InternetundMeinungsfreiheit

Montag, 21. April 2008

Natascha Kampusch - die kapitalistische Barbarei

Schutz von Verbrechensopfern oder Recht auf „Information der Öffentlichkeit“?

Von Karl Weiss

Hatte der eine oder andere vielleicht noch einen Zweifel, dass wir bereit in die ersten Bereiche der kapitalistischen Barbarei eintauchen, der mag sich den Fall Natascha Kampusch ansehen. Da bekommt selbst ein kerngesunder Mensch Schwierigkeiten, noch normal weiter zu atmen.

Natascha Kampusch

Natascha Kampusch ist eine Österreicherin, eine Wienerin, um es genau zu sagen, die als Kind mit 10 Jahren von einem Verbrecher entführt und für viele Jahre als Geisel (oder muss man sagen: als Sexsklavin?) gefangengehalten und wohl auch missbraucht wurde – der Fall einer unsäglichen Leidensgeschichte, die nur noch mit Fällen von Foltern aus US-gelernten Folterschulen wie Chile oder aus anderen, wie der Chinas, verglichen werden kann.(siehe zu Sexfolter von Frauen hier)

Hier die Beschreibung des Falles durch die „netzeitung“: „Die heute 19-jährige war 1998 als zehnjähriges Mädchen auf dem Schulweg im Norden Wiens entführt und danach von ihrem Kidnapper, Wolfgang Priklopil, acht Jahre in einem Verlies-ähnlichen Raum festgehalten worden. Im August 2006 gelang ihr die Flucht. Priklopil nahm sich daraufhin das Leben.“

Der Fall entfachte eine gewaltige Anteilnahme der Öffentlichkeit, speziell in Österreich, aber auch in Deutschland. Da gab es aber auch andere „anteilnehmende“ Interessen nach der gelungenen Flucht von Frau Kampusch: Bestimmte Kreise hatten ein Interesse, intime Details des Leidens von Frau Kampusch zu erfahren, speziell sexuelle Details.

Doch Frau Kampusch wurde zunächst verantwortungsbewusst vor solchen falschen „Anteilnehmern“ geschützt. Da nach dem Selbstmord des Täters (der sich im Grunde wohl des verdammenswerten Charakters seiner Tat bewusst war) auch keine Notwendigkeit bestand, zum Zwecke der Strafverfolgung irgendwelche intimen Einzelheiten an die Öffentlichkeit zu bringen, schien der Leidensweg des Opfers zunächst wirklich zu einem Ende gekommen zu sein.

Doch jene Kreise, die genaueres aus den schmuddeligen Details der Sexsklavin-Haft wissen wollten, gaben nicht so schnell auf.

So wurde Natascha Kampusch nach einer Zeit der „Besinnung“ gezwungen, in Aussagen vor der Polizei ausführlich Einzelheiten zu erzählen, obwohl dies für absolut nichts nutze war, es sei denn, dass sich perverse Personen daran aufgeilen könnten.

Kurz nach ihrer Flucht hatte Natascha Kampusch ausfürlich einer jungen Kriminalbeamtin erzählt, was ihr widerfahren war, aber die Wiener Staatsanwaltschaft/Polizei hatte in einem Akt bemerkenswerter Weisheit dies Protokoll vernichtet und das einzige Exemplar an das Opfer ausgehändigt. Das gleiche geschah mit dem Tagebuch, das die gequälte junge Frau in der Geiselhaft geschrieben hatte: Es wurde dem Opfer der Tat ausgehändigt, so dass niemand die Chance hätte, irgendwelche Einzelheiten einsehen zu können.

Doch danach hat man aus unerklärlichen Gründen das Opfer gezwungen, nun erneut ausführlich der Polizei Details zu erzählen. Zwar wurde ihr zugesichert, dies seien selbstverständlich Polizeiprotokolle, die niemals von Unbefugten eingesehen werden könnten, aber da lag der Hase im Pfeffer.

Als nämlich jene gewissen Kreise Wind bekamen von diesen Protokollen, sannen sie darauf, wie man in den Besitz solcher pikanter Einzelheiten kommen könnte. Gesagt – getan: Es wurde unter einem Vorwand ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingerichtet, der sich mit solchen Dingen zu beschäftigen haben würde und natürlich Einblick in solche Protokolle haben müsste. Der Vorwand war, man wollte untersuchen, ob der Täter eventuell Komplizen gehabt haben könnte.

Nicht zufällig spielten die Politiker vom äussersten rechten Rand, in Österreich nennen sie sich FPÖ, eine entscheidende Rolle beim Einsetzen dieses Ausschusses. Die extreme Rechte, die immer die „Werte der Familie“ beschwört, ist traditionell heuchlerisch und besonders geil auf schwülstige Details. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses ist Peter Fichtenbauer von der FPÖ.

So kam es, wie es kommen musste: Kaum war das Protokoll der Polizei an den Ausschuss übergeben worden, kamen seitenweise Auszüge an die Öffentlichkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Leck beim Ausschuss lag oder bei der Polizei, die jene Gelegenheit wahrgenommen haben mag: Irgendjemand bekam Geld zugeschustert, um diese intimen und schmerzvollen Privat-Erlebnisse von Frau Kampusch an einen Verlag weiterzugeben, der dies dann in Wien in ein sogenanntes Anzeigenblatt beförderte, kostenlos verteilt, damit sich Hunderttausende oder Millionen an den sexuellen Einzelheiten verlustieren konnten.

Das ist das klassische Szenario der beginnenden kapitalistischen Barbarei. Der Schutz von Verbrechensopfern muss natürlich hinter dem „Interesse der Öffentlichkeit auf Information“ zurücktreten.

Der Verlag des Anzeigenblattes konnte selbstverständlich für die auf insgesamt fünf Seiten veröffentlichten schmierigen Details viele neue Anzeigen aquirieren, und das, appellierend an die niedrigsten Instinkte der Menschen, zu einer genussvollen Umsatzsteigerung machen und natürlich vor allem zu einer geilen Profitsteigerung.

Wie bei den Mohammed-Karikaturen, die ebenfalls mit den Rechtsaussen in Verbindung stehen, wird Dreckschweinerei als "Meinungsfreiheit" ausgegeben.

Was wird nun in der kapitalistischen Barbarei mit den Verantwortlichen dieses Verlags passieren? Deportation nach Guantanamo oder Diego Garcia? Langsame und schmerzvolle Todesstrafe? Lebenslang? Millionen-Entschädigungen? Langjährige Gefängnisstrafen? Gefängnisstrafen auf Bewährung?

Nun, der geneigte Leser weiss bereits die Antwort: Nichts dergleichen! Man wird weitermachen wie gehabt.

Der Chefredateur, der diese Möglichkeit aufgetan hätte, würde vielmehr einen speziellen Bonus bekommen und man wird auf den nächsten sensationellen Fall aus sein – wenn möglich, mit sexuellen Details.

Wie gut, dass es Verbrechen gibt - und speziell Verbrechen mit Sex!

Das ist das normale Vorgehen in der kapitalistischen Barbarei. Würde man den Verantwortlichen im Verlag befragen, er würde sagen, man habe diese Gesellschaft ja nicht erfunden, man bediene nur Wünsche dieser Gesellschaft.

Ja, im Grunde hat er recht. Diese Gesellschaft nennt sich Kapitalismus und sie muss so schnell wie möglich abgeschafft werden, speziell jetzt, da sie schon immer deutlicher in die Barbarei übergeht.

Dann werden wir auch wieder in der Lage sein, Verbrechensopfer würdig zu behandeln oder besser: Verbrechen nach und nach ganz abzuschaffen.


Veröffentlicht am 21. April 2008 in der Berliner Umschau

Originalartikel

Dienstag, 29. August 2006

South Park versus Mohammed-Karikaturen

Über Karikaturen, Comics und Satire

Von Karl Weiss

Im März und April diesen Jahres waren die dänischen Mohammed-Karikaturen und deren Folgen in aller Munde. Es hagelte falsch verstandene Begriffe wie Pressefreiheit, Freiheit der Meinungsäusserung, Verächtlichmachen von Religionen, Satire und andere. Dieser Artikel versuchte mit der Verwirrung aufzuräumen.

Kaum hat sich die Aufregung um die Mohammed-Karikaturen ein wenig gelegt, da kommt der „South Park"-Skandal um eine US-Comic-Serie, der anscheinend das gleiche Thema anschneidet. Darf eine US-Comic-Serie, was ein kleines Regionalblatt in Dänemark nicht durfte? Was hat das Ganze mit Meinungsfreiheit zu tun? Darf man sich über eine Religion lustig machen? Waren nicht auch die Mohammed-Karikaturen eine Verhohnepiepelung von religiösen Extremisten?

Im Januar bereits hatte die Scientology-Sekte dafür gesorgt, daß eine Wiederholung einer der „South-Park"-Sendungen im Sender „Comedy Central" aus dem Programm genommen werden mußte. Offen ist, ob Tom Cruise selbst dies veranlaßte oder ob es aus anderen Ecken der Scientology-Organisation kam. Dies war die Antwort auf eine „South-Park"-Folge, die sich über Scientology und Tom Cruise lustig machte.

Eine der „South-Park"-Figuren wurde vom gezeichneten Tom-Cruise für eine Wiedergeburt von Scientology-Gründer Hubbard gehalten und er wich ihm nicht mehr von der Seite. In einer anderen Szene versuchen Cruises Ex-Ehefrau Nicole Kidman und der bekennende Scientologe John Travolta den Schauspieler, der sich in einem Schrank verbarrikadiert hat, zum herauskommen zu bewegen: „Come out of the closet!" Ja, der kundige Leser hat es schon bemerkt, das kann auch heißen; „Bekenne dich zu deiner Homosexualität!", wenn es auch eigentlich nur heißt: „Komm aus dem Schrank!"

Jedenfalls wurde Cruises neuer Film „Mission Impossible 18" (oder war es erst 3?) von Paramount produziert, die auch Besitzer des Senders „Comedy Central" sind. Cruise soll androhen haben lassen, nicht für Propaganda-Auftritte für den Film zu Verfügung zu stehen, wenn die „South-Park"-Folge noch einmal gezeigt wird. Wie auch immer es genau war, die Wiederholung wurde aus dem Programm genommen.

Die beiden „South-Park"-Macher, Trey Parker und Matt Stone, reagierten darauf in bewährt ironischer Manier: „Okay, Scientology, diese Schlacht habt ihr gewonnen. Aber der millionenjährige Krieg auf der Erde hat gerade erst begonnen."

Zu den Glaubenssätzen von Scientology gehört unter anderem die Wiedergeburt der Menschen und die Ansicht, es gäbe einen Krieg zwischen Gut und Böse auf der Erde, der noch Millionen von Jahre dauern würde. Man rate, auf welcher Seite sich Scientology wähnt.

Wenn jemand bei Scientology angestellt wird, muß er einen Arbeitsvertrag über eine Billion Jahre unterschreiben. Scientology zeichnet sich auch dadurch aus, daß eine Mitgliedschaft nur für Gutbetuchte erschwinglich ist.

„South Park" ist eine Zeichentrick-Serie, die oft aktuelle und politische Themen aufgreift und im wesentlichen die Position des ‚kleinen Mannes’ einnimmt. Die vier Jugendlichen, Hauptfiguren des humorvollen Comics, Cartman, Kenny, Kyle und Stan, wehren sich in unterhaltender Art gegen Vorurteile, Bevormundung und reaktionäre Ansichten und haben immer ein freches Mundwerk, manchmal bis an die Grenzen des „Schicklichen", und auch der Unsinn kommt nicht zu kurz. Fragen des Geschmacks seien hier nicht diskutiert.

Ähnlich wie die „Simpsons", wenn auch in anderer Art, haben sie damit die klassische und traditionelle Form des Comics wieder aufgenommen, die eine der „Waffen" der Unterdrückten gegen die Unterdrücker war und ist. Comics und Karikaturen kommen aus den gleichen Quellen, die auf die Zeiten zurückgehen, etwa in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, da praktisch alle Regimes obrigkeitsstaatlich waren und gegenüber den damaligen Medien, das waren die Presseorgane, Zensur ausübten. Und Zensur war oft verbunden mit Gefängnis für so schwungvolle Verbrechen wie „Beleidigung der Obrigkeit" oder „Gotteslästerung", womit meistens gemeint war, daß die Karikatur sich über Absurditäten von Religionen lustig gemacht hat.

Damals war es im gerade wieder zusammenwachsenden Deutschland der Simplicissimus, der Karikaturen brachte, die oft mehr andeuteten als klar waren, so wie auch die Texte sein mußten, wollte man nicht andauernd geschlossen werden, was trotzdem immer wieder geschah.

Besonders zeichnete sich der preußische Obrigkeitsstaat mit Sitz in Berlin aus, der dann 1871 gegründet wurde. Bis heute weiß man in einigen Gegenden Deutschlands, daß nicht gut sein kann, was aus Berlin kommt. Karl Marx in Trier und Friedrich Engels in Wuppertal (damals noch die Städte Elberfeld und Barmen), ebenso wie Heinrich Heine in Düsseldorf bekamen die Wut von arroganten Vollidioten in Berliner Ämtern zu spüren. Marx mußte nach Frankreich fliehen, später nach London. Heine mußte große Teile seines Lebens im Exil leben.

Natürlich waren Marx und Heine keine Karikaturisten, aber ihr Schicksal war eine Widerspiegelung des der bekannten Karikaturisten. Erst nach 1918, als der Feudalismus und die Krautjunker endgültig ihren Teil an der Macht in Deutschland abgeben mußten, konnten die Karikaturen direkt und deutlicher werden, ohne daß sich die Karikaturisten gleich in den Gefängnissen wiederfanden. Doch sie waren und blieben ein wesentlicher Teil des Kampfes des „kleinen Mannes" gegen die Obrigkeit.

Aber im 20. Jahrhundert hatten auch die Propagandisten der Herrschenden die Karikatur als Propagandamittel entdeckt. Ebenso wurden die gezeichneten Geschichten, heute „Comics" genannt, erfunden, ebenfalls ursprünglich eine Art, wie man die Kritik an den Herrschenden vorbrachte, danach aber von diesen selbst in ihrem Sinne umgestülpt und benutzt.

In der Zeit der faschistischen Herrschaft in Deutschland benutzten auch die Faschisten diese Mittel. Die rassistischen Karikaturen des „Stürmer" waren berühmt. Der Jude wurde mit riesiger Nase dargestellt und steckte immer hinter allem, was schlecht war. So wurde versucht, Bahn zu schaffen für Untertanen, die den Holocaust gehorsam ausführen würden.

Damit hatten die Karikaturen ihr Unschuld verloren. Sie waren weiterhin beliebt im Volk, nicht nur in Deutschland. Nun aber mußte man sich jede Karikatur erst ansehen, was sie aussagte, um sagen zu können, ob sie reaktionär, faschistisch, kriegshetzerisch oder eben eine „richtige" Karikatur ist, die die Wahrheit über die Herrschenden sagt und sie damit angreift und die Position des „kleinen Mannes" vertritt.

In der Bundesrepublik hat sich die antikommunistischen Mainstream-Presse einen Namen mit einer großen Zahl von Karikaturen gemacht. Gab es am Anfang noch kritische Karikaturisten, die den reaktionären Charakter des neuen deutschen Staates aufzeigten, wie z.B. E. M. Lang in der 'Süddeutschen', so verschwanden alle diese mehr und mehr aus den Zeitungen und Magazinen.

Heute gibt es keinen einzigen fortschrittlichen Karikaturisten mehr, der bei einem der großen Presseorgane in Deutschland angestellt wäre. „Kleine zornige Männer", wie Michael Crichton einmal solche Reaktionäre charakterisiert hat, haben deren Platz eingenommen und fabrizieren statt Karikaturen Lügen.

Hier seien zwei Beispiele genannt: Der jetzige Karikaturist der „Süddeutschen" hat sich vor wenigen Jahren nicht geschämt, folgende Karikatur zum Thema Antisemitismus zu zeichnen: Auf einem Festwagen mit der Überschrift Antisemitismus sieht man faschistische Führer und Horden versammelt und mitten darunter jene Leute, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Kritik an Israels Schlächtereinen aufgefallen waren, alle in Jubelstimmung. Die Bildunterschrift war sinngemäß „Hoch auf dem braunen Wagen...".

Damit denunzierte er jede noch so berechtigte Kritik an Israel als Antisemitismus, ja als faschistisch. Das ist in mehrerer Hinsicht verlogen, denn zum einen ist Israel eben nicht „die Juden", sondern nur ein Teil der Juden und hat auch viele andere Einwohner, zum anderen aber ist eben die zionistische rassistische Politik Israels keineswegs einhellige Meinung „der Juden". Damit ist jede Gleichsetzung Israels mit „den Juden" eine freche Lüge, ebenso wie die Gleichsetzung von Anti-Zionismus mit Antisemitismus. Kurz: Die ganze Karikatur ist verlogen.

Ein anderes Beispiel dafür ist diese Karikatur, die man letztes Jahr in „yahoo.news" bewundern konnte:

Wer fleissig ist, hat selber Schuld

mit der Bildunterschrift: "Wer fleissig ist, hat selber Schuld."

Auch hier wieder gleich eine ganze Ansammlung von Lügen in einem einzigen Bild. Zunächst wird behauptet, wer in der Bundesrepublik Geld von der Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe bekomme, könne sich in einem „sozialen Netz" fleezen, dann, dies sei auf Kosten der Fleißigen der Gesellschaft, dann, die Arbeitslosen seien die „Faulen" und schließlich, die ganze Arbeitslosigkeit sei keine Problem von fehlenden Arbeitsplätzen, sondern von Faulheit.

Nicht nur an den Stürmer-Karikaturen, sondern auch an diesen beiden kann man leicht erkenen, daß das Mittel Karikaturen eben auch dazu verwendet werden kann, die Menschen zu täuschen, sie gegeneinander auszuspielen, ihnen falsche Ideen in den Kopf zu setzen, oder eben auch sie gegen irgendwelche Andere aufzuhetzen, so daß dann später irgendwelche Aggressionen gegen diese auf vorbereiteten Boden treffen.

Im Prinzip gelten diese Aussagen so auch für Comics.

Nun wird auch klar, daß die Mohammed-Karikaturen und auch andere Karikaturen, die im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um die Mohammen-Karikaturen entstanden, nicht zu der Art gehören, die uns die Wahrheit über die Herrschenden sagen, sondern zu den Lügenkarikaturen.

Besonders deutlich wird dies an zwei der in diesem Zusammenhang meist veröffentlichten Karikaturen: Jener, die angeblich den Propheten Mohammed, aber in Wirklichkeit einen heutigen schiitischen Ayatollah zeigt, der als Turban eine Bombe mit brennendem Zünder auf dem Kopf hat und jene andere des 'Tagespiegel', die die iranische Fußballnationalmannschaft zeigen soll, von denen jeder einen Sprengstoffgürtel trägt.

[Wie unten in den Kommentaren schon gesagt, ziehe ich diese Einschätzung bezüglich der "Tagesspiegel"-Karikatur zurück.]

Es ist leicht festzustellen, daß es sich bei diesen Karikaturen um die vom Typ „Lüge" handelt. Was in beiden Fällen suggeriert werden soll, ist, daß der Iran und die iranischen schiitischen religiösen Extremisten hinter Terroranschlagen in westlichen Ländern stehen, wie denen des 11. September, jenen in Madrid oder denen in London.

Nun kann aber jeder leicht feststellen, daß inzwischen in London und in Madrid die offiziellen Versionen besagen, daß es Taten örtlicher religiöser Extremisten waren, der Iran also sowieso damit nichts zu tun hatte. Wenn wir bei den Anschlägen des 11. September in den USA von der offiziellen Version sprechen, so soll es sich um sunnitische Extremisten gehandelt haben, die unter dem Begriff Al Quaida subsumiert werden. Wie jeder weiß, stehen die Sunniten und die Schiiten nicht gut miteinander und es gibt nicht einen einzigen Hinweis, daß es auch nur die geringsten Kontakte der iranischen Führer - seinen sie religiös oder nicht - zu irgendwelchen Personen gibt, die wiederum von westlichen Kreisen der Al Quaida zugerechnet werden.

Wenn sich jemand die Mühe macht, im Irak etwas genauer hinzusehen, so wird er feststellen, daß dort Schiiten und deren Moscheen andauernd Bombenanschlägen ausgesetzt sind, die laut westlicher Version von Sunniten ausgeführt werden, die ebenfalls zum Kreis der Al Quaida gezählt werden.

Oder kurz: Der Iran, seine Ayatollahs oder seine Fußballspieler haben noch nie etwas mit Terroranschlägen in westlichen Ländern zu tun gehabt. Niemand behauptet dies auch allen Ernstes (wobei man einige Äusserungen der letzten Zeit aus US-Geheimdienst-Kreisen getrost in das Reich der Vor-Kriegs-Propaganda verweisen kann).

Solche Karikaturen versuchen also nichts anderes, als uns zu suggerieren, was nicht stimmt: Der Iran hätte mit internationalen Terrororganisationen wie Al Quaida zu tun und daher sei ein Angriff auf dieses Land gerechtfertigt.

Hierbei reden wir von der objektiven Funktion, die allein interessiert. Ob dies subjektiv die Absicht von Diesem oder Jenem gewesen ist, der an der Erstellung und Veröffentlicheng beteiligt war, braucht uns nicht zu interessieren.

So kommen wir also zu dem Schluß, daß es sehr wohl einen qualitativen Unterschied gibt zwischen dem Comic „South Park" und den Mohammed-Karikaturen: Dieser Comic steht tendenziell auf unserer Seite, diese Karikaturen dagegen auf Seiten der Herrschenden. Wir haben also ein Interesse daran, daß „South Park" nicht zensiert wird und können getrost Zeichnungen zustimmen, die sich über religiöse Spinnereien lustig machen.

Andererseits müssen wir gegen die Veröffentlichung kriegshetzerischer Karikaturen sein, weil wir ganz bestimmt nichts davon haben, wenn man uns in Kriegsbegeisterung für die Großmacht-Interessen der US-Regierung versetzt.


Link zum Originalartikel hier

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