panik auf, eventuell zu verlieren, so geht die Genauigkeit leicht verloren.

So kam es denn zur Szene sechs Minuten vor Schluss: Schäfer (immer er) führte einen Angriff nach vorne, flankt auf Morlock, doch ein ungarischer Kopf ist dazwischen und der Ball springt zu Rahn, der fast genau am rechten Strafraumeck steht. Der Sportreporter Zimmermann, dessen Reportage am Radio dieses Spiels zur Legende geworden ist, brüllt ins Mikrofon: „Rahn müsste schiessen!“ Dann, fast etwas überrascht, dass man seine Anweisungen befolgt: „Er schiesst!“ und danach hört man ihn nur noch schreien „Tor! Tor!“, so als sei er ein brasilianischer Rundfunkreporter.

Rahn hatte mit einem trockenen und harten Flachschuss vollstreckt.

Also doch Rahn der Matchwinner? Oder hat Morlock mehr Anteil? Oder Schäfer? Nichts dergleichen!

Der deutsche Sturm hatte in Wirklichket nicht mehr Tore gegen Ungarn fertiggebracht als die Ersatzmannschaft kurz vorher, nämlich drei. Was geschah, war, die deutsche Hintermannschaft hat diesmal keine acht eingesteckt, sondern nur zwei.

Sehen wir uns also diese Hintermannschaft näher an: Hier dominiert der Mittelläufer Liebrich, ebenfalls von Kaiserslautern, der zudem zwei weitere Lauterer, Kohlmeyer und Eckel, zur Seite hat. Die drei bilden das Rückgrat. Wer viel hinten aushilft, ist zudem Fritz Walter.

Eckel ist der direkte Gegenspieler von Puskas und er neutralisiert ihn über grosse Teile des Spiels. Da ist natürlich auch Puskas’ Verletzung, aber im Endeffekt geht das Duell trotz Puskas’ Tor und seinem Abseits-Tor unentschieden aus. Der Torjäger Kocsis war meist bei Kohlmeyer gut aufgehoben, abgesehen von wenigen Szenen, aber er macht keine Tor, dafür produzierte Kohlmeyer ein Missverständnis mit Torhüter Turek, das zum 2:0 führte, also nur ein Unentschieden für Kohlmeyer.

Liebrich selbst dirigiert nicht nur die Hintermannschaft, sondern dominiert auch Mittelstürmer Hidegkuti, bis auf eine Szene. Aber auch der macht kein Tor, also 1:0 für Liebrich. Mihály Tóth, der Halbrechts, ist bei Karl Mai von der SpVgg Fürth gut aufgehoben. Mai macht das Spiel seines Lebens, auch 1:0 für ihn. Schliesslich noch das Duell zwischen Jupp Posipal vom Hamburger SV und Szíbor, dem Linksaussen (die zwei waren früher einmal in Rumänien in die gleiche Schule gegangen). Szíbor ist für das zweite Tor der Ungarn zuständig, aber sonst auch in guten Händen, auch hier ein unentschieden. Dazu kam Turek im Tor, von Fortuna Düsseldorf. Er hat zwar ein wenig Mitschuld an dem 2:0 für Ungarn, aber was hielt er alles! Reporter Zimmerman nannte ihn einen Fussballgott. Mit anderen Worten, die deutsche Hintermannschaft hat das Spiel gewonnen!

Auf einem Fussballstammtisch, der damals eine Anzahl der Mitglieder der deutschen Delegation in der Schweiz zusammenführte, wurde, einige Zeit nach dem Triumph, Herbergers Tatktik analysiert. Er hatte mit Eckel als Bewacher von Puskas, der ja sehr weit vorne spielte, praktisch einen vierten Verteidiger eingeführt. Er spielte mit einer Viererkette in der Abwehr! Kommt das jemand bekannt vor? Davor hatte er zwei defensive Mittelfeldspieler, Fritz Walter und Mai - und vor ihnen zwei offensive Mittelfeldspieler, Ottmar Walter und Schäfer. Als Stürmer blieben in Wirklichkeit nur Morlock und Rahn. Herberger spielte gegen Ungarn 4-4-2! Das ist genau das System, das heute viele Nationalmannschaften benutzen, so unter anderen die brasilianische.

Herberger hatte zum ersten Mal in einem wichtigen Spiel der Fussballgeschichte ein defensives Spielsstem verwendet und zum ersten Mal bewiesen, es kann über ein offensives System triumphieren. Herberger ist der Erfinder des Defensiv-Fussballs.


Veröffentlicht am 30. Dezember 2007 in "Nachrichten - heute"

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Nonkonformer - 21. Sep, 23:42

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