Samstag, 27. November 2010

Schäuble unter Drogen?

Was passiert mit einem Minister in Drogenlaune?

Von Karl Weiss

Das ist immerhin bemerkenswert: CDU und FDP sind ja in einer Koalition, die Deutschland regieren soll. Da gibt es nun einen Fraktionsvorsitzenden der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, einen gewissen Wolfgang Kubicki, dem das Verhalten des berühmten und skandalerprobten ehemaligen Innenministers und heutigen Finanzministers der Union und der schwarz-gelben Koalition, dem Träger von schwarzen Geldkoffern Wolfgang Schäuble, so vorkam, als ob der „unter Drogen“ stand. Das ist immerhin eine ernst zu nehmende Aussage.

Beckstein
Schäuble, hier zusammen mit einem, der genauso weit rechts denkt wie er: Beckstein

Das ist immerhin auch eine Aussage von einem Verbündeten – wie wären dann die von Gegnern?

Der Anlass ist inzwischen allgemein bekannt. Anfang vergangener Woche, als eine Pressekonferenz zur neuen Steuerschätzung angesagt war, kanzelte Schäuble den Pressesprecher seines Ministeriums in aller Öffentlichkeit und vor Hunderten von Journalisten ab.

Es ging um zwei Graphiken in den Unterlagen für die erschienenen Journalisten, die Schäuble gerne dort gesehen hätte. Nur hatte der Pressesprecher sie nicht mit vervielfältigen lassen. Ein typisches Missverständnis, wie es im Berufsleben hundert Mal vorkommt.

Stasi 2.0
Schäuble, in seiner Zeit als Innenminister Symbol des Überwachungsstaates

Anstatt nun die Graphiken während der Pressekonferenz vervielfältigen zu lassen und am Ende zu kommentieren, brach Schäuble die Pressekonferenz gleich nach dem Beginn ab. Er hatte gewusst, die Graphiken waren nicht in den Unterlagen für die Reporter und legte es auf eine öffentliche Erniedrigung des Pressesprechers an.

Erst eine halbe Stunde später, als die Graphiken vervielfältigt und mit den anderen Unterlagen zusammengeheftet waren, wurde die Pressekonferenz erneut eröffnet und normal abgespult.

Es gibt in der ganzen Geschichte der Bundesrepublik keinen vergleichbaren Fall, in dem ein Minister einen führenden Mitarbeiter seines Ministeriums öffentlich bloßgestellt und erniedrigt hätte.

Filbinger - Schäuble
Schäuble, der eine beschwerliche Reise auf sich nahm, um sich von seinem Freund Filbinger, einem Erz-Faschisten, zu verabschieden

Der Pressesprecher ist ja eine der für die Aussendarstellung wichtigsten Funktionen im Ministerium.

Das Pech für Schäuble war, diese unterbrochene Pressekonferenz konnte sich jeder, der wollte, im Internet ansehen. Ein freundlicher Zeitgenosse hatte sie dorthin gestellt. Damit wurde aber Schäuble unmöglich, denn diese öffentliche Behandlung eines wichtigen Mitarbeiter seines Ministeriums ist nicht akzeptabel.

Jeder von uns, hätte sein Chef ihn so behandelt, hätte seine Konsequenzen gezogen. Und so tat es der Pressesprecher. Er bat um eine Versetzung auf eine andere Position.

Aber statt einer freundlichen Einladung von Frau Merkel an ihren Finanzminister, an eine Pensionierung zu denken, kam eine Unterstützung: Sie habe da nichts auszusetzen.

Wahrscheinlich war sie Ähnliches aus ihrer Zeit als Funktionärin des SED-Mauerbauerstaates gewohnt. Auch dort, so hört man, waren öffentliche Bloßstellungen von unliebsamen Mitarbeitern an der Tagesordnung.

Es kam also der Moment, als ein Rücktritt von Minister Schäuble erwartet wurde. Der kam aber nicht. Das nennt man: Er klebt am Stuhl.

Nun wurde es für die Regierung ein wenig unangenehm. Sollte man massiven Druck auf Schäuble ausüben, zurückzutreten?

Für die Regierung eine zwiespältige Situation: Wollte man wirklich in Deutschland diese Behandlung von Untergebenen empfehlen? Das Hätte dem Image schaden können. Da kam man auf die Idee der Drogen.

Wie man weiss, ist Schäuble querschnittgelähmt und musste kürzlich in Krankenhausbehandlung gehen. War es da nicht naheliegend, dass er Drogen gegen Schmerzen nimmt und daher für seine Taten nicht normal verantwortlich ist?

Nun wird die Aussage des FDP-Politikers klar: Er wollte Schäuble vor den Anklagen retten!

Kurz danach kam in den Meldungen auch die umgekehrte Idee auf. Vielleicht nimmt Schäuble eben nicht die Schmerzmittel und ist deshalb wegen der Schmerzen ständig schlechtgelaunt.

Das ist eine Art von „House M.D.“-Lösung. In der beliebten US-Fernseh-Serie „House M.D.“ tritt ein genialer Diagnostik –Arzt auf, der gleichzeitig aber ein Ekel von einem Mensch ist – jedenfalls nach aussen hin.

Er hat ständige Schmerzen im Bein, weil ihm ein Teil eines Muskels abgenommen werden musste und nimmt Drogen, um das zu überspielen – oder eben nicht und ist dann schlecht gelaunt wegen der Schmerzen.

Wie auch immer, Schäuble war als wesentlicher Mitspieler des CDU-Spendenskandals schon vorher inakzeptabel als Minister und ist es nun umso mehr.

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