Brasilien

Mittwoch, 9. März 2011

Karneval in Rio 2011

Der Karnevals-Artikel 2011

Von Karl Weiss

Wie schon Tradition in diesem Blog, werden hier auch dieses Jahr wieder die herausragendsten Bilder des Karneval in Rio (und in São Paulo) eingestellt, denn dieses Blog ist auch Brasilien-Blog und auch Bilder-Blog.

Carnaval 11 51

Carnaval 11 - 53

Carnaval- 11- 54

Carnaval 11 - 54

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Dienstag, 9. November 2010

Der Amazonas-Regenwald wird weiter ungebremst vernichtet

Brasilien: Kaum sind die Wahlen vorbei.....

Von Karl Weiss

Der Wahlerfolg von Dilma Roussef als Nachfolgerin von Lula im Amt des brasilianischen Präsidenten wurde eben und gerade auch durch die massive Politik der Erhöhung des Wirtschaftswachstum ermöglicht, der vielen Brasilianern ein wenig mehr Geld in der Tasche gebracht hat. Dazu gehört aber auch die weiter ungebremste Vernichtung der Regenwälder, wie auch anderer Feuchtzonen in Brasilien. Im Amazonasurwald sind im Moment 4 neue riesige Wasserkraftwerke in Planung – bzw. schon in Umsetzung.

Brasilien: Soja-Pflanzungen auf Regenwald-Gelände

So hat es nur wenige Tage nach der Wahl bereits die ersten Vermessungsarbeiten für eines der Projekte gegeben, ein riesiges Stausee-Projekt mit 5 Staudämmen des Flusses Tapajos (Betonung auf der letzten Silbe), einem der Zuflüsse des Amazonas, gelegen im Westteil des Staates Pará (da kommen die Pará-Nüsse her), weit entfernt von jeglicher Zivilisation.

In der Indio-Gemeinde Pimentel waren Beschäftigte der beiden großen Konzerne Eletronorte und Ruraltec ohne Genehmigung eingedrungen und hatten mit Vermessungsarbeiten begonnen.

Regenwald-Abholzung Brasilien

In Brasilien braucht man eine Genehmigung, wenn man in die offiziell abgesteckten Indio-Reservate will, woran sich allerdings die Trupps der Holz-Mafia und die Goldgräber nie gehalten haben. Bis heute wurde keiner von ihnen bestraft.

Die Indios haben die Vermesser gefragt, wer sie hierher geschickt hat und sie antworteten, sie handelten im Auftrag von Präsident Lula. Die Vermesser wurden aus dem Reservat gewiesen. Sie erstatteten daraufhin Anzeige beim nächsten Polizei-Posten. Die Indios haben nun Angst vor Repressionen der Polizei, denn sie sind da Schlimmes gewöhnt.

Rio de Janeiro, Zuckerhut und Corcovado von Niteroi aus

In dieser Situation haben insgesamt 46 NGO-Organisationen einen Protestbrief an die brasilianische Bundestaatsanwaltschaft geschrieben. Sie betonen darin, dass die brasilianische Verfassung ausdrücklich Anhörungen der betroffenen Bevölkerung bei Grossprojekten vorsieht (wer erinnert sich da an Stuttgart21?) und diese Projekte jetzt offensichtlich gegen der Widerstand der Betroffenen durchgesetzt werden sollen.

Unter den protestierenden Organisationen sind: Landpastorale der katholischen Kirche, Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche, Bewegung der Landlosen, die Grasswurzel-Bewegungen „Tapajos VIVO“ und „Xingu VIVO“ sowie das „Comite Dorothy“, das die Arbeit der 2005 von Großgrundbesitzern ermordeten US-amerikanischen Umweltaktivistin und Ordens-Schwester Dorothy Stang weiterführt.

Regenwald

Falls sich jemand wundert, dass die katholische Kirche an diesen Protesten beteiligt ist: Ja, hier in Brasilien gibt es zwei katholische Kirchen, dir nur noch formal zusammen gehören: Eine mit allen Kardinälen, die treu zum Papst steht und ihre Existenz vor allem darin begründet sieht, gegen die Freistellung der Abtreibung von Strafen zu kämpfen und eine andere, die sich hauptsächlich in den „Pastoralen“ zeigt, die sich weiterhin den Ideen des Bischofs Dom Helder Cámara verpflichtet fühlt, der vom Papst gemaßregelt wurde.

Die Informationen hierüber stammen aus der Website „Blickpunkt Lateinamerika“ des katholischen Werks Adveniat.

Dorothy-Stang
Dorothy Stang

In Brasilien, das eine der intensivsten Sonnen-Einstrahlungen aller Länder hat, wird weiterhin die Technik der Stromgewinnung aus Solar-Paneelen nicht vorangetrieben, sondern stattdessen fast ausschließlich auf Wasserkraft gesetzt. Nur ist das ziemlich schizophren, denn die Vernichtung des Regenwalds wird ab einem bestimmten Punkt zu ausgedehnter Trockenheit in diesen Regionen führen, was die Stauseen trocken legen wird und damit die Stromversorgung Brasiliens.


Veröffentlicht am 8. November 2010 in der Berliner Umschau

Samstag, 30. Oktober 2010

Der Papst im brasilianischen Wahlkampf

Nach den Umfragen ist Dilma Roussef noch vorne

Von Karl Weiss

Am Sonntag findet die Stichwahl für das Amt des Präsidenten von Brasilien statt. In den Umfragen führt bisher noch Dilma Roussef von der Partei der Arbeiter, die von Präsident Lula als Nachfolgerin auserkoren wurde und die erste Frau in der Präsidentschaft des Landes wäre. Bisher noch etwa 10% zurück in den Umfragen liegt José Serra, der Kandidat der brasilianischen Oligarchie, die Brasilien seit der Erklärung der Republik im Jahr 1889 unter ihrer Knute hatte.

Nun hat wenige Tage vor dem entscheidenden Wahlgang der Papst in Rom eine öffentliche Erklärung an die Bischöfe Brasiliens abgesetzt, in der sie auffordert, „für das Leben“ in den brasilianischen Wahlkampf einzugreifen. Wenn Katholiken von „Leben“ sprechen, dann meinen sie nicht das miserable, das die katholischen Autoritäten seit Jahrhunderten der Mehrheit der Menschen zumuten, sondern sie meinen Embryonen, die nach ihrer Ansicht unter keinen Umständen abgetrieben werden dürfen.

Ist der Mensch einmal geboren, dann gilt die Sorge der katholischen Kirche nicht so sehr dem Überleben des Menschen, was ihre Beteiligung an und Unterstützung von Kriegen belegt, aber vor der Geburt, da muss der Embryo unter allen Umständen erhalten werden nach ihrer Doktrin.

Diese zynische Behandlung des „Lebens“ ist in Brasilien noch Gesetz. Es darf auch bei Vergewaltigung nicht abgetrieben werden, es darf in den ersten drei Monaten nicht abgetrieben werden, es darf auch bei Lebensgefahr der künftigen Mutter nicht abgetrieben werden, ja nicht einmal ein 11-jähriges Mädchen, das hier nach einer Vergewaltigung schwanger wurde, durfte eine Abtreibung bekommen.

Präsident Lula hatte schon einmal erkundet, ob man nicht zumindest in den Extremfällen die Abtreibung straffrei stellen könnte, hat dann aber nach dem Aufschrei der „offiziellen“ Katholiken lieber die Finger davon gelassen.

Es wird schon im ganzen Wahlkampf versucht, dieses Thema zum Hauptthema der Wahl zu machen. Man setzt darauf, dass ein überwiegender Teil der Brasilianer gläubig katholisch ist und dass zusätzlich ein Teil evangelikalen Kirchen und Sekten angehört, die ebenfalls die Abtreibung unter allen Umständen bestraft sehen wollen.

Nicht dass in Brasilien weniger abgetrieben würde als etwa in Deutschland, nur sind hier die Abtreibungen illegal und damit sterben weit mehr Schwangere beim Versuch der Abtreibung, die oft unter prekären Umständen durchgeführt wird, als etwa in Deutschland, wo es eine legale Möglichkeit der Abtreibung gibt.

Doch auch das Leben dieser Mütter kann die katholische Kirche nicht erschüttern. Da wird deutlich, es ging nie und geht nicht um „Leben“, es geht darum, die Macht der Kirche über Gesetze des Staates zu demonstrieren.

Nun wird, unmittelbar vor dem entscheidenden Wahltermin, von allen katholischen Kanzeln gepredigt, man habe als Katholik Serra zu wählen, denn bei Frau Roussef könne man nicht sicher sein, ob sie nicht doch ein Gesetz einbringt, das Abtreibungen bei Vergewaltigung und bei Lebensgefahr für die Mutter von Strafe freistellt.

Am Sonntagabend wird man sehen, ob der Papst wirklich noch einen so grossen Einfluss im grössten katholischen Land der Erde hat, dass er den nächsten Präsidenten bestimmt

Freitag, 1. Oktober 2010

Brasilien: Gegen alle Medien

Am Sonntag wird in Brasilien gewählt

Von Karl Weiss

Das ist ein fast unglaubliches Phänomen: Die Beliebtheit von Präsident Lula in Brasilien ist ungebrochen, obwohl hier alle, wirklich alle Medien ohne Unterlass gegen ihn hetzen. Seit Jahren hat Lula eine Zustimmung von etwa 80% in den Umfragen. Könnte Lula für eine dritte Amtszeit kandidieren, würde er mit einem Rekordergebnis gewählt. Er hat seine „Kanzleramtsministerin“ Dilma Roussef als Kandidatin „der Fortsetzung“ gekürt und sie führt in allen Umfragen zur Wahl. Am Sonntag wird in Brasilien gewählt.

Morales und Lula in Santiago

Seit dem Amtsantritt Lulas vor 7 einhalb Jahren hat die Presse und das Fernsehen in nicht abreißender Folge Korruptionsskandale seiner Partei und seiner Regierung ans Tageslicht gebracht. Gerade jetzt vor der Wahl wurde ein neuer Skandal um die Nachfolgerin von Dilma Roussef als „Kanzleramtsministerin“ (hiesige Bezeichnung "casa civil") aufgedeckt.

Doch Lula bleibt weiterhin beliebt. Ein Präsident am Ende von 2 Amtszeiten mit 80% Zustimmung in der Bevölkerung dürfte einmalig auf der Welt sein.

Chávez und Lula

Die designierte Nachfolgerin wird in Fernsehen und Presse als „Terroristin“ gebrandmarkt, weil sie während der Militärdiktatur in Brasilien in einer Oppositionsgruppe mitarbeitete und alle Diktatoren natürlich jegliche Opposition als „Terrorismus“ denunzieren.

Trotzdem kann Dilma, wie sie hier nur kurz genannt wird, auf fast 50% der Stimmen rechnen, während der Kandidat der brasilianischen Oligarchie, Serra, bei etwa 27% in den Umfragen liegt.

Rio de Janeiro, Zuckerhut und Corcovado von Niteroi aus

Wie ist so etwas möglich. Wie konnten die Medien in Brasilien so an Einfluss verlieren?

Weil das erste Mal in der Geschichte der Republik Brasilien von mehr als 100 Jahren ein Präsident nicht NUR an der persönlichen Bereicherung und der seiner Familie und Freunde gearbeitet hat, sondern auch einige Brosamen für das Volk hat fallen gelassen.

Während die erste Amtszeit noch gemischt mit neoliberalen „Reformen“ war, hat Lula in der zweiten Amtszeit konsequent die Massenkaufkraft gestärkt un d damit einen anhaltenden Boom ausgelöst. Die sozialen Programme wie „Bolsa familia“ (Familien-Stipendium) und andere haben den Ärmsten der Armen in Brasilien zumindest soviel zukommen lassen, dass sie keinen Hunger mehr leiden müssen. Die Erhöhung des Mindestlohn, Jahr für Jahr und immer einen Monat früher, hat zu einer Verdoppelung dieses monatlichen Mindestlohns auf heute 510 Reais (etwa 230 Euro) geführt.

Daraus ergab sich eine Injektion von Millionen von Reais in die Geldbeutel der nicht ganz so Armen. Diese Gelder gehen praktisch vollständig in den Konsum und drücken damit von unten in die Gesellschaft. Das führt zum Anwachsen der vorher kaum vorhandenen Mittelschicht. Auch massive Einstellungen im Staatsdienst und deutliche Lohnerhöhungen für die Staatsbediensteten trugen dazu bei.

Die Opposition und mit ihr der Monopol-Fernsehsender Globo und alle Zeitungen und Magazine spucken Gift und Galle: Die Staatsausgaben seien unverantwortlich aufgebläht, die Staatsquote zu hoch und wie alle die Glaubensbekenntnisse der „Wirtschaftswissenschaften“ noch heißen.

Vergleicht man aber die Staatsverschuldung mit der Deutschen, kommt die Überraschung: In Brasilien ist die Verschuldung nicht höher als die Devisen-Reserven, man ist also praktisch schuldenfrei. In Deutschland dagegen, wo alle Regeln eingehalten wurden, ist die Staatsschuld bereits unbezahlbar geworden.

Brasilien (topographisch)

Die Mittelschicht in Brasilien wird nach Schätzungen von Fachleuten in einer Anzahl von Jahren an die 50 Millionen Menschen herankommen, also die Größenordnung der gesamten Bevölkerung Großbritanniens.

Dazu trug nun auch das Wirtschaftswachstum bei, das im ersten Halbjahr bei 8,8% lag im Vorjahresvergleich, während im Vorjahr noch ein leichtes Minus zu verzeichnen war. Für das ganze Jahr rechnet man mit 7% Wachstum, was selbst für ein Schwellenland sehr hoch ist. Man kann ohne Übertreibung von einem Boom sprechen, was natürlich unter den gegebenen Umständen stark der Bevölkerung zu gute kommt.

Und die Bevölkerung merkt das und lohnt es mit der hohen Zustimmung zum Präsidenten.

Auch wenn 98 von Hundert schweren Problemen Brasiliens weiterhin nicht gelöst sind, erkennen die Menschen die Lösung zumindest zweier Probleme an: Der Hunger und die Staatsverschuldung.

Brasilien ist weiterhin ein Land mit einem praktisch nicht vorhandenen Gesundheitssystem für die breiten Massen, mit einer Rate der Gewalt-Kriminalität mit über 40 000 Toten pro Jahr, mit einer mörderischen Polizei, mit Gefängnissen, die mehr Hölle als sonst etwas sind, mit schwersten Umweltproblemen (Vernichtung des Regenwaldes), mit einem völlig ungelösten Verkehrsproblem, mit Favelas (Slums) in allen Großstädten

Favela in Belo Horizonte

und fast ohne Kläranlagen, aber die Fortschritte sind trotzdem sichtbar für den „kleinen Mann“.

Ein wesentlicher Teil der positiven Zukunftsaussichten für Brasilien kommt aber aus den großen Ölfunden im Meer weit vor der brasilianischen Küste. Die halbstaatliche Petrobras hat soeben die größte Kapitalerhöhung einer Firma aller Zeiten durchgezogen mit etwa 70 Milliarden Euro und konnte alle neuen Aktien problemlos absetzen und am nächsten Tag noch eine Erhöhung des Aktienpreises um 2% feiern.

Logo Petrobras

Diese riesigen Geldsummen braucht die Petrobras für die Erschließung der Ölfelder „Pre-Sal“ über 100 km vor der Küste in 2000 bis 3000 Meter Meerestiefe unter einer Salzschicht von über einem Kilometer Dicke. Die Bohrung und Erschließung solcher Ölfelder ist extrem aufwendig und lohnt sich eigentlich erst mit einem Ölpreis über 90 Dollar pro Barrel, aber die Petrobras ist zuversichtlich, der Ölpreis wird dorthin tendieren.

Speziell ist diese Erschließung weit aufwendiger als im Golf von Mexiko vor der US-Küste, weil dort praktisch keine Sicherheitsvorkehrungen vorgeschrieben sind, wie man an der Katastrophe der BP-Plattform „Deepwater Horizon“ sehen konnte. In Brasilien müssen dagegen die international anerkannten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Heute ist die Petrobras von der Kapitalisierung her die zweitgrößte Firma der Welt, nur hinter der Exxon-Mobil.

Nach Schätzungen der Financial Times Deutschland könnte Brasilien in 15 bis 20 Jahren die fünftgrösste Volkswirtschaft der Erde sein, nur hinter den Vereinigten Staaten, China, Japan und Deutschland.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Was ist ‘CALA BOCA GALVÃO’?

Ein Internet-Ereignis

Von Karl Weiss

Halb Brasilien biegt sich vor Lachen, aber es hat diesmal nicht mit den Fußballweltmeisterschaften zu tun. Die brasilianische Twitter-Seite „CALA BOCA GALVÃO” ist zum internationalen Hit geworden.

Diese Twitter-Seite wurde in Brasilien bei einem Sportereignis so oft angeklickt, dass sie in den internationalen Twitter-Rankings aufschien. Dies wiederum führte dazu, dass in den verschiedensten Ländern, auch in Deutschland, gefragt wurde: „Was ist CALA BOCA GALVÃO“?

Wer in Brasilien lebt, weiß sofort, was mit diesem Titel gemeint ist (Auflösung am Ende des Artikels).

Das führte dann dazu, dass ein paar brasilianische Spaßvögel Videos auf Englisch entwickelten, die alle möglichen Erklärungen für dieses scheinbar so schwierig zu lösendes Rätsel aufboten.

Eine Site entwickelte die Theorie, dies sei ein neuer Song von Lady Gaga.

Die größten Lachsalven ruft aber eine Seite auf Englisch in „You Tube“ hervor, die man unter eben jenem Spruch oder auch unter „Help us save the Galvão Bird“ finden kann.

In diesem Video wird nun behauptet, es gäbe einen Galvão Vogel, der vom Aussterben bedroht sei.
Gezeigt wird aber der kleine grüne Papagei, ein Vogel, der in Brasilien extrem häufig ist. Schwärme von diesem Papagei machen mit ihrem Krächzen einen Heidenkrach und haben schon so manchen hier aus einem wohlverdienten Schlaf geweckt. Selbst hier im Gebiet der Großstadt Belo Horizonte, kommen kleinere Schwärme vor. Der Vogel ist also alles andere als vom Aussterben bedroht.

Dann wird ein Bild von einem Umzug einer Sambaschule im Karneval gezeigt, auf dem die Kostümierten eine Kopfbedeckung mit grünen Federn tragen und behauptet, dieser Gebrauch seiner Federn sei der Grund für das vermeintliche Aussterben des Vogels. Alle in Brasilien wissen natürlich, dass diese Federn gefärbte Straußenfedern sind.

Dann werden Szenen von Drogenhändlern gezeigt und behauptet, die würden zu hohen Preisen die Federn des Galvão Vogels handeln. Schließlich muss auch noch der Film über einen bekannten brasilianischen Spiritisten herhalten, in dem der Schauspieler als Wissenschaftler vorgestellt wird, der angeblich zur Unterstützung der Anstrengungen aufruft, den Galvão-Vogel zu retten. Der wissenschaftliche Name des Vogels sei angeblich ‚Silentium Galvanensis’, was den aufmerksamen Beobachter eigentlich schon stutzig machen müsste.

Schließlich wird dazu aufgerufen, auf die Twitter-Seite von CALA BOCA GALVÃO zu klicken. Jeder Klick würde eine Spende von 10 Centavos für die Rettung des Vogels auslösen.

Tatsächlich kamen so auch eine Menge internationaler Klicks auf diese Seite zustande.

Zugrunde liegt diesem Zwitscher-Ereignis, dass die brasilianische eine der ganz großen Twitter-Gemeinden ist, die nicht das Englische benutzen (immerhin sind es jetzt beinahe 200 Millionen Brasilianer).

Dazu kommt, dass CALA BOCA GALVÃO für jeden außerhalb Brasiliens ein scheinbar unauflösliches Rätsel darstellt. Auch wer spanisch spricht (oder die Portugiesen) und weiß, dass CALA BOCA „Halt den Mund“ oder besser „Halts Maul“ heißt, eröffnet sich nicht, was gemeint ist.

Und nun die Auflösung: Galvão ist der Vorname des brasilianischen Sportreporters Galvão Bueno. Der spricht und kommentiert im fast Monopol-Sender Globo fast alle Sportereignisse, und das seit über 20 Jahren. Bei fast jeder Sportübertragung im Fernsehen muss man sich seine Stimme anhören. Er kann keinen Moment seinen Mund halten und seine Kommentare sind meistens seicht und manchmal auch blöde oder unsinnig, so dass der einigermaßen gebildete Teil der Leute in Brasilien (und das sind ja meistens die mit Internet-Zugang) ihn einfach nicht mehr hören kann. Der Vorname Galvão ist so selten, dass man hier sofort weiß, wer gemeint ist, wenn man den Aufschrei der gequälten Seelen CALA BOCA GALVÃO hört. So kam die Twitter-Seite „Halts Maul, Galvão“ zustande, die dann so viel Unterstützung bekam.


Veröffentlicht am 16. Juni 2010 in der Berliner Umschau. Dort steht auch das beschriebene 'You tube'-Video im Artikel. Link hier rechts


Zusatz zum Artikel (17.6.2010)

Falls jemand das für eine grobe Übertreibung oder einen Scherz hielt, so sehe er sich diesen Artikel der New York Times von gestern an:

http://www.nytimes.com/2010/06/16/nyregion/16about.html?src=mv

Es handelt sich tatsächlich um ein nie vorher gesehenes Phänomen.

Samstag, 20. Februar 2010

Karneval in Rio 2010

Von Karl Weiss

Wie jetzt schon Tradition, wird hier auch in diesem Jahr wieder eine Auswahl der heissesten Fotos vom Karneval in Rio in das Blog gestellt, in diesem Jahr auch einige vom Karneval in Sao Paulo, der es inzwischen schon fast mit dem von Rio aufnehmen kann.

Das ist kein Kostüm, sondern Bemalung

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Montag, 5. Oktober 2009

Olympische Spiele nach Rio de Janeiro

2016 zum ersten Mal in Südamerika

Von Karl Weiss

„Ein kleiner Schritt für das IOC, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit“: Rio de Janeiro wurde als Ausrichter der Olympischen Spiele im Jahre 2016 gewählt. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit wurden sie an ein Entwicklungsland vergeben (nach Mexiko Stadt 1968), zum ersten Mal an eine Stadt in den Tropen und zum ersten Mal an eine Stadt in Südamerika. Rio de Janeiro und ganz Brasilien jubeln.

Rio de Janeiro, Zuckerhut und Corcovado von Niteroi aus

Als vor zwei Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 an Brasilien vergeben wurde, war der Jubel hier sehr gedämpft. Zum einen gab es überhaupt keinen Gegenkandidaten und die Wahl war eigentlich bereits vorher entschieden, aber zum anderen war es eben sowieso Tradition, dass die WM abwechselnd in Europa und Amerika ausgetragen wird, nur unterbrochen von der WM 2002 in Japan und Südkorea und nun nächstes Jahr von der in Südafrika. Im Fußball kommen ja die führenden Nationen aus Europa und Südamerika. Es gab bereits zweimal eine WM in Mexiko, eine in Argentinien, eine in Brasilien, eine in Chile und eine (die erste) in Uruguay.

Mit den olympischen Spielen war dies immer ganz anders. Sie waren von Anfang an eine fast reine Elite-Veranstaltung, nur vorgesehen für den Teil der Menschheit, der reicher ist, weil man Jahrhunderte lang die anderen Länder ausgebeutet hat (und dies weiterhin tut). Sie waren von Anfang an fast ausschließlich als Leuchtzeichen des höheren Ruhmes jener Länder vorgesehen, die sich als „natürlich überlegen“ ansehen und die überwiegend von Menschen der angeblich weißen Rasse bewohnt sind, wobei man Japan (Tokio 1964) und dann später Süd-Korea (1988 Seoul) noch gnädig in diesen Klub aufnahm.

Brasilien (topographisch)

Zwar war die Vergabe an China für die Spiele im letzten Jahr schon eine Neuerung, aber China kann eben heute nicht mehr wirklich als ein Entwicklungsland angesehen werden. Außerdem macht die chinesische Bevölkerung inzwischen einen so großen Teil der Menschheit aus, dass man dies Land wirklich nicht mehr beiseite lassen konnte.

Auch war nicht zu vermeiden, dass sich immer mehr Sportler aus „exotischen“ Ländern beteiligten, wenn auch in der Regel unter ‚ferner liefen’. Ja, man war auch keineswegs abgeneigt, in Länder zu gehen mit den Olympischen Spielen, die weit von den „weißen Zentren“ entfernt liegen (von Europa und den USA), aber eben nur dann, wenn die oben erwähnten Kriterien erfüllt sind: Bereits zwei Mal wurden die Spiele nach Australien vergeben, Melbourne 1956 und Sydney 2000. Demnächst wäre wohl Neuseeland drangekommen.

Rio de Janeiro Botanischer Garten 1

Aber allein die Vorstellung, so etwas glorreiches wie die Olympischen Spiele könnten ihren Namen beschmutzt sehen durch Veranstaltungsorte wie, sagen wir, Lagos, Jakarta, Kairo oder eben Rio de Janeiro (es sind hier Haupt- bzw. große Städte einiger der bevölkerungsreichsten Länder der Erde aufgezählt), lässt einen schon schaudern.

Nun aber wurde das Tabu gebrochen. Es wird wieder – nach 48 Jahren - Olympische Spiele in einem Entwicklungsland geben, noch dazu in einem mit einer Bevölkerungsmehrheit dunkler Hautfarbe.

Natürlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Rio de Janeiro diesen Durchbruch schaffte. Zum einen wurden alle IOC-Mitglieder dorthin eingeladen und durften einen Rundflug über den landschaftlichen Schönheiten der Stadt am Meer machen. Rio dürfte wohl die landschaftlich schönst gelegene Stadt der Erde sein. Man brachte die IOC-Mitglieder in einem Hotel direkt am Strand Copacabana unter, was typischerweise eine aphrodisische Wirkung auf den normalen Mitteleuropäer hat (der Bürgerjournalist weiß, wovon er spricht).

Karneval in Rio 2009 - 8

Und dann, der Kongress der Auswahl in Kopenhagen: Rio de Janeiro war zusammen mit Chicago, Tokio und Madrid in die Ausscheidung gekommen. Als bekannt wurde, dass Präsident Obama und Ophrah Winfrey sich persönlich nach Kopenhagen bemühten, um für Chicago zu werben, war allgemein klar, wer gewinnen würde – zumal beim letzten Mal – welche Überraschung – London gewählt worden war, das nun bereits zum dritten Mal Olympische Spiele austragen wird. Die „Süddeutsche“ hatte am Tag der Entscheidung (2.10.) bereits einen Artikel mit einem Bild von Obama online, der auf die Wahl aufmerksam machte und die Favoritenstellung Chicagos hervorhob. Als dann Rio als Sieger bekannt gegeben wurde, brauchte man zwei Stunden, um mehr als die schnöde Entscheidung ins Internet zu stellen.

Sowohl in der Berichterstattung über die Kandidaten als auch in jener nach dem Sieg Rios wird immer wieder hervorgehoben, dass es Slums (hier Favelas genannt) in Rio gibt und dass diese im Bewerbungsfilm nicht gezeigt wurden. Ebenso wird auf die hohe Kriminalität in Brasilien hingewiesen.

Karneval in Rio 2009 - 7

Urkomischerweise war von alledem nicht die Rede, wenn Chicago vorgestellt wurde. Der Bürgerjournalist hat bereits in Chicago und in Rio gewohnt und kann dem Beobachter versichern: Der Anteil von Slum-Vierteln am Stadtgebiet von Chicago ist mindestens so groß wie in Rio de Janeiro (was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Mittelklasse dort in einem Ring kleinerer Städte außen herum wohnt), ja, Süd-Chicago ist als schwarzes und Slum-Viertel berühmt. Die Kriminalität, auch das kann versichert werden, ist extrem hoch, was schon dazu geführt hat, dass fast 1% der US-Bürger in Gefängnissen sind. In vielen Jahren in Brasilien wurde der Bürgerjournalist nie überfallen, wurde aber in den USA bei weit kürzerem Aufenthalt bereits mit einem bewaffneten Raubüberfall überzogen. Und nun raten Sie einmal, ob Chicago Slums in seinem Bewerbungsfilm gezeigt hat.

Kurz: Die „Sonderbehandlung“, mit der „Qualitäts“-Medien die Entwicklungsländer behandeln, wird auch in diesem Moment deutlich, in dem sie gerade ein Stück weit überwunden wird.

Karneval Rio 2009 24

Übrigens haben Chicago und Rio de Janeiro auch noch eine andere negative Parallele: Beide Städte haben fast keine Kläranlage für die Abwässer. Rio leitet die Abwässer fast vollständig in die Guanabara-Bucht, die Teil des Stadtgebiets ist und dadurch an vielen Stellen schon schwarz und stinkend geworden ist. Man hat aber zugesichert, dies würde bis 2016 überwunden sein. Das wird auch nötig sein, denn in dieser Bucht sollen die Segelwettbewerbe stattfinden. Chicago hat mit einem Trick verhindert, dass der große Michigan-See, an dem die Stadt liegt, das gleiche Schicksal erfährt: Der Ausfluss des Chicago-Rivers, der genau durch das Zentrum der Stadt fließt, in den See wurde mit doppelten Sperrwerken geblockt und man grub einen Verbindungskanal ins Binnenland bis zum Mississippi, in den nun die Wasser des Flusses und die Abwässer Chicagos fließen. Die Anlieger des Mississippi danken es.

Augenzeugen aus Kopenhagen berichten, die Wahl sei aber nicht zuletzt durch den brasilianischen Präsidenten Lula entschieden worden, der eine überzeugende Rede zu Gunsten Rios hielt, die „Süddeutsche“ hält die Rede sogar für „begeisternd“. Sie soll deutlich besser als die Obamas gewesen sein. Und Obama wurde bereits als der beste Redner seit Menschengedenken bezeichnet. Auch der weltweit geschätzte Pelé hatte sich intensiv und bei allen IOC-Mitgliedern für Rio eingesetzt und weinte ebenso wie Lula vor Freude, nachdem die Entscheidung bekannt gegeben war (in Brasilien dürfen Männer weinen - wie wärs, wenn wir das auch einmal einführten).

Karneval in Rio 2009 - 6

Präsident Lula dürfe nun in seiner Popularität neue Rekorde erreichen. Die Letzte Zahl war 84% Zustimmung, das ist die höchste Zustimmung, die je von einem Meinungsbefragungsinstitut in irgendeinem Land für den Regierungschef ermittelt wurde.

Auch aus Argentinien und anderen Südamerikanischen Ländern wurde Begeisterung gemeldet. Ebenso haben einige afrikanische Länder besonders herzlich gratuliert. Das Signal ist angekommen. Lula drückte das so aus: „Nun sind wir auch Erdenbürger 1. Klasse.“

Corcovado von Botafogo aus

Zweifellos wird es bei den Olympischen Spielen 2016 einige Pannen geben – so wie meist bei einem so großen Sportereignis. Aber Rio wird mit Sicherheit nicht den Rekord an schlechter Organisation übertreffen, den Atlanta 1996 aufstellte.


Veröffentlicht am 5. Oktober 2009 in der Berliner Umschau

In derOriginalveröffentlichung http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=05102009ArtikelSportWeiss
sind auch zwei offizielle Videos der Bewerbung Rios eingestellt. Die erste ist der offizielle Bewerbungsfilm und die zweite ein Darstellung, wie Rio die Atlethen und Besucher aus allen Ländern empfangen will.

Zusatz zum Artikel

Hier in Brasilien wird in Zeitungen und im Fernsehen kolportiert, die eigentlich aussichtsreichste Kandidatur Chikagos sei gescheitert an den Einreise-Komplikationen und -sperren in de USA.

Die IOC-Mitglieder hätten am eigenen Leib gespürt, dass die Einreise mit dem Flugzeug zu stundenlangen Wartezeiten und Prozeduren führt, dass auch intimste, persönliche Dinge preisgegeben werden müssen, dass man mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wird, die einen nackt am Bildschirm zeigen, dass man gar nicht ins Flugzeug kommt, wenn man nicht wusste, dass man mehrere Tage zuvor eine Erklärung abgeben muss, dass für fast alle Besucher aus dem Ausland Visa-Pflicht gilt, dass diese Visa oft ohne Angabe von Gründen verweigert werden, dass weder für die IOC-Mitglieder selbst noch für die Athleten noch für Olympiabesucher oder Fachjournalisten Ausnahmen gemacht wurden bzw. werden sollten und dass keinerlei Zusicherungen gegeben wurden, dass Athleten aus arabischen Ländern, aus dem Iran, Afghanistan, Pakistan und einigen anderen Ländern teilnehmen können. Auch wurde keinerlei Verpflichtung übernommen, Jornalisten aus allen Ländern einreisen zu lassen.

Die Terroristen-Hysterie in den USA ist so manisch, dass nach entsprechenden Regeln praktisch keine wesentlichen Sportereignisse dort mehr stattfinden können.

Mittwoch, 9. September 2009

Brasilien wasserstoffbombenfähig?

Atomenergie-Behörde AEIA alarmiert

Von Karl Weiss

Völlig unbeachtet durch die Weltöffentlichkeit hat Brasilien aus eigener Kraft die Fähigkeit gewonnen, Atombomben und Wasserstoffbomben zu bauen. Einem Physiker ist es gelungen, die dazu nötigen Berechnungen zu entwickeln und alle Rohstoffe und Technologien hat man sowieso im Land.

Während die Weltöffentlichkeit auf Geheiß des US-Imperialismus wie gebannt nach dem Iran guckt, der nach Einschätzung der Internationalen Atom-Behörde (Atomic Energy International Agency, AEIA) überhaupt keine Kernwaffen entwickelt, hat sich still und heimlich Brasilien von hinten an den Besitz solcher Waffen herangepirscht.

Rio de Janeiro, Zuckerhut und Corcovado von Niteroi aus

Zu Zeiten des Militärregimes von US-Gnaden von 1964 bis 1988 wurde in Brasilien heftig an der eigenen Atombombe gearbeitet. Die Arbeiten waren so weit fortgeschritten, dass bereits ein mehrere hundert Meter tiefes Loch in einer abgelegenen Gegend im Norden Brasiliens gebohrt worden war, in dem die erste Versuchsexplosion stattfinden sollte. Allerdings war die ganze Technologie von den USA geliefert worden.

In der neuen Verfassung Brasiliens, nach der Militärdiktatur, die 1988 in Kraft gesetzt wurde, steht eindeutig, dass Brasilien auf atomare Bewaffnung verzichtet. Auch hat sich Brasilien zusammen mit den anderen lateinamerikanischen Ländern verpflichtet, keine Atomwaffen zu bauen.

Da es aber zwei Atomkraftwerke gibt in Brasilien und ein drittes in Bau ist und da in Brasilien recht interessante Uranvorkommen liegen, war es nur natürlich, dass man sich um eine eigene Urananreicherung gekümmert hat, was den Atomstrom extrem günstig macht. Dabei wird in Brasilien natürlich genauso wie in Deutschland einfach nicht mitgerechnet, was die sichere Aufbewahrung und Aufarbeitung der strahlenden Abfälle kostet – ganz zu schweigen von den Risiken von Unfällen.



Seit 2007 hat man nun eine eigene Urananreicherung in Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro. Nach brasilianischen Angaben wurde dazu nicht einfach die Zentrifugentechnik von den USA gekauft, sondern man hat eine eigene Technik entwickelt, die jener der Vereinigten Staaten überlegen sein soll. Das ist auch der Grund, weswegen die Brasilianer die AEIA nicht in die Anreicherung selbst hineinlassen, denn sie sagen, fast alle Inspekteure sind US-Amerikaner und man fürchte, die USA würde dann bald heimlich die brasilianische Technik imitieren. Man sagt, man lässt die Behörde kontrollieren, was vorne reingeht und was hinten rauskommt und das würde zur Kontrolle ausreichen.

Zähneknirschend musste die USA das anerkennen, denn man wollte nicht die Aufmerksamkeit von jenem Thema abgelenkt sehen, auf das es ankam: Der Iran.

Wie baut man Atom- und Wasserstoffbomben? Das kann man in Physikbüchern nachlesen – im allgemeinen: Man reichert Uran 235 im Uran bis über 70% an, nimmt zwei Mal ein halbes Kilo davon und sprengt die beiden halben Kilos mit einer kleinen Sprengladung zusammen: Buuum. Für eine Wasserstoffbombe braucht man außen herum um die Atombombe noch eine gute Menge schweres Wasser: Ka –boom.

Nur liegt, wie meistens, das Problem im Detail. Ohne bestimmte zusätzliche Kenntnisse, die man nicht so einfach erwerben kann, funktioniert es nicht oder jedenfalls nicht kontrolliert. Diese zusätzlichen Kenntnisse nennt man die Atomgeheimnisse. Die Atommächte verpflichteten sich, diese Atomgeheimnisse geheim zu halten, an was sich die Vereinigten Staaten aber nicht hielten.

Wie im einzelnen diese Kenntnisse an die Türkei, an Pakistan, an Israel, an Nord-Korea und wahrscheinlich auch an Libyen und den Iran gelangten, darüber kann man in diesen Artikeln nachlesen: „Die Türkei-Connection, Teil 1“, „Die Türkei-Connection, Teil 2“, „Die Tinner-Connection, Teil 1“, „Die Tinner-Connection, Teil 2“.

Nun kann man diese Atomgeheimnisse natürlich auch selbst herausfinden, wie dies damals die Sowjetunion und später China fertiggebracht haben, als sie noch sozialistisch waren.

Was nun geschehen ist: In Brasilien hat man eines der wichtigsten Atomgeheimnisse selbst herausgefunden. Der Physiker Dalton Ellery Girão Barroso hat seine Doktorarbeit über das Thema „Numerische Simulation von thermonuklearen Detonationen in Hybrid-Spaltungs-/Fusions-Medien, die durch Strahlung implodieren“ gemacht und veröffentlicht. Auf dieser Grundlage hat er auch ein Buch mit dem Titel „Die Physik der Kernwaffen“ herausgebracht. Als der Inhalt des Buches, das frei zum Verkauf stand, bekannt wurde, begann das große Geschrei.

Die AEIA wurde aufmerksam und verlangte sofort die Entfernung des Buches aus dem Handel und das Vernichten aller Exemplare.

Barroso hat diese Arbeit am „Militärischen Ingenieur-Institut der Armee“ in Rio de Janeiro entwickelt. Es entstand der Verdacht, die brasilianische Armee habe ein geheimes Atomwaffenprogramm im Widerspruch zur Verfassung des Landes. Dieser Vorwurf konnte bisher weder bestätigt noch ausgeräumt werden.
Die ganze Affäre wurde zunächst geheimgehalten – sie schwelt schon seit April – kam aber dann durch eine Indiskretion an die brasilianische Zeitung ‚Journal do Brasil’. Diese Zeitung berichtet von einer Auseinandersetzung der beiden Minister Celso Amorim (Außenminister) und Nelson Jobim (Verteidigung) hierüber.

Das Verteidigungsministerium argumentiert, es handele sich um eine Arbeit der theoretischen Physik, durch keine Experimente mit strahlendem Material fundiert. Das Außenministerium muss sich den Verdächtigungen der AEIA stellen. Das Buch soll bis heute noch nicht zurückgezogen worden sein.

Nach der Veröffentlichung in der Zeitung verweigern alle Beteiligten jeglichen Kommentar. Der Physiker selbst gibt seine Meinung zum besten: „Man braucht die Bombe nicht zu bauen. Es reicht, wenn man zeigt, man kann es.“

Veröffentlicht am 8. September 2009 in der Berliner Umschau

Mittwoch, 17. Juni 2009

Jetzt hat die Regenwaldvernichtung Gesichter

Neues brasilianisches Gesetz erlaubt Abholzen und Abbrennen

Von Karl Weiss

Wenn in einigen Jahrzehnten einmal feststehen wird, dass die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes mit entscheidend zu der Situation beigetragen hat, die ein Überleben der Menschheit, wie wir sie kennen, unmöglich machen wird, so könnte eventuell der Juni 2009 als einer der entscheidenden Meilensteine auf diesem Weg hervorgehoben und die Namen der jetzigen Brasilianischen Präsidenten Lula und der Brasilianischen Senatorin Abreu als Hauptverantwortliche genannt werden.

Regenwald-Abholzung Brasilien

In Brasilien wird im Moment gerade ein Gesetz beraten, das allen Landbesetzern im Amazonas-Gebiet, die sich Staatsland angeeignet haben und dabei auf keinen Widerstand gestoßen sind, die Besitzrechte auf dieses Land zuschreibt und gleichzeitig bis zu 40% des Landes zum Abbrennen oder Abholzen freigibt.

Das Gesetz wurde in einer ersten Version in die beiden Kammern eingebracht und im Senat leicht verändert, aber die wichtigen Eckpunkte sind geblieben. Präsident Lula hat das Gesetz eingebracht und gleichzeitig die Vertreterin der brasilianischen herrschenden Schicht von (hauptsächlich) Großgrundbesitzern, die Senatorin Kátia Abreu, zur Sprecherin für dieses Gesetz ernannt, was in der Regel noch weitere Verschlechterungen des Gesetzestextes verursacht.

Brasilianische Senatorin Kátia Abreu

Im Amazonasgebiet sind große Teile des Landes im Staatsbesitz. Interessierte an solchen Ländereien, sei es zur Viehzucht, sei es zur Edelholzgewinnung, eignen sich solche Gebiete an und werden daran in der Regel nicht gehindert, weil die Brasilianische Bundesregierung ebenso wenig wie die Landesregierungen der Amazonas-Staaten mit Polizei oder Truppen gegen solche Inbesitznahmen vorgeht. Das hat daher eine Bedeutung, weil nach einem Brasilianischen Gesetz alle, die einen gültigen Rechtstitel auf Land im Amazonasbecken haben, das Recht haben, 40% davon abzuholzen oder abzubrennen.

Chávez und Lula
Hier sei noch angemerkt, dass Venezuela ebenfalls einen grossen Bereich von Regenwald hat, wo mit gleicher Geschwindigkeit abgeholzt und abgebrannt wird wie in Brasilien

Wird also jetzt mit dem neuen Gesetz diese illegale Inbesitznahme nachträglich legitimiert, ist eine weitere Beschleunigung der sowieso schon beängstigend schnellen Abholzung der Regenwälder im Amazonasgebiet vorgezeichnet – und vor allem dann völlig legal.

Wenn in einigen Jahrzehnten, eventuell schon im Jahr 2030, vom Amazonasregenwald nur noch unzusammenhängende Stücke vorhanden sein werden, wird auch der Rest schnell verschwinden, weil dann die vom Wald selbst verursachten häufigen Niederschläge ausbleiben werden, die ihm den Namen Regenwald gegeben haben. Innerhalb von Jahren kann das Gebiet dann zu einer Steppe bzw. Wüste werden.

Damit würde soviel zusätzliches CO2 in die Erdatmosphäre kommen, dass die schon begonnene Klimakatastrophe mit hoher Wahrscheinlichkeit unumkehrbar wäre. Damit wäre das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen, eingeleitet.

Brasilien: Soja-Pflanzungen auf Regenwald-Gelände

Angesichts der Rolle als Einpeitscherin der Großagrarier, die hauptverantwortlich für die Regenwaldvernichtung sind, ist es zynisch, dass Frau Abreu die Regierung Lula anklagt, keine Umweltpolitik zu haben. Sie hat vollständig recht damit, kocht aber eben gerade ihre Süppchen auf diesem Fakt.

Nachdem die zuständige Ministerin Marina Silva vor wenigen Monaten spektakulär zurückgetreten war, wird nun zum zweiten Mal in kurzer Zeit deutlich: Die Regierung Lula tut in Wirklichkeit nichts gegen die Vernichtung des Regenwaldes im Amazonasgebiet, trotz gegenteiliger Beteuerungen – im Gegenteil, sie ist in diese Vernichtung selbst involviert.


Veröffentlicht am 17. Juni 2009 in der Berliner Umschau

Dienstag, 19. Mai 2009

Brasilien wird Erdöl-Nation

2009 wird voraussichtlich Rekordjahr 2008 wiederholen

Von Karl Weiss

Gerade erst am 1. Mai dieses Jahres hatte Präsident Lula in einer kleinen Feierstunde das erste Erdöl aus dem „Pre-Sal“ vor der brasilianischen Küste in die Leitung strömen lassen, schon kommt bereits die dritte Meldung über ein neu gefundenes Ölfeld in der Bucht von Santos seit Februar 2009.

Chávez und Lula

Der spanisch-argentinische Ölkonzern Repsol hat eine Anzahl von Lizenzen zur Erforschung nach Ölhaltigkeit für Gebiete vor der brasilianischen Küste erworben, die er zusammen mit der brasilianischen Petrobras und anderen betreibt. Im Februar hatte Repsol bereits Ölfunde in den Feldern „Piracucá“ und „Iguaçú“, beide vor der Küste von Santos, bekannt gegeben. Jetzt kommt der neue Fund dazu. Damit sind in den dortigen Feldern nun bereits 6 Bohrungen fündig geworden

Der neue Fund, bekannt geworden am 11. Mai, erhielt den Namen Panoramix und wurde in nur 170 Meter Wassertiefe erschlossen, was die Ausbeutung beachtlich erleichtert und mit einer fest auf dem Meeresgrund verankerten Plattform ausgebeutet werden kann. Allerdings wird dort auch nur eine Ausbeute von etwa 400.000 Kubikmetern Erdgas pro Tag und von etwa 1.500.000 Barril (Fässer) Erdöl täglich erwartet – das ist mittlere Grösse.

Brasilien hat seit letztem Jahr angefangen, auch das Erdgas aus den Ölfeldern zu nutzen und nicht mehr abzufackeln. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll der gesamte Bedarf von Erdgas aus eigenen Quellen gewonnen werden, was Brasilien vom bolivianischen Erdgas unabhängig macht.

Erdöl 1

Auch die im Kern bereits beschlossene, aber nie zur Realisierung gebrachte grosse Erdgasleitung von Venezuela bis in den Südosten Brasiliens (und weiter nach Argentinien) könnte überflüssig werden.

Die wirklich bedeutenden der brasilianischen Ölfunde sind allerdings die im „Pre-Sal“ („Vor Salz“). Im Geologen-Chinesisch drückt das aus: Unter dem Salz.

In verschiedenen Teilen der Weltmeere gibt es Kilometer unter dem Meeresgrund dicke Salzschichten. In vielen Fällen befinden sich noch einmal einen halben oder ein Kilometer darunter Erdölfelder. So ist es mit einer der grössten Ansammlungen von grösseren Ölfeldern, das je gefunden wurde, das sich im Abstand von über hundert Kilometer vor der brasilianischen Küste von Gebieten vor dem Staat São Paulo bis nach Norden in Gebiete vor dem Staat Bahia hinzieht. Sie liegen 5 bis 6 Kilometer unter der Wasseroberfläche und in Wassertiefen von etwa 4 Kilometer. Solche Felder waren bisher nicht zugänglich. Die in Brasilien von verschiedenen, auch ausländischen, Gruppen entwickelte Technik des Bohrens und Förderns von schwimmenden Plattformen aus macht es nun erstmals möglich, solche „Pre Sal“-Ölfelder auszubeuten.

Wirtschaftsmacht China

Es soll bis zum Jahr 2020 an etwa 15 verschiedene Stellen eine Ausbeutung dieser Ölfelder geben. Die Investitionen dafür sind gewaltig und können nicht allein von der Petrobras und dem brasilianischen Staat aufgebracht werden. Es wurden bereits Verträge über Milliarden-Investitionen mit China geschlossen, das später in Erdöl bezahlt werden soll.

Wenn all dies verwirklicht ist, kann Brasilien zu einem der ganz grossen Erdölexporteure werden, in etwa in der Grössenordnung des Iran.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Brasiliens Brutto-Inlandsprodukt zu etwa 75 % aus internem Konsum besteht. Das hat auch dazu geführt, dass Brasilien weit weniger von der derzeitigen Welt-Wirtschaftskrise betroffen ist als die meisten Industrieländer. Voraussichtlich wird Brasilien im Jahr 2009 ein Null-Wachstum aufweisen. Das bedeutet aber, dass sich das Rekordjahr 2008 wiederholen wird.

Erdöl

Auch als grosser Erdölexporteur wird also Brasilien nicht zu einem extrem von Exporten abhängigen Land werden - wie Deutschland es war und deshalb jetzt besonders leidet – oder wie es andere Entwicklungsländer zu völlig vom Erdölkonsum und –preis abhängigen Nationen macht, wie Venezuela, Nigeria oder den Iran.

Im Moment muss Brasilien noch heftige Mengen von Diesel importieren, weil ein grosser Teil der in Brasilien bisher gefundenen Erdölqualitäten extrem dickflüssig ist und von brasilianischen Raffinerien nicht verarbeitet werden kann. Ausser durch den Bau einer neuen grossen Raffinerie versucht Brasilien dies Problem durch Beimischen von Biodiesel zu bekämpfen. Heute hat bereits der gesamte in Brasilien verbrauchte Diesel-Kraftstoff 5% Bio-Diesel beigemischt.

Brasilien (topographisch)

Der Export von Erdöl dagegen ist bisher nur gering, aber offiziell gilt Brasilien bereits als Erdöl-autark. In brasilianischen Reais ergibt sich aber im Moment noch ein Defizit.

Wenn Russland und/oder Italien nicht aufpassen, wird Brasilien sie im Brutto-Inlandsprodukt überholen.


Veröffentlicht am 19. Mai 2009 in der Berliner Umschau

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