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Sonntag, 16. Juli 2006

5 Millionen Arbeitslose einstellen

Sie haben über unsere Verhältnisse gelebt!

Von Elmar Getto

Inzwischen hat auch die Bundesregierung eingestanden, daß Hartz IV keineswegs zu Einsparungen im Haushalt geführt hat. Nun stellt sich mehr und mehr heraus, daß es sogar für hohe zusätzliche Ausgaben verantwortlich ist. Zählt man außerdem die hohen Kosten für die Haushalte, die sich durch die Arbeitslosigkeit ergeben, also entgangene Steuereinnahmen und Sozialabgaben und zählt man die ganzen Kosten der sündteuren Agentur ohne Arbeit dazu, so kommt man zu einem klaren Ergebnis: Würde der deutsche Staat fünf Millionen Arbeitslose einstellen zu einem durchschnittlichen Monatseinkommen von - sagen wir - 1 800 Euro, so würden sich die Kosten für den Staat deutlich verringern.

Wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt, so hieß es. Die öffentlichen Haushalte müßten saniert werden. Es sei nicht mehr so viel Geld da für die angebliche „soziale Hängematte". Dies alles waren Begründungen für Hartz IV und sie zogen auch bei vielen Menschen in Deutschland. Bis heute glauben die meisten, Hartz IV sei zum Sparen eingeführt worden. Die Realität ist eine völlig andere. Hartz IV hat vielmehr die Kosten für die öffentlichen Haushalte noch einmal in die Höhe geschraubt. Gehen wir den Fragen von "Sparen", "über Verhältnisse leben" und "nicht genügend Geld da" genau nach, kommen wir zum Schluß: Die Einheitspartei-Politiker haben über unsere Verhältnisse gelebt!

Nach den letzten vorliegenden Zahlen (das sind die von 2004, also vor Hartz IV, aber nun wissen wir ja, daß es mit Hartz IV noch teurer wurde) sind die Kosten der Arbeitslosigkeit für den Staat die folgenden ('Rbi-aktuell' - jetzt 'Berliner Umschau' - veröffentlichte diese Zahlen schon im Juli, aber es wurde noch nicht die Gegenrechnung aufgemacht):- Arbeitslosengeld: 24,7 Mrd Euro- Arbeitslosenhilfe: 16,9 Mrd Euro- Nicht bezahlte Sozialbeiträge: 23,6 Mrd Euro- Nicht bezahlte Steuern: 15,9 Mrd Euro.

Das sind zusammen also 85,7 Milliarden Euro, eine unglaublich hohe Summe. Seitdem ist die (offizielle) Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich über 5 Millionen gestiegen und laut Regierungsangaben sind die Ausgaben durch Hartz IV ebenfalls um über 12 Milliarden über den erwarteten gelegen, also kann man für die aktuelle Situation ohne weiteres noch einmal etwa 15 Milliarden Euro draufschlagen und hat immer noch nicht hoch geschätzt. Damit sind wir also bei der fast nicht vorstellbaren Summe von etwa 100 Milliarden Euro, die die Arbeitslosigkeit in Deutschland jährlich den Staat kostet, das ist folgende Zahl: 100.000.000.000, also eine 1 mit 11 Nullen.

Hier ist allerdings noch gar nicht eingeschlossen, was auch noch die Bundesagentur ohne Arbeit mit all ihren Unteragenturen kostet und was die ARGEs kosten in den Landkreisen und Städten. Nach den letzten Angaben (die sind je nach Quelle unterschiedlich) liegt dieser Betrag im Bereich von zwischen 20 und 40 Milliarden. Zusammen ergibt sich also ein Kostenpaket von - niedrig geschätzt - 120 bis 140 Milliarden Euro.

Und nun rechnen Sie einmal mit uns nach, was das jährlich ergäbe, wenn der Staat die 5 Millionen Arbeitslosen mit durchschnittlich 1 800 Euro im Monat (einschlieslich des Arbeitgeberanteils der Sozialversicherungen) einstellen würde: 5.000 000 x 1.800 Euro x 12 = 108 Milliarden Euro.

Das wären also Einsparungen in der Größenordnung von zwischen 12 und 32 Milliarden Euro für die öffentlichen Haushalte, wahrscheinlich mehr.Wir brauchen dabei gar nicht in die Details dieses Modells einsteigen, z.B. darüber reden, zu welchen Arbeiten denn der Staat diese 5 Millionen Menschen heranziehen könnte, denn es kann natürlich keine Rede davon sein, daß unsere ruchlose Politikerkaste auch nur anfängt darüber nachzudenken, dies wirklich zu tun.

Jeder weiß natürlich auch warum. Wären alle diese Arbeitslosen untergebracht, wie könnte man dann verzweifelte Leute produzieren, die sich den Kapitalisten für Mini-Löhne offerieren?

Es wird also klar: Hartz IV diente nicht dem Sparen und sollte dies auch nie. Es ging um die Schaffung von niedrigst bezahlten Arbeiten in riesigem Ausmaß in Deutschland und die Verbreitung von Elend bei den Arbeitslosen und von Furcht und Schrecken bei denen, die noch Arbeit haben, um sie weich zu kochen für Verschlechterungen. Dafür gibt der nette neoliberale Politiker von nebenan schon mal gerne zwischen 12 und 32 Milliarden mehr aus.

Wenn Ihnen also das nächste Mal irgend jemand aus unserer gnadenlosen Politikerkaste was erzählen will von „leeren Kassen", von „Haushalte sanieren", von „dafür kein Geld da" usw., dann wissen Sie, für was jene freundlich-strengen Damen und Herren das Geld ausgegeben haben: Um ihren Auftraggebern in den Konzernetagen Niedriglohngruppen und einen riesigen Niedriglohnsektor zu bescheren.

Gleichzeitig wird aber auch klar: Im echten Sozialismus, wenn die Bedürfnisse der Menschen bestimmen werden, was gemacht wird, kann man mit einem Schlag die gesamte Arbeitslosigkeit beseitigen und Millionen Menschen für sinnvolle und nötige Arbeiten einsetzen und angemessen bezahlen. Das alles ohne zusätzliche Kosten für den Staat.


Hier stelle ich einen weiteren wichtigen Artikel von Elmar Getto in den Blog, der ursprünglich in der Berliner Umschau (siehe Link rechts) am 19.10.2005 erschienen ist. Es geht um den finanziellen Nachweis, daß für die Kosten von 'Hartz IV' 5 Millionen Arbeitslose mit einem anständigen Einkommen eingestellt werden könnten.

Link zum Originalartikel hier


Andere Artikel zur Hartz IV im Blog:

"Dossier Hartz IV – Hindernisrennen ins Elend"

"19 Fälle – Die Realität von Hartz IV"

"Nicht genug zu essen – Hartz IV – Realität in Deutschland 2007"

"Die neuesten Hartz-Sauereien – Das Mass ist voll!"

"Hartz IV – Absurd, absurder, am absurdesten – Das Chaos war geplant!"

"Hartz IV – Berliner Zeitung schert aus dem Chor der Missbrauchsankläger aus"

"Grundversorgung von 1600 Euro käme billiger als heute."

"Arbeitslosigkeit ist zum Delikt geworden"

"Hartz IV führt in Obdachlosigkeit"

"Hartz IV–Empfänger müssen kalt duschen, im Dunkeln sitzen und Wasser trinken"

"Hartz IV: Vertreibung von Mietern"

"Hartz IV–Betroffene: Daumenschrauben anziehen!"

"Hartz-IV: Jetzt auch noch Sippenhaft"

"Hartz IV: Nieder auf die Knie!"

"Kein Anspruch auf fabrikneue Kleidung"

"Hartz IV: Unter den Brücken schlafen?"

"Hartz IV: Der angeleinte Mensch"

"Hartz IV: Der Fall Brigitte Vallenthin"

Venezuela jetzt offiziell im Mercosur

"Vereinigte Staaten von Südamerika"

In einer offiziellen Feierstunde am 5. Juli, dem Unabhängigkeitstag Venezuelas, wurde Venezuela in Caracas offiziell in den gemeinsamen Markt Mercosur aufgenommen, der bisher von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gebildet wurde. Neben allen fünf Präsidenten der Mercosur-Länder, Kirchner, Lula, Duarte, Vásquez und Chávez war auch der bolivianische Präsident Evo Morales anwesend. Eine baldige Mitgliedschaft Boliviens wurde in Aussicht gestellt, das bereits unter der vorherigen Regierung assoziiert worden war.

Zusammen mit Bolivien würde der Mercosur etwa zwei Drittel der Bevölkerung Südamerikas umfassen und mehr als die Hälfte der Bevölkerung Lateinamerikas. Er verfügt bereits jetzt über die größten Süßwasserreserven der Welt, die größte Bio-Diversität, die größten Erdölreserven, eine der größten Erdgas-Reserven sowie bedeutende Anteile an den abbaubaren Reserven von Bauxit, Eisenerz, Diamanten, Gold und Uran. Die Fläche, die der Mercosur dann umfaßte, ist weit größer als Europa.

Zum ersten Mal wurde auf diesem Treffen als Ziel die „Vereinigten Staaten von Südamerika" genannt. Ebenfalls wurden eine Reihe von Kooperationsabkommen zwischen Argentinien und Venezuela unterzeichnet und unter anderem ein gemeinsames „strategisches Hochkommissariat" der beiden Länder eingerichtet. Chávez sprach von einer „Achse Caracas-Buenos Aires".

In den letzten Jahren hatten sowohl die Vereinigten Staaten als auch die EU - getrennt voneinander - versucht, einen gemeinsamen Markt mit dem Mercosur zu bilden. Beide aber verlangten von den Südamerikanischen Staaten die Öffnung ihrer Märkte, während sie selbst ihre Agrarmärkte verschlossen lassen wollten und die Agrarsubventionen, welche die Märkte der Entwicklungsländer zerstören, nicht abbauen. Deshalb kamen bisher beide Verhandlungsrunden nicht voran.

Inzwischen ist in Südamerika die Stimmung umgeschwenkt und es gibt kaum noch eine Chance für eines der beiden Projekte. Mehr und mehr werden sowohl EU als auch USA als unterdrückende Länder begriffen und die eigene Integration vorangestellt, nicht unter der Fuchtel einer imperialistischen Macht, sondern in bewußter Unabhängigkeit von ihnen. Dies trifft auch auf eigentlich klassisch sozialdemokratische Präsidenten zu, wie Lula und den uruguayischen Präsidenten Vásquez. Auch der paraguayische Präsident Duarte, der vor kurzem noch zweiseitige Handelsabkommen mit den USA verteidigte, ist inzwischen umgeschwenkt. Er sagte auf dem Treffen: „Wir brauchen nicht nur gemeinsame Außenhandelstarife, sondern ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame historische Sicht."

Nur die stramm rechten und US-gläubigen Präsidenten Kolumbiens, Perus, Chiles und - mit Einschränkungen - Ecuadors drängen weiterhin in die Umarmung mit der Supermacht, isolieren sich aber nun immer mehr in Südamerika.

Auch in der Karibik wird mit äußerster Aufmerksamkeit das Erwachen des lateinamerikanischen Gemeinschaftsgeistes beobachtet. So haben 16 Karibik-Staaten soeben den Wunsch der US-Regierung ausgeschlagen, statt Venezuela den engen US-Verbündeten Guatemala als Nachfolger Argentiniens für den UN-Sicherheitsratssitz zu unterstützen, der im Oktober wechselt.

Die Präsidenten Venezuelas und Boliviens sind mit großer Intensität und fast schon Verzweiflung dabei, ihre Nachbarstaaten so eng wie möglich mit ihnen in Verträge einzubinden, weil beide - wohl zu Recht - fürchten, von der US-Regierung auf die Abschußliste gesetzt worden zu sein.

Es drohen sowohl Militärputschs - Chávez hat schon einen USA-gesponserten überlebt - als auch Invasionen und massives Schüren von Unruhen von rechts. In beiden Ländern wurde gemeldet, daß Agenten der Vereinigten Staaten unter dem Cover von „Studenten", „Wissenschaftlern" und „Touristen" ins Land einsickern. Im äußersten Osten Venezuelas wurden bereits Sabotagetrupps gesichtet, die aus dem benachbarten Guyana über die Grenze kamen. Dort wird offenbar, nach bewährtem nicaraguanischem Vorbild, ein Indio-Stamm zum Krieg gegen die Zentralregierung ausgebildet.

Doch die anderen Staaten haben sich bisher nicht zu Beistandspakts hinreißen lassen. Sie sind sich sehr bewußt, daß sie keinen Krieg mit der Supermacht im Norden anfangen können. So werden zwar Integrationsbestrebungen unterstützt, ansonsten hält man sich aber etwas weiter entfernt.

Link zum Originalartikel hier

Die Legende vom Sparen

Dafür ist kein Geld da!

Landauf, landab erklären Politiker, Medien und auch ein Teil der irregeleiteten Bundesbürger, es müsse eben gespart werden. Es sei eben nicht mehr so viel zu verteilen da und da müsse jeder sein Scherflein beitragen. Kein Kindergarten, öffentliche Bäder geschlossen, öffentlicher Nahverkehr unbezahlbar, mehr als 30 Kinder in einer Klasse: Tut uns ja so leid, aber man muß sparen. Es fehlt einfach Geld an allen Ecken und Enden!

Die allgemeine Sparorgie ist nichts als eine Legende, das ganze Spargetue ist nicht mehr als „bullshit", wie sich unsere amerikanischen Freunde auszudrücken pflegen.

Leider haben sich auch bereits weite Teile der Linkspartei/WASG auf diese Sprachregelung eingelassen. In Berlin, wo sie mitregieren, erklären die „Genossen", es sei eben kein Geld da. Wenn man sich den Bundeshaushalt ansieht, so müßte der also geschrumpft sein - 30, 40%. Das ist aber wundersamerweise nicht der Fall. Er ist im wesentlichen gleichgeblieben. Nur kleine Veränderungen von Jahr zu Jahr, mal etwas nach unten, mal etwas nach oben. Moment mal, wie kann das sein, wenn doch überall das Geld hinten und vorne fehlt?

Warum glauben die Politiker eigentlich, wir seien so dumm, daß wir nicht einmal die Zahlen des Bundeshaushalts der letzten Jahrem und dieses Jahres vergleichen können?

Das Ganze begann unter der Regierung Kohl. Die Monopolkonzerne hatten ageordnet, daß nun Schluß mit lustig sein mußte, soziale Leistungen sollten rigoros abgebaut werden. Gehorsam startete Kohl die erste Sondierung, den ersten Versuch, massiv Soziales abzubauen und zu sehen, was geschieht. Doch die Regierung Kohl und die Herren der Konzerne fielen voll aufs Maul. Man hatte dort angefangen, wo die größte Kampfkraft der Arbeiter lag: Man versuchte als erstes, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu kappen und bereitete bereits das Ende der Steuerbefreiung der Nacht- und Schichtzuschläge vor.

Daraufhin begannen Streiks in mehreren großen Betreiben, hauptsächlich bei DaimlerChrysler, zunächst befristet. Praktisch alle Arbeiter machten mit. Die SPD-gelenkten Gewerkschaftsführungen sahen die große Gelegenheit, der scheinbar unschlagbaren Kohl-Regierung eins auszuwischen und ihre Partei als Alternative anzupreisen. Sie organisierten die Streiks und Kohl mußte schnellstens zurückrudern, um nicht in die Situation zu geraten, die ein Villepaine in Frankreich vor kurzem kennengelernt hat.

Der Mythos der Kohl-Regierung war vorbei, der Weg war frei für Schröders und Fischers Sieg 1998 in den Bundestagswahlen. Das war genau, was die Monopole nun brauchten. Sie wußten, das die Arbeiter ohne die SPD-Führer nur schwerlich streiken konnten, also brauchte man die SPD an der Regierung. Und so geschah es. Die meisten, die damals SPD und Grüne wählten, glaubten, ein kleineres Übel gegenüber der CDU-FDP-Regierung gewählt zu haben. In Wirklichkeit hatte man genau jene gewählt, die die Monopole jetzt wollten.

Bereits kurz nach der Regierungsübernahme beschloß Rot-Grün die größte Unternehmenssteuer-Entlastung, die Deutschland je gesehen hat. Es wurden alle Arten von Abschreibungsmöglichkeiten eingeführt, speziell für all jene Dinge, die große Konzerne abschreiben wollen. So kam man zum Ergebnis, daß die Monopolkonzerne praktisch keine Steuern mehr zahlen brauchten, z.T. sogar Geld aus anderen Jahren wieder herausbekamen.

Du verlagerst deine Fertigung nach Polen? Klar, daß du alle Kosten dafür abschreiben kannst! Dein Gewinn ist in Irland angefallen? Brauchst du in Deutschland keine Steuern mehr bezahlen! Deine Aktien sind gefallen? Kannst du von den Steuern absetzen! Kosten für Entlassungs- und Frühpensionierungsaktionen? Kannst du von den Steuern absetzen! Die Krise hat dir Verluste beschert? Dafür bekommst du Steuern vom letzten Jahr wieder raus! Usw. Usf. Insgesamt fehlen seitdem etwa 100 bis 150 Milliarden Euros jedes Jahr im Staatssäckel, während in den Vorstandsetagen ohne Unterlaß die Sektkorken knallen.

Diese ganze „Reform" wurde zunächst in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil die Folgen nicht unmittelbar zu sehen waren. Noch schien ja alles seinen gewohnten Gang zu gehen.

Charakteristisch war auch, daß diese Unternehmenssteuer-Abschaffung praktisch nicht auf kleinere Betriebe anzuwenden war. Für sie blieben die Steuern vielmehr gleich hoch. Da wurde klar wie kaum je zuvor, daß wir nicht mehr im normalen Kapitalismus, sondern im Monopolkapitalismus leben, in dem nur die großen, die Monopol-Konzerne das Sagen haben.

Als dann, bereits während der ersten Rot-Grünen Legislaturperiode, nach und nach die staatlichen Leistungen in den Kommunen (und auch Ländern) abgebaut zu werden begannen, merkten zunächst nur wenige, daß es das Geld der Konzerne war, das nicht mehr in den Kommunen und Ländern ankam, die daraufhin Grundlegendes zu streichen begannen. Es begann die Zeit der Privatisierungen, der „Public-Private"-Konzepte, das Herunterfahren der Lehrerstellen, das Schließen von Schulen, die Krankenhäuser ließ man einschnurzeln usw. usf. Die Bahn wurde aufs Abstellgleis gefahren, die Post zum Tode verurteilt, der öffentliche Nahverkehr mehr und mehr ausgetrocknet.

Man stelle sich nur vor, wenn die Unternehmensbesteuerung noch so wäre wie zu Kohls Zeiten. Es stünden zwischen 100 und 150 Milliarden Euros mehr zur Verfügung. Man könnte eine wirkliche Familienförderung durchführen, Kindergärten für alle anbieten, die Schulklassen verkleinern, den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und billigere Tickets anbieten, die Bahn zu einem wirklichen Verkehrsmittel für Alle und alle Güter ausbauen - zu angemessenen Preisen -, die öffentlichen Bäder wieder öffnen, die preiswerten Wohnungen in der öffentlichen Hand lassen, die Krankenhäuser zu wirklichen Gesundheitszentren machen - und hätte immer noch Geld übrig für weitere wichtige Aufgaben.

Stattdessen wurde all dies Geld den Großkonzernen in den Rachen geworfen, die sich dafür mit mehr und mehr Entlassungen und Stellenabbau bedankten. Als es dann 2002 wieder ans Wählen ging, hattten schon eine Reihe von Rot-Grün-Wählern gemerkt, daß von „kleinerem Übel" keine Rede sein konnte. Doch mit dem Trick vorzugeben, man werde sich nicht am Irak-Krieg der US-Regierung beteiligen, konnte Rot-Grün noch ein zweites Mal triumphieren, wenn auch knapp. In Wirklichkeit war der Beitrag der Bundesrepublik als „Etappe" für den völkerrechtswidrigen Krieg weit größer als zum Beispiel der von Spanien oder Italien.

Nun wurde das zweite große „Reform"-Projekt der Monopole in Auftrag gegeben. Diesmal sollte der massive Abbau von Löhnen, die Einführung von Niedrigstlöhnen und das Durchlöchern des gesamten Netzes von Tarifverträgen erreicht werden. Man war sich klar, daß dies nicht dadurch möglich war, daß man einfach in den Tarifrunden minus 10% forderte. Es wurde das Projekt Hartz IV geboren, erstellt in einer Komission durch die Monopolverbände und Schröder zum Umsetzen vorgelegt, der dann auch keine Zeit verlor.

Man mußte die Arbeitslosen in Armut stürzen, sie demütigen bis aufs Unterhemd, so daß der Fall in die Arbeitslosigkeit für die Arbeiter (und Angestellten) zum absoluten Alptraum würde. Dann brauchte man nur noch Entlassungen ankündigen und konnte jegliche Verschlechterung durchsetzen, denn damit würden ja Entlassungen verhindert. Ebenso würde man so einen Niedrigstlohnbereich einführen können, denn der wäre ja immer noch besser als Hartz IV.

So wurde dann - wieder unter dem Vorwand von angeblichem Sparen - Hartz IV durchgezogen. In Wirklichkeit war jedem klar, der rechnen konnte, daß Hartz IV selbstverständlich keinen Cent Einsparung bringen, sondern eher mehr kosten würde, so wie es dann ja auch kam. Auch daß Hartz IV natürlich nicht einen mehr in Arbeit bringen würde, war völlig klar. Es ging ja auch nicht um Einsparungen und nicht um Arbeitsplätze, sondern um mehr Profite für die großen Monopolkonzerne.

Man braucht sich nur die Unternehmensberichte durchsehen, die im ersten Halbjahr 2006 für 2005 veröffentlicht wurden: Es hat geklappt, die Profite haben Höhen erreicht, die selbst hartgesottenen Spitzen-Managern die Freudentränen in die Augen treiben.

Insoweit hört es sich auch immer wieder rührend an, wenn bemängelt wird, daß Hartz IV doch eine so riesige Bürokratie geschaffen habe, daß es so schlecht gemacht sei. Es ist genauso gemacht, wie es sein sollte.

Aber selbst wenn wir dies alles nicht berücksichtigen. Wenn wir einfach sagen: Nun, mehr als da ist, ist eben nicht in der Steuerkasse, wäre denn dann wenigstens die Sparhysterie gerechtfertigt?

Nicht die Bohne.

Sieht man sich nämlich genau an, für was alles Geld da ist, Millionen von Euros da sind, wird klar, daß mans wirklich hat, aber eben nur für das, was man will.

Schweigen wir hier von Militärausgaben und Auslandseinsätzen, für die immer genug Geld da ist, nehmen wir andere Beispiele.

Reden wir hier auch nicht von den gewaltigen Kosten für die Betreuung, den Transport und die Aufbewahrung der Atommüllabfalle, für die jene besitzenden Konzerne keinen Cent bezahlen müssen.

Fangen wir mal mit den ca. 100 Milliarden Euro an, die Deutschland jedes Jahr in die Europäische Union zahlt. Jeder Cent davon ist rausgeworfenens Geld. Diese unglaubliche Summe von Geld wird nämlich fast ausschließlich für zwei Dinge ausgegeben: Für die Brüsseler Bürokratie und für Subventionen, die fast ausschließlich an Konzerne gehen.

Daß die Brüsseler Bürokratie so überflüssig ist wie ein Kropf, bracht nicht mehr eigens erläutert zu werden. Um Verordnungen darüber zu schaffen, um wieviel cm die Verpackung größer sein darf als das Produkt, dafür braucht man keinen Apparat von 21 000 Bürokraten, das könnte im Einvernehmen der Länderministerien geregelt werden - wenn so etwas denn regelwürdig ist.

Aber auch die Subventionen Europas, laufen sie unter dem Namen Agrarsubventionen oder Regionalfonds oder anderen, haben keinerlei Daseinsberechtigung. Weder die kleinen Bauern werden davor gerettet ihrer Höfe aufgeben zu müssen noch werden unterentwickelte Regionen Europas gestützt. In Wirklichkeit sind das alles Gelder, die am Ende in den Taschen der Großkonzerne landen.

Was man mit 100 Milliarden jährlich alles Sinnvolles anfangen könnte!

Um sich nur einmal ein Bild zu machen, was da für eine Schlange am Busen der Steuerzahlen gezüchtet wurde, hier einige Zahlen vom unabhängigen österreichischen Europa-Abgeordneten Hans-Peter Martin zum Beamten-Futtertrog Brüssel: Die durchschnittliche Pension eines Europa-Beamten beträgt 5.509 Euro, das ist der Durchschnitt, also vom Pförtner bis zum Generaldirektor. Die Ausgaben allein für Pensionen dieser Beamten sind seit 1999 um 75% angestiegen. Heute stehen bereits Pensionszusagen fest, die den europäischen Steuerzahler mit 22,8 Milliarden Euro belasten werden - bei wohlgemerkt, wie gesagt, nur 21.000 Beamten!

Bereits jetzt gibt es 7.500 ehemalige Euro-Beamte. Die durchschnittliche Pension der Spitzenbeamten beträgt 10.500 Euro! Allein die Pensionsleistungen kommen heute auf 491,5 Millionen Euro jährlich. 2004 gab es eine Sonderregelung, daß die Beamten bereits mit 50 in Pension gehen konnten. Gehen sie in Pension, bekommen sie zunächst einmal 6 Monate ihr Gehalt weiter, dann für 5 Jahre 70%. Das alles sind keine Renten, sondern Pensionen, für die also bestenfalls symbolische Eigenleistungen eingezahlt werden. Na, man hats ja!

Aber nicht nur für den allseits unbeliebten Brüsseler Wasserkopf und seine Subventionen wird Geld zum Fenster hinaus geworfen.

Ein besonders interessantes Kapitel ist das Übergeben von Hunderten von Millionen von Euros an Firmen, die dies absolut nicht brauchen. Zum Beispiel trifft das zu auf die FIFA. Es handelt sich um eine der reichsten Handels-Firmen im ganzen Sportgeschäft. Was sie verkauft? Sportrechte! Die Rechte, die sie für die WM in Deutschland verkauft hat, darunter Fernsehrechte, Werberechte, Eintrittskarten usw. werden auf größenordnungsmäßig 3 Milliarden Schweizer Franken geschätzt, allein die Fernsehrechte kosteten 1,8 Milliarden Euro.

Nun, verehrter Leser, wenn Sie eine Firma aufmachen, die in Deutschland etwas verkauft, dann müssen Sie natürlich dafür Steuern zahlen. Nicht so die FIFA. Ihr wurde im Rahmen der deutschen Bewerbung für die WM 1998 zugesagt, daß sie völlig steuerbefreit sein würde. Damit hat man nach „Wikipedia" auf etwa 250 Millionen Euro verzichtet.

In diesen 250 Millionen Euro aber noch keineswegs eingeschlossen die ganzen Polizeiaufgebote und sonstigen staatlichen Maßnahmen, um die WM zu organisieren und abzusichern. Auch das alles, was von jeder anderen Firma natürlich bezahlt werden müßte, wird der FIFA umsonst gegeben. Aber man hats ja, warum soll man dann nicht ein bißchen der FIFA abgeben, nicht wahr?

So könnte man noch seitenweise weitermachen. Es wird Geld verpulvert, daß es eine Art hat, während man uns gleichzeitig weismachen will, es würde gespart und es sei kein Geld vorhanden.


Link zum Originalartikel hier

Amazonien kaufen?

Vorschlag des "Head"- Besitzers

Der schwedische Unternehmer Johan Eliasch, Besitzer der Sportartikelfirma „Head", bekannt durch ihre Ski und Tennisschläger, hat am 5.Juli auf einer Konferenz in London anderen Unternehmern vorgeschlagen, mit ihm zusammen, das gesamte Amazonasgebiet zu kaufen, was etwa 18 Milliarden Dollar kosten würde.

Dies hat jedenfalls die größte brasilianische Tageszeitung, die „Folha de São Paulo", berichtet. Eliasch ist bereits Besitzer einiger Regenwaldgebiete im Amazonas-Urwald in den Gemeinden Itacoatiara und Manicoré.

Eliasch will das gesamte Regenwaldgebiet so vor der weiteren Zerstörung sichern, sprich vor dem Abholzen und Abbrennen. Er ist nämlich der Überzeugung, daß die stark steigende Zahl der Katastrophen, wie die Hurrikans Katrina und andere, u.a. auch auf die Zerstörung der Regenwälder zurückzuführen sei, weil dies wesentlich zur Klimaveränderung beiträgt.

Der Unternehmer schlägt dies nicht aus humanitären Gründen vor, weil er etwa um die Zukunft der Menschheit besorgt wäre, sondern aus ganz praktisch kapitalistischen. Bei der Konferenz in London handelt es sich nämlich um die jährliche Großkonferenz der Versicherungs-Gemeinschaft Lloyd’s, die diesmal dem Thema Klimawandel gewidmet war.

Die Ausgaben der Versicherungen mit der steigenden Zahl von Katastrophen sind nämlich im Jahr 2005 auf 83 Billions (Milliarden) US-Dollar gestiegen. Er meint nun, daß ein Teil davon eingespart werden kann mit einem im Vergleich kleinen Kapitaleinsatz und damit ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis entsteht.Das Amazonasgebiet ist, so schwer vorstellbar das auch sein mag, nicht etwa Gebiet des brasilianischen Staates, sondern in größten Teilen in den Händen von Privatpersonen und Firmen. Zwar gibt es die Indio-Reservate, die formal dem Staat gehören und eigentlich keine privaten Besitzer haben können, aber auch da erheben verschiedene private Besitzer Ansprüche. Ein wesentlicher Teil der Justiz im nödlichen Brasilien ist mit jahrelangen Besitzstreits um Gebiete, die z.T. auch in Reservaten liegen, beschäftigt.

Der letzte Präsident Brasiliens vor Lula, Cardoso, hat wesentlich dazu beigetragen, in dem er eine Verordnung erließ, die es vermeintlichen Besitzern erlaubt, gegen die Einbeziehung seines Landes in Indio-Reservate zu klagen. Fast alle Besitztitel in den Regenwaldgebieten Brasiliens sind durch Schwindeleien und Korruption von Richtern und Katasterbeamten „errungen" worden.

Überhaupt gibt es für jedes Stück Land im Amazonasgebiet meist mehrere Besitzer, die in verschiedenen Katasterämtern registriert sind. Wer nun der wirkliche Besitzer ist, kann nur in jahrelangen Prozessen entschieden werden, die über vier Instanzen bis hin zu 25 Jahren dauern können. Die Regel der brasilianischen Gesetzgebung, daß Richter unabhängig in ihren Entscheidungen sind, sich nicht an Gesetze und Entscheidungen höherer Instanzen halten müssen, trägt da viel bei.

Ebenso trägt dazu die unklare Grenzziehung zwischen den Gemeinden in diesen Gebieten bei. Ein ins Gewicht fallender Teil des Landes wird von mehreren Gemeinden beansprucht.

Insofern dürfte es gar nicht so leicht sein, alle diese Parzellen zu kaufen. Das noch weit größere Problem ist aber, sein Land dort zu sichern. Daran ist ja schon der brasilianische Staat gescheitert, wenn man auch sagen muß, daß er es noch nicht ernsthaft versucht hat.

Das Amazonasgebiet ist schlicht und einfach riesig, etwa so groß wie halb Europa. Es leben dort mehrere Millionen Menschen. Man kann es nicht einfach mit Zaun, Wachtürmen und Todesstreifen versehen und von der Menschheit abtrennen. Eine Polizeitruppe mit Booten und Hubschraubern, sei es privat oder staatlich, die halbwegs einen Eindruck auf die verschiedenen Interessengruppen dort machen könnte, müßte schätzungsweise 200.000 Polizisten umfassen.

Das hängt damit zusammen, daß es einige äußerst interessierte Gruppen gibt, die hohe Profite aus der Amazonasregion schlagen. Da sind zunächst geschätzt etwa 50.000 Goldsucher, die in der Regel illegal arbeiten. Dazu kommen geschätzt etwa 10.000 Personen, die damit beschäftigt sind, illegal edle Tropenhölzer aus den Wäldern herauszuschlagen und abzutransportieren. In etwa die gleiche Anzahl ist auf der Suche nach anderen natürlichen Reserven, darunter Bauxit, Diamanten, Erdöl, Eisenerz und vieles mehr. Ganz speziell sind da noch jene, die auf der Suche nach Pflanzen und Tieren sind, die zur Herstellung von Heilmitteln dienen können, von denen die Pharmaindustrie bisher nur träumt.

Etwa weitere 10.000 Personen sind schlicht und einfach mit der Versorgung der legalen und illegalen Amazonasausbeuter beschäftigt. Wer nämlich zum Beispiel Gold sucht, will nicht den größten Teil des Tages damit verbringen, etwas zu Essen und zu Trinken zu finden. Man kann also Speis und Trank zu den entlegendsten Gebieten bringen und zu unglaublichen Preisen verkaufen.

Eine ungenannte Anzahl von Kriminellen, davon ein nicht unbedeutender Anteil von kriminellen CIA-Helfern, wahrscheinlich auch an die 10.000, ist damit beschäftigt, ununterbrochen neue Schmuggelwege für das Kokain aus Kolumbien und Peru zu öffnen, ein großer Teil davon Lichtungen zum Landen von Kleinflugzeugen.

Dazu kommt dan der Teil der legalen Bewohner von Amazonien, der illegale Tätigkeiten unternimmt, wie Abholzen und Abbrennen.

Die Frage ist also nicht so sehr, wem das Ganze gehört, sondern wie man die illegalen Aktivitäten in den Griff bekommen will. Man hat ja auch schon einen Weg gefunden, dies zu überwachen, das SIVAM, ein Radar-, Flugzeug- und Satteliten-gestütztes Überwachungssystem gigantischen Ausmaßes. Hier soll nicht im Einzelnen darauf eingegangen werden, denn in der "Berliner Umschau" (siehe Link rechts) wurde schon ausführlich dazu berichtet.

Allerdings steht der große Artikel zu SIVAM von Elmar Getto nicht mehr zur Verfügung. Man kann ihn aber hier im Blog nachlesen.

Im Prinzip müßte man zu Amazonien auch SIVAM kaufen, aber das steht wohl nicht zum Verkauf.

Nach der Lektüre wird dann auch klar, daß das wesentliche Hindernis, die illegalen Aktionen im Amazonasgebiet in den Griff zu bekommen, die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist (in Form ihrer Organisation CIA), die wegen des von ihr dominierten Kokainschmuggels in dieser Region ein Interesse daran hat, daß alles bleibt, wie es ist.

So sehr also die Idee des Unternehmers auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen mag, man hat es hier mit ganz anderen Größenordnungen und Arten von Problemen zu tun, als mit lächerlichen 18 Milliarden Dollar.

Link zum Originalartikel hier

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