InternetundMeinungsfreiheit

Dienstag, 29. Juni 2010

Offener Brief betreff Google und BP

Offener Brief an fieser-admin.de, Herrn Marcel Tallarek

Von Karl Weiss

Na, das war ja sehr freundlich von Ihnen, wie Sie über die Berliner Umschau und mich hergezogen sind, immer im beliebten deutschen Stil: Der Herr weiß alles, alle anderen sind Idioten. Besserwisser sind einige der fiesesten Zeitgenossen, die es gibt. Aber das wissen Sie ja schon, sonst hätten Sie ja ihre Seite nicht „fieser Admin“ genannt.

Nur fällt dies alles, was Sie da an Nettigkeiten über mich/uns sagen, nun auf Sie selbst zurück, denn so unangenehm das für Sie sein mag, aber Sie haben nicht Recht. All das „Lachen“ und „blanke Entsetzen“, das Sie angesichts unserer „Unwissenheit“ empfanden, wird man nun Ihretwegen empfinden müssen, denn Sie haben nicht Recht.

So kommt das, wenn man „Fachmann“ auf einem Gebiet ist und sich nicht einmal die Mühe macht, Google zu öffnen und nachzusehen, weil man ja immer alles schon weiß.

Ich habe hier einen screenshot sowie einen Ausdruck auf Papier, was man bekommt, wenn man in der jetzt aktuellen Situation „Oil Spill BP“ googelt: Das erste Suchergebnis ganz oben ist die Konzernseite von BP selbst, das zweite eben genau jene Spezialseite „Gulf of Mexico response“, für die BP laut Stern-Angaben angeblich 10 000 Dollar täglich an Google zahlt, um sie da oben zu haben. Diese beiden Suchergebnisse sind nicht als Anzeigen gekennzeichnet (das erste ist vielleicht auch keine), stehen nicht rechts neben den Suchergebnissen und sind auch nicht irgendwie farblich herausgehoben, so dass man eventuell vermuten könnte, es seien Anzeigen. Sie erscheinen als ganz normale Suchergebnisse.

Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen gern meinen screenshot zu, wenn Sie mir Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (mein E-Mail ist das der Berliner Umschau), aber Sie können ja auch selbst bei Google nachsehen.

Nun zum zweiten Punkt, in dem Sie sich so superschlau aufführen: Die Klicks auf die Suchergebnisse haben nach Ihren Angaben null, nichts, nada, niente mit dem Platz zu tun, auf denen die Suchergebnisse aufscheinen. Der Artikel hat dies auch gar nicht behauptet, er sagt vielmehr: „Die meisten Menschen meinen, wenn sie etwas „googeln“, also mit Stichwörtern nach Resultaten im Internet suchen, dann würden die meist angeklickten oben stehen.“

Es ist natürlich klar und das habe ich deshalb auch nicht eigens erwähnt, dass die Suchergebnisse natürlich zuerst durch die Übereinstimmung der Worte mit denen der Anfrage herausgesucht werden und dann nach dem Grad der Übereinstimmung und der Häufigkeit der Worte und der Reihenfolge der Worte ausgerichtet werden. Danach werden aber offensichtlich weitere Kriterien angelegt, wie man relativ leicht feststellen kann, wenn man sich Google-Suchergebnisse genau ansieht.

Alle von mir befragten Nicht-Fachleute waren aber genau dieser Meinung, dass die Anzahl der Klicks auf die Suchergebnisse dann die Reihenfolge ändern können. Wenn das nicht so ist (ich will gerne zugeben, dass ich das ganz naiv so wie so viele anderen Menschen geglaubt habe), hat Google es geschafft, die halbe Welt zu täuschen über diese Frage.

auf-zum-strand-tanken

Anschließend habe ich drei Computer- und Internet-Fachleute gefragt (zum Glück habe ich schon zwei von ihnen in der Familie).

Sie haben mir übereinstimmend gesagt, tatsächlich gäbe es zunächst einen Bündel von Kriterien, nach denen die Reihenfolge dieser Suchergebnisse festgelegt wird. Dann aber kommt als zusätzliches Kriterium hinzu, wie oft auf die Suchergebnisse geklickt wird.

Nun bin ich keine Besserwisser und will zugeben, das mein „Experten“ alle drei Unrecht haben können, aber Ihre Art, alle, die einen Zusammenhang von Klicks und Höhe der Suchergebnisse sehen, zu Idioten zu erklären, ist und bleibt inakzeptabel, um nicht, so wie sie, unangenehmere Worte zu verwenden.

Jemand, der sein Fachmann-Sein so heraushängen lassen muss, hat üblicherweise Gründe dafür, meistens weil er ein äußerst schwacher Fachmann ist.

Auch greift Ihr Hinweis nicht, dass die Berliner Umschau ja Werbung enthält und man dies daher Google nicht vorwerfen könne. Jegliche Werbung in der Berliner Umschau ist klar als solche gekennzeichnet, die bei Google aber eben nicht.

Ich verstehe ja, dass Leute, die als Admins vom Internet leben, eine Tendenz haben, alle Internet-Götter wie Google anzubeten und so mag es auch verständlich sein, dass Sie da so sauer auf Gotteslästerung reagiert haben. Ich habe schon einmal einen Admin gesprochen, der zum Beispiel die Machenschaften von Microsoft für richtig hielt. Nur am Ende kommt es auf die Fakten an, nicht auf den Glauben.

Mit dem ehrlichen Wunsch einer guten Besserung

grüßt Sie,

Karl Weiss

Folgendes sind Ausschnitte aus der Erklärung von Marcel Tallarek auf der Site „fieser-admin.de“:

„....mit lachen aber auch blankem Entsetzen habe ich heute ihren Artikel „Wir werden vergoogelt“ gelesen. (...) entsetzt weil Sie die wenigen Fakten dann aber auch och verdrehen oder schlicht und ergreifend nicht verstanden haben. (...)

...falsch zu behaupten, dass Google die hochstehenden Suchergebnisse verkauft. Denn die natürlichen Suchergebnisse sind nicht käuflich. Die (...) bezahlten Anzeigen stehen rechts neben den eigentlichen Ergebnissen oder farblich markiert und mit dem Schlagwort „Anzeige“ versehen darüber. (...)

Die Klicks haben absolut Null, Nada, Niente Auswirkung auf die Suchergebnisse. (...)

Auch wen es heutzutage üblich zu sein scheint gefährliches Halbwissen als Journalismus zu verkaufen... (...)

Im Übrigen sollte eine Seite ... mit Werbung ... sich nicht unbedingt darüber echauffieren, dass man bei Google Suchbegriffe kaufen kann.

(Wir haben uns erlaubt, die Rechtschreibfehler nicht zu verbessern)



Zusatz zum Offenen Brief

Wie sich inzwischen herausgestellt hat (siehe dazu auch den unter diesem stehenden Artikel und seine Kommentare) scheint das, was Goggle falsch macht, noch viel schlimmer zu sein als angenommen. Der Kommentator "deprifrei-leben" hat nämlich auf deutsch Suchergebnisse zu diesem Thema bekommen, welche die Seite der BP klar absetzen und als Anzeige kennzeichnen.

Ich dagegen, der ich von Brasilien aus "Oil Spill BP" gegoogelt habe, erhielt Suchergebnisse, in denen die Spezialseite der BP hierzu an zweiter Stelle (nach der Konzernseite der BP) auftaucht, ohne irgendwelche Kennzeichnung als Anzeige, weder mit Worten noch darin, dass sie rechts neben den anderen stehen, noch farblich abgesetzt.

Das würde bedeuten, die Leute bei Google sind so rassistisch, dass sie den Menschen in Entwicklungsl6andern glauben einen Bären aufbinden zu können, denen in entwickelten Ländern dieses aber vorsichtshalber nicht zumuten. Wenn sich das bestätigt, ist das der grösste Google-Skandal des neuen Jahrhunderts und Herr Tallarek als Google-Anbeter müsste Abbitte leisten, was er natürlich nicht tun wird, denn Besserwisser leisten nie Abbitte.

Samstag, 26. Juni 2010

Wir werden vergoogelt!

Google, Bing, Yahoo usw. verkaufen hochstehende Suchergebnisse an den Meistbietenden!

Von Karl Weiss

Die meisten Menschen meinen, wenn sie etwas „googeln“, also mit Stichwörtern nach Resultaten im Internet suchen, dann würden die meist angeklickten oben stehen. Weit gefehlt! Google, Bing, Yahoo usw. verkaufen die hochstehenden Suchergebnisse an die Meistbietenden!

Dies hat der 'Stern' anlässlich von auftretenden Unverständlichkeiten im Fall des Oil-Spill (Öl-Katastrophe) der BP im Golf von Mexiko entdeckt. Wie er am 9.6.2010 berichtete, war es kein Zufall und kein durch Klicks erreichtes Ergebnis, sondern schlicht Bestechung, dass die Site der BP zu der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko („Golf of Mexico Response“) als oberste da stand, wenn man „Oil Spill“ oder „Ölkatastrophe“ oder ähnliches googelte.

BP New Logo

Nach den Recherchen des Stern hat Google selbst zugegeben, dass das an erster Stelle stehende Ergebnis bei diesen und weiteren Suchbegriffen von BP gekauft wurde. Laut diesen Angaben wird geschätzt, dass BP dafür an Google etwa 10 000 Dollar pro Tag zahlen muss.

Unter dem Begriff „adwords“ ist dies bei Google bereits seit langem gang und gäbe. Doch auch die anderen großen Suchmaschinen-Ergebnisse wie Bing und Yahoo zeigten die gleiche Seite von BP an erster Stelle an. Da scheint also das gleiche üblich zu sein.

So gelingt es BP, ein weit positiveres Bild zu verbreiten als wenn es der Fall wäre, wenn die wirklich häufig angeklickten Seiten oben stehen würden.

Warum BP wohl soviel Geld ausgibt, um die Wahrheit nicht ans Tageslicht kommen zu lassen?

Auch wer Google prinzipiell für hilfreich hält, sollte dem Rat folgen: „Think twice!“


Veröffentlicht am 25. Juni 2010 in der Berliner Umschau

Montag, 26. April 2010

Rechtsfreier Raum Hamburg

Das BVG hat es ihnen um die Ohren geschlagen, aber die Hamburger Richter machen genauso weiter!

Von Karl Weiss

In Hamburg (und in einem Teil der Fälle auch in Berlin) werden über 90% der Prozesse geführt, die Internet-Seiten bestimmte Veröffentlichungen verbieten wollen. Sie bekommen fast immer recht, denn die Presserichter in Hamburg (und zum Teil in Berlin) urteilen konsequent und entgegen jeglicher tatsächlicher rechtlicher Würdigung für die scheinbar verletzten Persönlichkeitsrechte von mehr oder weniger „Prominenten“ und gegen das Recht auf Informations- und Pressefreiheit. Diese Zustände dauern bereits Jahre an, ohne dass es irgendjemand für nötig erachtet, da Einhalt zu gebieten.

Nun gibt es, fünf Jahre nach dem entsprechenden Prozess in Hamburg, ein Urteil des Obersten Gerichtes, des Bundesverfassungsgerichts (BVG), über eines jener typischen „Hamburger Urteile“, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Wie schon früher, weist das BVG die Ansicht zurück, die Informations- Meinungs- und Pressefreiheit müsse immer vor den Persönlichkeitsrechten von in Veröffentlichungen genannten Personen zurücktreten.

Die Verfassungsrichter schlagen der Hamburger Presse-Kammer die Argumente mit der mehrfachen Verwendung des Wortes „offensichtlich“ geradezu um die Ohren.

So gibt es im deutschen Rechtssystem Räume, nämlich Hamburg (und zum Teil Berlin) sowie das Internet, in dem die Rechte der freien Meinungsäußerung, der Informationsfreiheit und der Pressefreiheit nicht den gleichen Rang einnehmen wie im Rest der Republik.

Der konkrete Fall liegt bereits Jahre zurück und war lediglich eine Feuilleton-Geschichte. Bei einem Presse-Besuch in der Wohnung der damaligen Generalsekretärin der FDP, Cornelia Piper, zeigte die Politikerin den Reportern auch einige Pflanzen, die der 18-jährige Sohn züchtete und da war auch eine Cannabis-Pflanze zu sehen, welche die aufmerksamen Journalisten erkannten. Der Sohn sagte, das sei ein Versehen und entsorgte das Pflänzchen denn auch gleich im Müll. Dort fand es die zeitungslesende Staatsanwaltschaft, ordnete Durchsuchung an und eröffnete ein Ermittlungsverfahren (das natürlich später im Sande verlief). Es wurde sogar eine offizielle staatsanwaltliche Presseerklärung abgegeben, da der Fall bereits in vielen Zeitungen stand.

So weit, so lustig.

Doch nun kam da ein lächerlicher, unbedeutender nicht-kommerzieller Blogger und berichtete auch kurz über den Fall, wobei der Name des erwachsenen Sohnes genannt wurde. Der Prominenten-Sohn, der zig Artikel in der Presse hatte durchgehen lassen, weil die Episode eben mehr kurios war als etwas, mit dem man gegen eine Politikerin argumentieren könnte, zog nun plötzlich gegen den Blogger vor Gericht und – wie es die einschlägigen Rechtsanwälte wollen, in Hamburg vor der Pressekammer.

Dort wurde der Blogger heftig verurteilt, weil die Dinge in Hamburg eben so sind. Angeblich seinen die Rechte des Söhnchens durch die Namensnennung verletzt worden und er habe Anspruch auf Unterlassung und Entschädigung. Es spielte dabei keine Rolle, dass der Artikel des Bloggers gar nicht den Sohn, sondern die Staatsanwaltschaft aufspießte, die nach Ansicht des Bloggers hier unverhältnismäßig vorgegangen war.

Nun, das BVG erklärte die Verfassungsbeschwerde gegen dieses Urteil als „offensichtlich begründet“. Das Interessante an dem Fall ist aber, dass dies nun die Hamburger Richter nicht im geringsten stört. Sie werden weiter gegen die Meinungs- und Pressefreiheit entscheiden, wenn es ums Internet geht, denn ein Deutscher Richter ist nicht verpflichtet, entsprechend der Verfassung zu entscheiden. Im Zweifelsfall könne der durch solche Urteile Geschädigte ja vor das BVG ziehen.

Nun ist dies in der Praxis oft unmöglich, denn ein kleiner Blogger, der vielleicht einige hundert Leser im Monat oder im Jahr hat, wird üblicherweise nicht die Mittel haben, gewiefte Rechtsanwälte fünf Jahre lang zahlen zu können, die mit ihm vor das BVG ziehen.

Die Ausrede, das Internet sei ja weltweit und daher könne der Gerichtstand dahin gelegt werden, wo es der Kläger will (und das ist dann eben fast immer Hamburg oder manchmal Berlin) ist im Grunde leicht zu durchschauen. Die einfache Regelung, dass der Gerichtsstand für solche Fälle am Ort ist, wo der Internetprovider seinen Sitz hat oder dort, wo der Blogger seinen Wohnsitz hat, würde mit dieser Praxis aufräumen, aber die Bundesjustizministerin hat es ausdrücklich abgelehnt, eine solche Veränderung vorzunehmen.

Diese Praxis der deutschen Rechtsprechung reiht sich ein in andere Entscheidungen des BVG, wie zum Beispiel die zur Grundgesetzwidrigkeit von Hartz IV – aber alles bleibt beim Alten oder soll sogar noch verschärft werden. Da BVG wird auf diese Art und Weise von einem Gericht zu einem Kommentaristen-Gremium.

Interessanterweise hat man noch keinen Verfassungsschutz-Agenten gegen diese verfassungsfeindlichen Bestrebungen vorgehen gesehen.


Veröffentlicht am 26. April 2010 in der Berliner Umschau

Samstag, 11. Juli 2009

Murdoch-Skandal

Tausende von Handys gehackt

Von Karl Weiss

Anscheinend sind die Auflagenrückgänge der traditionellen Zeitungen, Skandalblättern und Magazine so tiefgreifend, dass Medienkonzerne anfangen, Detektive auf Prominente anzusetzen, um Schlagzeilen zu bekommen. Britische Blätter des Murdoch-Konzerns haben nach Angaben des „Guardian“ die Handys von Prominenten durch Detektive hacken und abhören lassen. Das Internet muss sehr viel Horror verbreiten.

Der Horror scheint jener zu sein, dass die gedruckten Medien mehr und mehr an Leserschaft und damit an Interesse für die Werbe-Agenturen verlieren und der Informationsfluss mehr und mehr ins Internet verlagert wird. Der Murdoch-Konzern oder jedenfalls seine britische Abteilung ist anscheinend so von dieser Horror-Vorstellung gepackt, dass man schon mal Ausflüge ins Illegale macht.

Aber es gibt auch politische Implikationen. Im Internet können die Kapitalisten nicht so einfach Monopole aufbauen, die ihnen das alleinige Recht sichern, „Informationen“ weiterzugeben, worunter, wie wir alle wissen, von Zeit zu Zeit die Wahrheit etwas leidet.

Der Guardian berichtet in seiner Online-Ausgabe vom 8.Juli 2009 nicht nur, dass Reporter und Verantwortliche der Murdoch-Zeitungen „News of the World“ und „Sun“ Detektive damit beschäftigt und dafür bezahlt haben, Prominenten in die Handy-Kommunikation (und offenbar auch in die Computer) zu „hacken“ (insgesamt 2000 bis 3000 „Cel-Phones“) und dabei u.a. "vertrauliche persönliche Daten", "Steuerbescheide", "Sozialversicherungsunterlagen", "detaillierte Telephonrechnungen mit Zielnummern" und "Bankauszüge" ausgemacht zu haben, sondern auch, dass drei bekannte Sportler, die hinter diese Machenschaften kamen, mit hohen Summen zum Schweigen gebracht wurden.

Der „Guardian“ ist von allen englischen News-Medien, zusammen mit dem „Independent“, noch jene Veröffentlichung mit den wenigsten Fragezeichen, was die Zuverlässigkeit der veröffentlichten Berichte angeht. Man kann also diesen Berichten einiges an Glaubwürdigkeit zugestehen.

Unter den gehackten Prominenten seien ehemalige Regierungsmitgliedern, Abgeordnete, Sportler, bekannte Schauspieler und andere Personen des öffentlichen Lebens. Namentlich benannt wurden die Schauspielerin Gwyneth Paltrow, der Sänger George Michael, das Model Elle Macpherson und Ex-Vizepremier John Prescott.

Die Schweigegeldzahlungen sollen insgesamt etwa 1,2 Millionen Euro betragen haben. Als Quellen werden solche bei Scotland Yard genannt. Das wirft aber dann gleich die Frage auf, wieso die englische Polizei das bisher alles geheimgehalten hat.

Die Hauptverantwortlichen für diese kriminellen Methoden seien zwei Chef-Redakteure gewesen, mit den Namen Andy Coulson und Rebeka Wade, was weitere Probleme und Implikationen bedeutet. Andy Coulson ist nämlich nicht mehr bei Murdock, sondern arbeitet jetzt für die konservative Partei als Beauftragter für Kommunikation des Parteivorsitzenden David Cameron.

Diese politische Verbindung gibt eventuell auch schon die Antwort auf die obige Frage an Scotland Yard, was schon wieder der nächste Skandal wäre. Es ist ja bekannt, dass Murdock konservativen und rechtsextremen Parteien nahesteht.

Die andere Verantwortliche, Frau Wade, ist designierte Chefin des britischen Teils des Murdoch-Imperiums, was dem Konzern die Möglichkeit nimmt, von „Alleingängen untergeordneter Reporter“ zu sprechen.

Murdoch hat bereits alles abgestritten, aber die gesamte britische Öffentlichkeit geht davon aus, die Vorwürfe sind berechtigt. Premier Brown hat sich bereits vom G8-Gipfel gemeldet und erklärt, es seien „sehr ernsthafte Fragen zu stellen“.

Auch der Leiter von Scotland Yard hat eine Untersuchung angeordnet.

Dass sich auch Murdock selbst nicht so einfach aus dem Skandal heraushalten kann, dafür hat der „Guardian“ auch gleich gesorgt: Das Foto, das den Artikel „ziert“, zeigt Murdoch mit den Chef des britischen Teils des Konzerns und den beiden als Verantwortlichen benannten, Coulson und Wade, zusammen auf einer Veranstaltung im Jahr 2005.

Und in einem kann man sich sicher sein: Fortsetzung folgt.


Veröffentlicht am 10. Juli 2009 in der Berliner Umschau

Mittwoch, 8. April 2009

Vorbereitung des Zensursystems

Die Durchsuchung bei “wikileaks” ist kein Ausrutscher

Von Karl Weiss

So war es schon in der Sklavenhaltergesellschaft, war es im Feudalismus und so ist es heut e im Kapitalismus. Die Herrschenden und ihre Lakaien haben es gar nicht gern, wenn ihre kleinen und grossen Irrtümer, Betrügereien, unter den Teppich gekehrte Vergehen und „Leichen im Keller“ aufgedeckt und an die Öffentlichkeit gebracht werden.

Der Gegner ist nicht der kleine Mann, der übers Ohr gehauen wird und ergebnislos protestiert, der Gegner ist der Aufklärer.

Aufklärung ist das, was alle Herrschenden seit den ersten Klassengesellschaften der Menschheit immer fürchten. Dafür setzen sie dann schon einmal unlautere Mittel ein. Im alten Rom wurde jemand, der unangenehmes über einen der Konsul wusste, schon einmal ans äusserste Ende des Reiches auf Kriegsführung geschickt, wie das Julius Cäsar widerfuhr, im Feudalismus wurden Personen, die Dinge wussten und hätten ausplaudern können, einfach zu Hexen oder Hexern erklärt und auf öffentlichem Platz verbrannt.

Aber auch hier, im Kapitalismus, ist der Hauptfeind der Herrschenden immer die Wahrheit. Da hat man denn schon einmal eine ganze Reihe von Journalisten über Jahre abhören lassen, darunter einen des Spiegel, um eine „undichte Stelle“ herauszufinden.

Da wurden denn schon einmal eine ganze Reihe von Journalisten mit Anzeigen überzogen, weil sie das Fax an die Öffentlichkeit gebracht hatten, das belegte, Steinmeier hat im Fall des Guantanamo-Häftlings Kurnaz gelogen. Er hatte behauptet, die US-Regierung hätte nie die Überstellung von Kurnaz nach Deutschland angeboten, weil er als unschuldig angesehen werde. Doch genau das stand in jenem Fax. Wie peinlich!

SPD Oktober 2007

Da liess die Telekom ihren eigenen Aufsichtsrat bespitzeln , um ein „Leck“zu finden, da wurden in hohen Ämtern bei der Bahn und wohl auch in dessen Aufsichtsrat nach Leuten mit Kontakten zu Journalisten gefahndet.

In all dies reiht sich ganz zwanglos ein, dass jetzt eine Hausdurchsuchung in den beiden Wohnungen des Verantwortlichen für die deutsche Plattform, die von „wikileaks“ genutzt wird, stattgefunden hat. „Wikileaks“ veröffentlich geheim gehaltene Dokumente von öffentlichem Interesse.

So hat man u.a. die Listen aus Dänemark und anderen Ländern veröffentlicht, auf denen Websites aufgeführt waren, die gesperrt worden waren, weil sie angeblich Kinderpornos enthielten.

Was war daran so zu verheimlichen? Nun, die meisten der Sites enthielten überhaupt kein Kinderporno. Es wurde deutlich, im wahnhaften Glauben, Kinderporno verfolgen zu müssen, hat man einfach zu den wenigen wirklichen Fällen eine Riesenanzahl anderer hinzugefügt, um behaupten zu können, das Internet sei voller Kinderporno-Seiten. Das durfte aber nicht herauskommen. „Wikileaks“ hat dem aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also trifft die Strafe „wikileaks“, nicht etwa jene, die Kinderporno ins Netz stellen.

Es wurde ein Verfahren gegen „wikileaks“ eröffnet, weil man Adressen von Kinderporno–Sites zugänglich gemacht hätte, denn es waren ja wirklich einige unter den veröffentlichten Sites. Gegen die Betreiber dieser Sites hat man dagegen keinerlei Hausdurchsuchung angesetzt.

Da wird schon deutlich: Es geht bei den Verfolgungen von Frau von der Leyen und anderen Politikern überhaupt nicht um Kinderporno, es geht darum, eine Scheinaktivität zu entwickeln, die der unbedarfte Bundesbürger als Vorgehen gegen Kinderporno-Hersteller versteht, auch wenn gegen diese gar nicht vorgegangen wird.

Das durfte nicht aufkommen und so wird nun „wikileaks“ abgestraft statt der Kinderpornoseiten-Betreiber.

Eine Stellungnahme von Frau van der Leyen und der ganzen Bundesregierung zu der hohen Anzahl von gesperrten Seiten, die überhaupt kein Kinderporno enthalten, hat es bis heute nicht gegeben. In solchen Fällen, wenn man erwischt wurde, hält man sich bedeckt. So wie damals auch Steinmeier, der seine damalige Lüge einfach ausgesessen hat. Wer wird sich daran 2009 noch erinnern? Nur immer feste auf Kanzler kandidieren!

Deshalb brauchen die Herrschenden eben unbedingt ein Zensursystem im Internet. Es geht ihnen nicht um Kinderporno, wie jetzt beweisen ist, sie wollen die Zensur nach chinesischem und Nordkorea-Vorbild im Internet einführen, damit ihre Gauenereinen nicht mehr aufgedeckt werden.

Dienstag, 7. April 2009

...und schon haben wir die ersten Fälle

Die neue Kinderporno-Definition

Von Karl Weiss

Originalveröffentlichung

In den USA haben sich jetzt die ersten Fälle ergeben, in denen, wie leicht vorherzusehen war, Teenager auf Grund von Nacktfotos, die sie auf dem Handy ausgetauscht hatten, wegen Kinderporno angeklagt wurden. Die Politiker fürchten zu Recht, an Einfluss zu verlieren und versuchen über eine neue Definition des „Kinderporno“ die Zahl der Fälle in die Höhe zu schrauben und sich als machtvolle Kämpfer gegen Kinder-Missbrauch darzustellen. Auf der Strecke bleiben Menschenrechte und gesunder Menschenverstand.

Bravo- Junge und Mädchen

In den USA hat man herausgefunden, wie man die Zahl der „Kinderporno“-Fälle gewaltig in die Höhe schrauben kann. Die Politiker können dann das anderwärts verlorene Vetrauen wiederzugewinnen versuchen, in dem sie als heroische Verfolger von Kinderporno auftreten. Man musste einfach nur das Alter der „Kinder“ im Kinderporno auf 18 Jahre heraufsetzen und nicht nur wirklichen Sex mit, vor oder von Kindern, sondern auch „aufreizende Posen“ – was auch immer das ist - als Kinderporno definieren, schon kommen die Fälle nur so geflossen.

Auch in Deutschland ist ein entsprechend geändertes Gesetz mit der neuen Definition des Alters (alles bis 18 Jahre) und mit der Einführung der „aufreizenden Posen“ im letzten November verabschiedet worden. Wir können also auch hier bald solche Fälle wie jetzt im US-Bundesstaat Wyoming erleben.

Nudist Foto 179

Dort hatten Lehrer auf den Handys von Halbwüchsigen Fotos von leicht bekleideten bzw. nackten anderer Schüler/innen entdeckt und haben die Fälle dem Staatsanwalt übergeben. Insgesamt wurden allein im letzten Monat bei 17 Schülern Fälle konstruiert, die vom Staatsanwalt jedes Mal in folgender Form gehandhabt wurden: Die Schüler wurden vorgeladen und vor die Alternative gestellt, entweder einen Urintest (Drogen, Schwangerschaft) zu absolvieren und sich einer fünfwöchigen Schulung über richtiges Verhalten zu unterziehen oder sie würden wegen Verbreitung von „Kinderporno“ angeklagt und wären dann im Fall einer Verurteilung ihr Leben lang als Sexualtäter gebrandmarkt.

Alle „Sexualtäter“ werden in den USA auf Internetseiten mit Name, Foto und Aufenthaltsort vorgeführt – und das lebenslang. Sie dürfen nicht näher als 500 Meter an Institutionen wohnen, wo sich Kinder aufhalten, in einigen Bundesstaaten nicht näher als 2 km.

Nudist foto 199

Die genannten 17 Jugendlichen verpflichteten sich zum Urintest und zur Schulung. Solche Schulungen dienen offenbar der religiösen extrem Rechten, die Jugendliche in ihrem Sinne indoktrinieren wollen.

Nun haben sich aber drei 15-jährige Mädchen geweigert, deren Fotos - 2 nur mit BH bekleidet, die dritte mit nacktem Oberkörper- auf einem Handy gefunden wurden, den „Deal“ anzunehmen. Sie erklärten (völlig zu Recht), das Vorgehen sie illegal und unfair und haben Gegenklage erheben lassen durch einen Anwalt.
Die American Civil Liberties Union (ACLU) unterstützt diese Klage und wird versuchen, sie durch die Instanzen zu bringen, um sie dem Obersten Bundesgericht vorzulegen.

Bravo - Erstes Mal

Es handelt sich bei diesen Fotos um „Sexting“, eine seit der allgemeinen Einführung von foto-bewehrten Handys extrem weit verbreitete Mode unter jungen Leuten – nicht nur in den USA. Es werden Oberkörperfotos gemacht und verbreitet (bei Jungs also völlig unverfänglich), wobei die Mädchen nur einen BH anhaben oder aber den nackten Oberkörper zeigen.

Bei einer repräsentativen Umfrage in den USA haben 22 % der jungen Frauen (unter 18) angegeben, bereits bei „Sexting“ mitgemacht zu haben und 18% der Jungen unter 18.

Nudist Foto 123

Im Schnitt also etwa 20% der jungen Leute zwischen 14 und 18, die – nach Ansicht des Gesetzgebers und der Staatsanwaltschaft – Sexualverbrecher seien. Es handelt sich also um nicht mehr und nicht weniger als den Versuch, etwa jeden fünften US-Teenager als Sexualverbrecher zu brandmarken.

Bei der gleichlautenden Gesetzesvorschrift in Deutschland wird Urintest und Kurs nicht als Alrternative angeboten. Man stelle sich also vor, wenn die Staatsanwaltschaften das mit deutscher Gründlichkeit zu behandeln beginnen.

Doch was steckt dahinter? Warum werden solche absurden Gesetze beschlossen und solche haarsträubenden kriminellen Verfolgungen betrieben?
Es geht um die Bedürfnisse von Politikern, die mehr und mehr unglaubwürdig werden. Bereits vor der Krise brach ihre Popularität zunehmend ein. Und jetzt in der Krise – es droht die Annäherung an Null Popularität. Da kommen Kinderporno und Kinderschänder wie gerufen. In der aufopfernden Verfolgung diese am meisten verdammenswerten von allen Verbrechen wird der Politiker wieder zur Heldenfigur, man kann sich wieder mit ihm identifizieren – so stellen es sich die Politiker jedenfalls vor.

Nudist Foto 147

So muss man eine ständig steigende Zahl von Kinderpornos schaffen, muss das Internet zensieren – auch wenn man weiss, das nützt nichts - und immer absurdere Massnahmen gegen die angeblich grassierenden Missbräuche von Kindern unternehmen.

Völlig unbeachtet bleibt, dass in Wirklichkeit die weit, weit überwiegende Mehrheit der Fälle von Kindsmissbrauch zu Hause stattfindet und von Vätern, anderen Familienmitgliedern oder engen Freunden der Familie verübt wird. Es bleibt völlig unbeachtete, dass die Zahl der wirklichen kriminellen sexuellen Angriffe auf Kinder ausserhalb dieser Späre ungefähr so häufig ist wie ein Islamistenattentat. Es bleibt unbeachtet, dass es zwar wirklich Ringe von Kinderpornoproduzenten gibt, die ihre Bilder und Videos zu hohen Preisen anbieten, aber dies ist weit seltener ist als die Zahl von Mafiaorganisationen in einem Land.

Würden sich diese Relationen verbreiten, hätten die Politker keine Chance mehr, sich als die unbezähmbaren Bekämpfer von Kinderporno und von Kindsmissbrauch zu profilieren, also wird dies systematisch verschwiegen.

Staattdessen werden zum Beispiel folgende „Informationen“ an die Öffentlichkeit gegeben: Das BKA hätte herausgefunden,dass Kinderporno im Internet sich verdoppelt hätte. Die Zahl der Bezahl-Seiten mit Kinderporno würde immer grösser werden im Internet. Das Internet würde durch sein Kinderporno-Angebot die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder erhöhen.

Das alles stimmt nicht.

Sexuelle Übergriffe auf Kinder ausserhalb der häuslichen Späre gehen deutlich zurück.Wenn das Internet also einen Einfluss gehabt haben sollte, dann einen positiven. Wirkliche kriminelle Kinderpornoringe arbeiten nicht mit Bezahlseiten im Internet. Die können viel zu leicht auffliegen. Das Internet wird lediglich verwendet, um Kontakt zu potentiellen Kunden aufzunehmen. Videos und Fotos von Kindervergewaltigungen werden per Post verschickt – das geht anonym.

Auch der SPD-Abgeordnete Tauss wurde geschnappt, weil er Telefon-Kontakt mit einem Kinderporno-Produzenten hatte und ein Video geschickt bekam.

Als „wikileak“ die Seiten veröffentlichte, die in Dänemark wegen Kinderporno gesperrt wurden, konnte man auf 90% dieser Seiten überhaupt keine Sex-mit-Kinder-Szenen sehen. So wird mit etwas, das nur in minimalem Umfang existiert, versucht, eine Hysterie zu erwecken, auf der dann Politiker ihr Süppchen kochen wollen.

nudist-foto 125

Was sagen die Menschenrechte und der gesunde Menschenverstand über die Sexualität Jugendlicher? Jugendliche – also Menschen vom 14. bis 18. Lebensjahr – sind bereits sexuell reif und haben daher ein – wenn auch oft äusserst unterdrücktes - Sexualleben. Sie haben ein natürliches Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, ein Recht auf Glück und ein Recht auf Aufklärung über Verhütung und Verhinderung sexuell übertragbarer Krankheiten.

Wer ihnen das vorenthalten will, wie die extremistische religiöse Rechte in den USA und deren Nachbeter, wie die EU-Kommission zusammen mit europäischen Regierungen, wie der deutsche Gesetzgeber und die deutsche Regierung, begeht ein schweres Attentat auf Menschenrechte. Wer mit der beliebig auslegbaren Definition „aufreizende Posen“ die mögliche Verurteilung für schwerste Straftaten der Beliebigkeit übergibt, nimmt dem staatstreuen Bürger das wesentliche Grundrecht, nur für klar definierte Straftaten zur Verwantwortung gezogen werden zu können.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

'Du schriebst mir, du liebst mich, aber ich darf es niemand sagen ...'

'...außer ich hätte deine schriftliche Einverständniserklärung': Die Schills sind los

Von Karl Weiss

Ja, so war es: Du hattest mir geschrieben. Geschrieben, was ich schon erwartet, aber immer auch bezweifelt hatte. Du schriebst, du liebst mich, in einem lieben Brief mit einer Menge gezeichneter Herzchen. Ich war selig. Endlich! Nun würde alles gut werden. Ich erzählte es meiner Mutter und ich stellte es, noch bevor ich dir geantwortet hatte, in meine Internet-Site in meinem „social networking“, sogar mit einem Faksimile jenes Satzes aus deinem Brief. Alle dort, die mich (und dich) kennen, sollten es wissen!

Schill 2

Doch bevor du noch meinen Antwortbrief mit dem Heiratsantrag beantwortet hattest, bekam ich Post von einem Rechtsanwalt (persönlich überbracht von einem Beauftragten).

Er schrieb, ich hätte eine vom Briefgeheimnis geschützte Mitteilung im Internet an die Öffentlichkeit gebracht. Hierfür sei ich abzumahnen. Ich hätte außerdem eine Erklärung abzugeben, diese Veröffentlichung von Privatsphären-Geheimnissen nicht zu wiederholen. Ich hätte die Mitteilung aus dem Internet zu nehmen und ich hätte ihm seine Kosten zu erstatten, die nun mal leider 2304 Euro und 68 Cents betragen hätten.

Falls ich bis zum Abend des darauffolgenden Tages nicht das Geheimnis aus dem Internet entfernt hätte und die Erklärung abgegeben hätte (er hatte mir ein Formular mit dem Wortlaut freundlicherweise gleich mitgeschickt), sehe er sich leider gezwungen, mich wegen dieses Deliktes zu verklagen, was bedeutend teurer würde. Eine Strafe von bis zu 25.000 Euro stünde auf meine Vergehen, ersatzweise Haft, ganz zu schweigen von den Rechtsanwaltskosten beider Seiten.

Da Samstag war und der nächste Tag dementsprechend Sonntag, konnte ich in der Kanzlei des Rechtsanwaltes niemanden erreichen. Wie du dich erinnerst, habe ich dich auch gleich angerufen und du hast mir bestätigt, dass du natürlich keinen Rechtsanwalt mit so etwas beauftragt hattest.

Also tauchte ich noch am Samstag bei einem Rechtsanwalt auf, der mich früher einmal vertreten hatte und klingelte ihn aus seiner Wohnung.

Ich war mir sicher, der würde mir bestätigen, diese „Abmahnung“ habe selbstverständlich keinen Bestand und ich könne sie einfach vergessen.

Doch dann kam die Überraschung: Wenn der Anwalt diese Klage beim Kölner Landgericht einreichen würde, was wahrscheinlich sei, dann hätte sie eine Chance, tatsächlich durchzukommen, also solle ich vorsichtshalber tun, was er verlangt.

Gleichzeitig solle ich dich eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen, die bestätigt, du hast nichts gegen diese Veröffentlichung. Er meint, damit hätten wir eine gute Chance, einen eventuellen Prozess bezüglich jener Rechtsanwaltskosten zu gewinnen.

Aber auch das konnte er mir nicht garantieren. Da die angegebenen Kosten aber sehr hoch sind, würde ein entsprechender Prozess auf jeden Fall billiger kommen – wenn man ihn gewinnt. Wenn man ihn verliert, dann sei sowieso alles verloren.

Halten Sie diesen Fall für real? Nein, er ist erfunden. Aber er könnte wahr sein, denn das Landgericht Köln (Pressekammer) hatte genau so einen Fall zu entscheiden und erfand neues Recht:

Angeblich sei ein E-Mail wie ein Brief zu behandeln und es gelte das Briefgeheimnis. Nun bezieht sich, wie jeder weiss, das Briefgeheimnis auf ungeöffnete Briefe. Niemand darf einen solchen Brief öffnen oder irgendwie den Inhalt zur Kenntnis nehmen, ganz zu schweigen von veröffentlichen, solange der Empfänger ihn nicht erhalten und geöffnet hat. Ab diesem Moment darf selbstverständlich der Empfänger im Rahmen seiner allgemeinen Pflichten den Inhalt veröffentlichen. Ebenfalls gilt das Briefgeheimnis nicht mehr für einen vom Empfänger geöffneten Brief, den der Empfänger in der Öffentlichkeit hat herumliegen lassen.

Schill beim Koksen

Selbst wenn man also ein E-Mail parallel zu einem Brief sieht, das Briefgeheimnis greift nur so lange, bis der Empfänger den Brief (das E-Mail) geöffnet hat.

Doch das Landgericht Köln (Pressekammer) sieht das ganz anders. Es verurteilte einen Betreiber einer Webseite (er war gar nicht der Betreiber, aber das ist schon wieder ein anderes Thema), weil auf der Website ein E-Mail veröffentlicht wurde, mit dem der Betreiber abgemanhnt wurde. Allerdings war auf dieser Website ausdrücklich eingetragen worden, dass alle E-Mails veröffentlicht werden könnten und dass speziell alle Abmahnungen auf jeden Fall veröffentlicht werden.

Nun, wie auch immer, das Landgericht Köln erfand neues Recht. Es gab dem Kläger recht, der abgemanhnt hatte. Man hätte sein E-Mail nicht veröffentlichen dürfen. In einigen Rechtskommentaren wird aufgrund dieses Urteils nun schon berichtet, man dürfe die Inhalte von E-Mails nicht veröffentlichen, wenn man nicht die schriftliche Einverständniserklärung des Absenders habe.

Nun, dies ist ein weiteres Beispiel, wie das sowieso schon trübe Rechtssystem der Bundesrepublik, belastet von Hunderten von Nazi-Richtern, sich immer weiter eintrübt. Urteile der absurdesten Kategorien häufen sich. Die Schills sind los.


Veröffentlicht am 29. Oktober 2008 in der Berliner Umschau

Originalveröffentlichung

Montag, 21. April 2008

Natascha Kampusch - die kapitalistische Barbarei

Schutz von Verbrechensopfern oder Recht auf „Information der Öffentlichkeit“?

Von Karl Weiss

Hatte der eine oder andere vielleicht noch einen Zweifel, dass wir bereit in die ersten Bereiche der kapitalistischen Barbarei eintauchen, der mag sich den Fall Natascha Kampusch ansehen. Da bekommt selbst ein kerngesunder Mensch Schwierigkeiten, noch normal weiter zu atmen.

Natascha Kampusch

Natascha Kampusch ist eine Österreicherin, eine Wienerin, um es genau zu sagen, die als Kind mit 10 Jahren von einem Verbrecher entführt und für viele Jahre als Geisel (oder muss man sagen: als Sexsklavin?) gefangengehalten und wohl auch missbraucht wurde – der Fall einer unsäglichen Leidensgeschichte, die nur noch mit Fällen von Foltern aus US-gelernten Folterschulen wie Chile oder aus anderen, wie der Chinas, verglichen werden kann.(siehe zu Sexfolter von Frauen hier)

Hier die Beschreibung des Falles durch die „netzeitung“: „Die heute 19-jährige war 1998 als zehnjähriges Mädchen auf dem Schulweg im Norden Wiens entführt und danach von ihrem Kidnapper, Wolfgang Priklopil, acht Jahre in einem Verlies-ähnlichen Raum festgehalten worden. Im August 2006 gelang ihr die Flucht. Priklopil nahm sich daraufhin das Leben.“

Der Fall entfachte eine gewaltige Anteilnahme der Öffentlichkeit, speziell in Österreich, aber auch in Deutschland. Da gab es aber auch andere „anteilnehmende“ Interessen nach der gelungenen Flucht von Frau Kampusch: Bestimmte Kreise hatten ein Interesse, intime Details des Leidens von Frau Kampusch zu erfahren, speziell sexuelle Details.

Doch Frau Kampusch wurde zunächst verantwortungsbewusst vor solchen falschen „Anteilnehmern“ geschützt. Da nach dem Selbstmord des Täters (der sich im Grunde wohl des verdammenswerten Charakters seiner Tat bewusst war) auch keine Notwendigkeit bestand, zum Zwecke der Strafverfolgung irgendwelche intimen Einzelheiten an die Öffentlichkeit zu bringen, schien der Leidensweg des Opfers zunächst wirklich zu einem Ende gekommen zu sein.

Doch jene Kreise, die genaueres aus den schmuddeligen Details der Sexsklavin-Haft wissen wollten, gaben nicht so schnell auf.

So wurde Natascha Kampusch nach einer Zeit der „Besinnung“ gezwungen, in Aussagen vor der Polizei ausführlich Einzelheiten zu erzählen, obwohl dies für absolut nichts nutze war, es sei denn, dass sich perverse Personen daran aufgeilen könnten.

Kurz nach ihrer Flucht hatte Natascha Kampusch ausfürlich einer jungen Kriminalbeamtin erzählt, was ihr widerfahren war, aber die Wiener Staatsanwaltschaft/Polizei hatte in einem Akt bemerkenswerter Weisheit dies Protokoll vernichtet und das einzige Exemplar an das Opfer ausgehändigt. Das gleiche geschah mit dem Tagebuch, das die gequälte junge Frau in der Geiselhaft geschrieben hatte: Es wurde dem Opfer der Tat ausgehändigt, so dass niemand die Chance hätte, irgendwelche Einzelheiten einsehen zu können.

Doch danach hat man aus unerklärlichen Gründen das Opfer gezwungen, nun erneut ausführlich der Polizei Details zu erzählen. Zwar wurde ihr zugesichert, dies seien selbstverständlich Polizeiprotokolle, die niemals von Unbefugten eingesehen werden könnten, aber da lag der Hase im Pfeffer.

Als nämlich jene gewissen Kreise Wind bekamen von diesen Protokollen, sannen sie darauf, wie man in den Besitz solcher pikanter Einzelheiten kommen könnte. Gesagt – getan: Es wurde unter einem Vorwand ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingerichtet, der sich mit solchen Dingen zu beschäftigen haben würde und natürlich Einblick in solche Protokolle haben müsste. Der Vorwand war, man wollte untersuchen, ob der Täter eventuell Komplizen gehabt haben könnte.

Nicht zufällig spielten die Politiker vom äussersten rechten Rand, in Österreich nennen sie sich FPÖ, eine entscheidende Rolle beim Einsetzen dieses Ausschusses. Die extreme Rechte, die immer die „Werte der Familie“ beschwört, ist traditionell heuchlerisch und besonders geil auf schwülstige Details. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses ist Peter Fichtenbauer von der FPÖ.

So kam es, wie es kommen musste: Kaum war das Protokoll der Polizei an den Ausschuss übergeben worden, kamen seitenweise Auszüge an die Öffentlichkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Leck beim Ausschuss lag oder bei der Polizei, die jene Gelegenheit wahrgenommen haben mag: Irgendjemand bekam Geld zugeschustert, um diese intimen und schmerzvollen Privat-Erlebnisse von Frau Kampusch an einen Verlag weiterzugeben, der dies dann in Wien in ein sogenanntes Anzeigenblatt beförderte, kostenlos verteilt, damit sich Hunderttausende oder Millionen an den sexuellen Einzelheiten verlustieren konnten.

Das ist das klassische Szenario der beginnenden kapitalistischen Barbarei. Der Schutz von Verbrechensopfern muss natürlich hinter dem „Interesse der Öffentlichkeit auf Information“ zurücktreten.

Der Verlag des Anzeigenblattes konnte selbstverständlich für die auf insgesamt fünf Seiten veröffentlichten schmierigen Details viele neue Anzeigen aquirieren, und das, appellierend an die niedrigsten Instinkte der Menschen, zu einer genussvollen Umsatzsteigerung machen und natürlich vor allem zu einer geilen Profitsteigerung.

Wie bei den Mohammed-Karikaturen, die ebenfalls mit den Rechtsaussen in Verbindung stehen, wird Dreckschweinerei als "Meinungsfreiheit" ausgegeben.

Was wird nun in der kapitalistischen Barbarei mit den Verantwortlichen dieses Verlags passieren? Deportation nach Guantanamo oder Diego Garcia? Langsame und schmerzvolle Todesstrafe? Lebenslang? Millionen-Entschädigungen? Langjährige Gefängnisstrafen? Gefängnisstrafen auf Bewährung?

Nun, der geneigte Leser weiss bereits die Antwort: Nichts dergleichen! Man wird weitermachen wie gehabt.

Der Chefredateur, der diese Möglichkeit aufgetan hätte, würde vielmehr einen speziellen Bonus bekommen und man wird auf den nächsten sensationellen Fall aus sein – wenn möglich, mit sexuellen Details.

Wie gut, dass es Verbrechen gibt - und speziell Verbrechen mit Sex!

Das ist das normale Vorgehen in der kapitalistischen Barbarei. Würde man den Verantwortlichen im Verlag befragen, er würde sagen, man habe diese Gesellschaft ja nicht erfunden, man bediene nur Wünsche dieser Gesellschaft.

Ja, im Grunde hat er recht. Diese Gesellschaft nennt sich Kapitalismus und sie muss so schnell wie möglich abgeschafft werden, speziell jetzt, da sie schon immer deutlicher in die Barbarei übergeht.

Dann werden wir auch wieder in der Lage sein, Verbrechensopfer würdig zu behandeln oder besser: Verbrechen nach und nach ganz abzuschaffen.


Veröffentlicht am 21. April 2008 in der Berliner Umschau

Originalartikel

Dienstag, 29. August 2006

South Park versus Mohammed-Karikaturen

Über Karikaturen, Comics und Satire

Von Karl Weiss

Im März und April diesen Jahres waren die dänischen Mohammed-Karikaturen und deren Folgen in aller Munde. Es hagelte falsch verstandene Begriffe wie Pressefreiheit, Freiheit der Meinungsäusserung, Verächtlichmachen von Religionen, Satire und andere. Dieser Artikel versuchte mit der Verwirrung aufzuräumen.

Kaum hat sich die Aufregung um die Mohammed-Karikaturen ein wenig gelegt, da kommt der „South Park"-Skandal um eine US-Comic-Serie, der anscheinend das gleiche Thema anschneidet. Darf eine US-Comic-Serie, was ein kleines Regionalblatt in Dänemark nicht durfte? Was hat das Ganze mit Meinungsfreiheit zu tun? Darf man sich über eine Religion lustig machen? Waren nicht auch die Mohammed-Karikaturen eine Verhohnepiepelung von religiösen Extremisten?

Im Januar bereits hatte die Scientology-Sekte dafür gesorgt, daß eine Wiederholung einer der „South-Park"-Sendungen im Sender „Comedy Central" aus dem Programm genommen werden mußte. Offen ist, ob Tom Cruise selbst dies veranlaßte oder ob es aus anderen Ecken der Scientology-Organisation kam. Dies war die Antwort auf eine „South-Park"-Folge, die sich über Scientology und Tom Cruise lustig machte.

Eine der „South-Park"-Figuren wurde vom gezeichneten Tom-Cruise für eine Wiedergeburt von Scientology-Gründer Hubbard gehalten und er wich ihm nicht mehr von der Seite. In einer anderen Szene versuchen Cruises Ex-Ehefrau Nicole Kidman und der bekennende Scientologe John Travolta den Schauspieler, der sich in einem Schrank verbarrikadiert hat, zum herauskommen zu bewegen: „Come out of the closet!" Ja, der kundige Leser hat es schon bemerkt, das kann auch heißen; „Bekenne dich zu deiner Homosexualität!", wenn es auch eigentlich nur heißt: „Komm aus dem Schrank!"

Jedenfalls wurde Cruises neuer Film „Mission Impossible 18" (oder war es erst 3?) von Paramount produziert, die auch Besitzer des Senders „Comedy Central" sind. Cruise soll androhen haben lassen, nicht für Propaganda-Auftritte für den Film zu Verfügung zu stehen, wenn die „South-Park"-Folge noch einmal gezeigt wird. Wie auch immer es genau war, die Wiederholung wurde aus dem Programm genommen.

Die beiden „South-Park"-Macher, Trey Parker und Matt Stone, reagierten darauf in bewährt ironischer Manier: „Okay, Scientology, diese Schlacht habt ihr gewonnen. Aber der millionenjährige Krieg auf der Erde hat gerade erst begonnen."

Zu den Glaubenssätzen von Scientology gehört unter anderem die Wiedergeburt der Menschen und die Ansicht, es gäbe einen Krieg zwischen Gut und Böse auf der Erde, der noch Millionen von Jahre dauern würde. Man rate, auf welcher Seite sich Scientology wähnt.

Wenn jemand bei Scientology angestellt wird, muß er einen Arbeitsvertrag über eine Billion Jahre unterschreiben. Scientology zeichnet sich auch dadurch aus, daß eine Mitgliedschaft nur für Gutbetuchte erschwinglich ist.

„South Park" ist eine Zeichentrick-Serie, die oft aktuelle und politische Themen aufgreift und im wesentlichen die Position des ‚kleinen Mannes’ einnimmt. Die vier Jugendlichen, Hauptfiguren des humorvollen Comics, Cartman, Kenny, Kyle und Stan, wehren sich in unterhaltender Art gegen Vorurteile, Bevormundung und reaktionäre Ansichten und haben immer ein freches Mundwerk, manchmal bis an die Grenzen des „Schicklichen", und auch der Unsinn kommt nicht zu kurz. Fragen des Geschmacks seien hier nicht diskutiert.

Ähnlich wie die „Simpsons", wenn auch in anderer Art, haben sie damit die klassische und traditionelle Form des Comics wieder aufgenommen, die eine der „Waffen" der Unterdrückten gegen die Unterdrücker war und ist. Comics und Karikaturen kommen aus den gleichen Quellen, die auf die Zeiten zurückgehen, etwa in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, da praktisch alle Regimes obrigkeitsstaatlich waren und gegenüber den damaligen Medien, das waren die Presseorgane, Zensur ausübten. Und Zensur war oft verbunden mit Gefängnis für so schwungvolle Verbrechen wie „Beleidigung der Obrigkeit" oder „Gotteslästerung", womit meistens gemeint war, daß die Karikatur sich über Absurditäten von Religionen lustig gemacht hat.

Damals war es im gerade wieder zusammenwachsenden Deutschland der Simplicissimus, der Karikaturen brachte, die oft mehr andeuteten als klar waren, so wie auch die Texte sein mußten, wollte man nicht andauernd geschlossen werden, was trotzdem immer wieder geschah.

Besonders zeichnete sich der preußische Obrigkeitsstaat mit Sitz in Berlin aus, der dann 1871 gegründet wurde. Bis heute weiß man in einigen Gegenden Deutschlands, daß nicht gut sein kann, was aus Berlin kommt. Karl Marx in Trier und Friedrich Engels in Wuppertal (damals noch die Städte Elberfeld und Barmen), ebenso wie Heinrich Heine in Düsseldorf bekamen die Wut von arroganten Vollidioten in Berliner Ämtern zu spüren. Marx mußte nach Frankreich fliehen, später nach London. Heine mußte große Teile seines Lebens im Exil leben.

Natürlich waren Marx und Heine keine Karikaturisten, aber ihr Schicksal war eine Widerspiegelung des der bekannten Karikaturisten. Erst nach 1918, als der Feudalismus und die Krautjunker endgültig ihren Teil an der Macht in Deutschland abgeben mußten, konnten die Karikaturen direkt und deutlicher werden, ohne daß sich die Karikaturisten gleich in den Gefängnissen wiederfanden. Doch sie waren und blieben ein wesentlicher Teil des Kampfes des „kleinen Mannes" gegen die Obrigkeit.

Aber im 20. Jahrhundert hatten auch die Propagandisten der Herrschenden die Karikatur als Propagandamittel entdeckt. Ebenso wurden die gezeichneten Geschichten, heute „Comics" genannt, erfunden, ebenfalls ursprünglich eine Art, wie man die Kritik an den Herrschenden vorbrachte, danach aber von diesen selbst in ihrem Sinne umgestülpt und benutzt.

In der Zeit der faschistischen Herrschaft in Deutschland benutzten auch die Faschisten diese Mittel. Die rassistischen Karikaturen des „Stürmer" waren berühmt. Der Jude wurde mit riesiger Nase dargestellt und steckte immer hinter allem, was schlecht war. So wurde versucht, Bahn zu schaffen für Untertanen, die den Holocaust gehorsam ausführen würden.

Damit hatten die Karikaturen ihr Unschuld verloren. Sie waren weiterhin beliebt im Volk, nicht nur in Deutschland. Nun aber mußte man sich jede Karikatur erst ansehen, was sie aussagte, um sagen zu können, ob sie reaktionär, faschistisch, kriegshetzerisch oder eben eine „richtige" Karikatur ist, die die Wahrheit über die Herrschenden sagt und sie damit angreift und die Position des „kleinen Mannes" vertritt.

In der Bundesrepublik hat sich die antikommunistischen Mainstream-Presse einen Namen mit einer großen Zahl von Karikaturen gemacht. Gab es am Anfang noch kritische Karikaturisten, die den reaktionären Charakter des neuen deutschen Staates aufzeigten, wie z.B. E. M. Lang in der 'Süddeutschen', so verschwanden alle diese mehr und mehr aus den Zeitungen und Magazinen.

Heute gibt es keinen einzigen fortschrittlichen Karikaturisten mehr, der bei einem der großen Presseorgane in Deutschland angestellt wäre. „Kleine zornige Männer", wie Michael Crichton einmal solche Reaktionäre charakterisiert hat, haben deren Platz eingenommen und fabrizieren statt Karikaturen Lügen.

Hier seien zwei Beispiele genannt: Der jetzige Karikaturist der „Süddeutschen" hat sich vor wenigen Jahren nicht geschämt, folgende Karikatur zum Thema Antisemitismus zu zeichnen: Auf einem Festwagen mit der Überschrift Antisemitismus sieht man faschistische Führer und Horden versammelt und mitten darunter jene Leute, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Kritik an Israels Schlächtereinen aufgefallen waren, alle in Jubelstimmung. Die Bildunterschrift war sinngemäß „Hoch auf dem braunen Wagen...".

Damit denunzierte er jede noch so berechtigte Kritik an Israel als Antisemitismus, ja als faschistisch. Das ist in mehrerer Hinsicht verlogen, denn zum einen ist Israel eben nicht „die Juden", sondern nur ein Teil der Juden und hat auch viele andere Einwohner, zum anderen aber ist eben die zionistische rassistische Politik Israels keineswegs einhellige Meinung „der Juden". Damit ist jede Gleichsetzung Israels mit „den Juden" eine freche Lüge, ebenso wie die Gleichsetzung von Anti-Zionismus mit Antisemitismus. Kurz: Die ganze Karikatur ist verlogen.

Ein anderes Beispiel dafür ist diese Karikatur, die man letztes Jahr in „yahoo.news" bewundern konnte:

Wer fleissig ist, hat selber Schuld

mit der Bildunterschrift: "Wer fleissig ist, hat selber Schuld."

Auch hier wieder gleich eine ganze Ansammlung von Lügen in einem einzigen Bild. Zunächst wird behauptet, wer in der Bundesrepublik Geld von der Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe bekomme, könne sich in einem „sozialen Netz" fleezen, dann, dies sei auf Kosten der Fleißigen der Gesellschaft, dann, die Arbeitslosen seien die „Faulen" und schließlich, die ganze Arbeitslosigkeit sei keine Problem von fehlenden Arbeitsplätzen, sondern von Faulheit.

Nicht nur an den Stürmer-Karikaturen, sondern auch an diesen beiden kann man leicht erkenen, daß das Mittel Karikaturen eben auch dazu verwendet werden kann, die Menschen zu täuschen, sie gegeneinander auszuspielen, ihnen falsche Ideen in den Kopf zu setzen, oder eben auch sie gegen irgendwelche Andere aufzuhetzen, so daß dann später irgendwelche Aggressionen gegen diese auf vorbereiteten Boden treffen.

Im Prinzip gelten diese Aussagen so auch für Comics.

Nun wird auch klar, daß die Mohammed-Karikaturen und auch andere Karikaturen, die im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um die Mohammen-Karikaturen entstanden, nicht zu der Art gehören, die uns die Wahrheit über die Herrschenden sagen, sondern zu den Lügenkarikaturen.

Besonders deutlich wird dies an zwei der in diesem Zusammenhang meist veröffentlichten Karikaturen: Jener, die angeblich den Propheten Mohammed, aber in Wirklichkeit einen heutigen schiitischen Ayatollah zeigt, der als Turban eine Bombe mit brennendem Zünder auf dem Kopf hat und jene andere des 'Tagespiegel', die die iranische Fußballnationalmannschaft zeigen soll, von denen jeder einen Sprengstoffgürtel trägt.

[Wie unten in den Kommentaren schon gesagt, ziehe ich diese Einschätzung bezüglich der "Tagesspiegel"-Karikatur zurück.]

Es ist leicht festzustellen, daß es sich bei diesen Karikaturen um die vom Typ „Lüge" handelt. Was in beiden Fällen suggeriert werden soll, ist, daß der Iran und die iranischen schiitischen religiösen Extremisten hinter Terroranschlagen in westlichen Ländern stehen, wie denen des 11. September, jenen in Madrid oder denen in London.

Nun kann aber jeder leicht feststellen, daß inzwischen in London und in Madrid die offiziellen Versionen besagen, daß es Taten örtlicher religiöser Extremisten waren, der Iran also sowieso damit nichts zu tun hatte. Wenn wir bei den Anschlägen des 11. September in den USA von der offiziellen Version sprechen, so soll es sich um sunnitische Extremisten gehandelt haben, die unter dem Begriff Al Quaida subsumiert werden. Wie jeder weiß, stehen die Sunniten und die Schiiten nicht gut miteinander und es gibt nicht einen einzigen Hinweis, daß es auch nur die geringsten Kontakte der iranischen Führer - seinen sie religiös oder nicht - zu irgendwelchen Personen gibt, die wiederum von westlichen Kreisen der Al Quaida zugerechnet werden.

Wenn sich jemand die Mühe macht, im Irak etwas genauer hinzusehen, so wird er feststellen, daß dort Schiiten und deren Moscheen andauernd Bombenanschlägen ausgesetzt sind, die laut westlicher Version von Sunniten ausgeführt werden, die ebenfalls zum Kreis der Al Quaida gezählt werden.

Oder kurz: Der Iran, seine Ayatollahs oder seine Fußballspieler haben noch nie etwas mit Terroranschlägen in westlichen Ländern zu tun gehabt. Niemand behauptet dies auch allen Ernstes (wobei man einige Äusserungen der letzten Zeit aus US-Geheimdienst-Kreisen getrost in das Reich der Vor-Kriegs-Propaganda verweisen kann).

Solche Karikaturen versuchen also nichts anderes, als uns zu suggerieren, was nicht stimmt: Der Iran hätte mit internationalen Terrororganisationen wie Al Quaida zu tun und daher sei ein Angriff auf dieses Land gerechtfertigt.

Hierbei reden wir von der objektiven Funktion, die allein interessiert. Ob dies subjektiv die Absicht von Diesem oder Jenem gewesen ist, der an der Erstellung und Veröffentlicheng beteiligt war, braucht uns nicht zu interessieren.

So kommen wir also zu dem Schluß, daß es sehr wohl einen qualitativen Unterschied gibt zwischen dem Comic „South Park" und den Mohammed-Karikaturen: Dieser Comic steht tendenziell auf unserer Seite, diese Karikaturen dagegen auf Seiten der Herrschenden. Wir haben also ein Interesse daran, daß „South Park" nicht zensiert wird und können getrost Zeichnungen zustimmen, die sich über religiöse Spinnereien lustig machen.

Andererseits müssen wir gegen die Veröffentlichung kriegshetzerischer Karikaturen sein, weil wir ganz bestimmt nichts davon haben, wenn man uns in Kriegsbegeisterung für die Großmacht-Interessen der US-Regierung versetzt.


Link zum Originalartikel hier

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