Sonntag, 19. Juni 2011

Der ‘Kill den Euro’-Kandidat: Italien

Es wird die Pest sein

Von Karl Weiss

Die Rating-Agentur ‘Moodys’ hat Ialien, das gegenwärtig dort die Note Aa2 erhält, mit einer Abstufung gedroht, das heisst mit einem – (negativ) versehen. Das will sagen, bei der nächsten Überprüfung droht die nächstschlechtere Note oder sogar noch Schlimmeres.

Eurokarikatur

Italien ist bisher unter den Bankrott-Kandidaten des Euros noch nicht in Erscheinung getreten, weil dies ein weit dickerer Brocken ist als Griechenland, Irland oder Portugal. In der ursprünglichen Aufzählung, welche mit dem Namen „pigs“ (Schweine) versehen wurde, war Italien ja nicht vertreten, das I war Irland. Allerdings gab es dann auch schon die erweiterte Form der Abkürzung, die PIIGS lautete und Italien einschloss.

Auch die grösste der drei wesentlichen Rating-Agenturen, Standard & Poor’s, hat Italien im Mai mit einem ‚Minus‘ versehen, also der Androhung der Abstufung. S&P bewertet langfristige italienische Staatsanleihen bereits mit A+ und damit zwei Stufen schlechter als Moody's, aber immer noch als prinzipiell sichere Anlage. Fitch, die dritte und kleinste der drei wesentlichen Rating-Agenturen, bewegt sich mit der Note AA- dazwischen und hielt zuletzt an einem stabilen Ausblick fest.

Insider haben bereits vor Monaten gewarnt, das bei weitem grösste Problem komme mit Italien auf den Euro zu (siehe den Artikel „3 Billionen Euro – keine Ausweg“, hier unten verlinkt.

Auszug aus der Republica

Der Bürgerjournalist hat bereits im Januar eine Reihe von Artikeln zu den „gefährdeten“ Euro-Staaten ins Blog gestellt, in denen er auf das Problem Italien mit der hohen Staatsverschuldung hinwies.

Hier die Artikel:

3 Billionen Euro – kein Ausweg ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11419452/ )

Was hat es mit den ‚Hilfen‘ für überschuldete Euro-Länder auf sich? Teil 1: Griechenland ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11580502/ )

Hilfen für überschuldete Euro-Länder, Teil 2, Irland ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11582549/ )

Hilfen für überschuldete Euro-Länder, Teil 3, Portugal ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11585448/ )

Hilfen für überschuldete Euro-Länder? Teil 4: Italien und Spanien ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11593939/ )

Hilfen für überschuldete Euro-Länder, Teil 5: Was heisst dies alles für den Euro? ( http://karlweiss.twoday.net/stories/11894236/ )

Und hier ein Auszug bezogen auf Italien:

„Die wichtigste Zahl sind die Staatsschulden in % der Wirtschaftsleistung. Da ist Italien mit 118,5% bei weitem am schlechtesten dran (wenn man einmal Griechenland aussen vor lässt, denn dem wurde ja schon „geholfen“). Der Wert des Schengen-Limits für diese Kennzahl ist 60%, will sagen Italien übertrifft das fast genau um 100%.

Das sind extreme Staatsschulden im Vergleich zu der Leistung des Staates, die ja die Grundlage ist, um das irgendwie einmal bezahlen zu können.

Nun, wäre Italien in der Lage Brasiliens, dass heisst mit einem Wirtschaftswachstum von 5% im Jahr, so wäre das zu schaffen, aber Italien ist mit einem Wachstum von 0,8% in den ersten zehn Monaten 2010 in einer Stagnation auf niedrigem Niveau, denn das ist ja gegenüber dem Krisenjahr 2009!

Irgendeine reale Aussicht, zu schnellem wirtschaftlichem Wachstum zu finden und dann auch locker diese Schulden begleichen zu können, gibt es nicht. Mit anderen Worten: Italien wird über kurz oder lang die Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, sei es mit einem zusätzlichen Kredit aus dem Euro-Rettungsschirm vorher oder nicht.

Die Beispiele Griechenland und Irland zeigen, die „Schirm“-Gelder helfen nicht im geringsten dagegen.

Auf dieses gleiche Urteil kommt man auch, wenn man die Zahl ansieht, die besonders gut über die Zukunft Auskunft gibt, das ist der Schulden-Dienst in Prozent der Steuer-Einnahmen. Und da sieht es bei Italien besonders düster aus. Mit 55,9% hat Italien den bei weiten höchsten Wert in der Euro-Zone, sogar noch ein wenig höher als Griechenland. Das bedeutet nichts anderes als: Der gesamte italienische Staatshaushalt 2011 ist bereits zu Beginn des Jahres mit fast 56% ausgegeben, er wird nämlich in die Bezahlung der Schulden und ihrer Zinsen gehen. Irgendwelche haushaltspolitischen Freiräume hat man dann nicht mehr.

Damit besteht auch die Möglichkeit nicht mehr, die Wirtschaft mit massiven Investitionen in Schwung zu bringen und wieder in ein Wachstum zu steuern. Wenn man nur noch 44% der Steuereinnahmen zur Verfügung hat, kann man nur noch das Allernotwendigste an Staatsausgaben finanzieren.“

Griechenland, Irland und Portugal sind relativ kleine - will sagen bevölkerungsarme – Länder. Deren Probleme allein werden dem Euro nicht so leicht den Garaus machen. Völlig amders wird es aber, wenn Spanien in der Kreis der Länder eintritt, die unter den Rettungsschirm schlüpfen. Spanien hat mehr Bevölkerung als die drei ersteren zusammen, genau gesagt ein Drittel mehr als die drei zusammen.

Wenn aber dann noch Italien dazu kommt, so gibt es keinen Euro mehr, der dem standhält. Italien hat mit etwa 60 Millionen Einwohnern fast die gleiche Grösse wie Frankreich und ist zwei-einhalb mal so gross (in Bevölkerung) wie Griechenland, Irland und Portugal zusammen.

Ein „Rettungsschirm“ für Italien oder gar ein von der EU garantierter Schuldenschnitt, wie man ihn jetzt mit Griechenland vorhat, ist objektiv undenkbar. Niemand, wirklich niemand, hat so viel Geld, um das tragen zu können.

Da aber Italien jetzt bereits ernste Probleme zu haben beginnt, steht praktisch bereits fest: Der Euro wird nicht zu halten sein. Statt ihn eigensinnig zu verteidigen, sollte man lieber darüber nachdenken, wie man ihn ersetzt.

Aber das ist natürlich zu viel verlangt von unseren Europa- und Finanz-Politikern. Sie werden bis zum Untergang am Euro festhalten und dann später sagen, sie hätten recht gehabt – denn besser wird es natürlich auf keinen Fall.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera ist phantastisch, nicht wahr? Aber wir werden nicht einmal diese Wahl haben. Es wird die Pest sein. Wer jetzt noch glaubt, für die Cholera als kleineres Übel kämpfen zu müssen, kann beruhigt aufgeben, es wird die Pest sein!

Karl Weiss - Journalismus

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