Sonntag, 17. September 2006

Fällt die Supermacht aus der Umlaufbahn?

Überlegungen des kritischen US-Journalisten Tom Engelhard

Gefunden und in wesentlichen Teilen übersetzt von Elmar Getto

Hier wieder ein anderes Thema, die Gefährdung dr Supermachtstellung der USA. Elmar zeigt ein weiteres Mal, daß er besonders weitsichtige Artikel im englischsprachigen Raum zu finden und übersetzen versteht. Ursprünglich veröffentlicht in "RBI-Aktuell" vom 11. Mai 2005.

Ein interessanter Artikel aus der ‚Asia Times’, Hongkong: „Out of Superpower orbit”. Tom Engelhard ist der Leiter der Website Tomdispatch.com des 'Nation Institute' in der USA und einer der Gründer des „American Empire Project“. Rbi-aktuell dokumentiert hier Auszüge aus dem Artikel in einer Übersetzung unseres Autors. Sind wir Zeugen des Beginns des Sturzes der einzigen verbliebene Supermacht aus ihrer Umlaufbahn?

„Eine dritte Begrenzung der [US-]Macht [neben denen der russischen Öl- und Gasreserven und der russischen Interkontinentalraketen mit Atomwaffen] kommt erst jetzt in Sicht: Der Anfang der Bildung von regionalen Machtblöcken (nicht notwendigerweise militärischer Natur), die sich den verschiedensten Zielen der einzigen Supermacht widersetzen.

Während Groß-Europa, noch im Aufbau, einer davon ist und einige Kombinationen in Groß-Asien andere sind (so wie kürzlich aufgezeigt durch das überraschende, wenn auch noch schüchterne Einverständnis zwischen Indien und China so wie auch durch die zerbrechliche Allianz zwischen Russland und China, schon im früh-militärischen Stadium), so liegt der wohl am wenigsten erwartete dieser Blöcke viel näher dem Zuhause, der Block, der aus einem wachsenden Zahl von linkslastigen Demokratien in Lateinamerika besteht, die entschlossen sind, ihre eigenen kollektiven Interessen zu verfolgen, unabhängig davon, was auch immer die Bush Administration im Sinn hat.(...)

Der Washingtoner Insider-Report Nelson (...) betonte letzthin wiederholt, daß die ganze Konzentration der Politik der Bush-Administration auf dem Nahen Osten liegt und weiterhin liegen wird. Condolezza Rice ( ...) machte so auch in einem kürzlichen Interview (...) klar, daß man die ganze Verantwortung, mit dem Problem Nord-Korea fertig zu werden, freundlicherweise den Chinesen überläßt.

Der Irak-Krieg hat den Nahen Osten in zunehmendem Maße unstabiler gemacht. Der Ölpreis steigt. Der Dollar beginnt zu wackeln. Das US-Militär wäre verzweifelt überbeansprucht, wenn nicht unfähig, irgend eine andere weltweite Herausforderung anzunehmen. Kein Wunder, daß der Präsident kürzlich die Hand des saudi–arabischen Kronprinz Abdullah (...) fast nicht mehr loslassen wollte. Er braucht Hilfe, von wo er sie bekommen kann.(...)

Dies hat, auf der anderen Seite, einen respektablen Raum geschaffen für Experimente und Änderungen, vor allem gleich vor der Haustür der siegreichen Supermacht, einen Raum, den der venezuelanische Präsident Hugo Chávez zu nutzen began mit allem, über was er verfügt. (…) [Er ist] jene Art von Figuren, mit denen die [US-]Administration früher kurzen Prozess machte.(...)

Aber Chávez, der über die drittgrösste US-Einfuhrmenge von Rohöl verfügt (etwa 15% aller unserer [der USA] Importe, etwa so viel wie Saudi-Arabien) hat in den letzten Monaten folgendes fertiggebracht.

Er hat zwei große Energie[Öl]-Abkommen mit der Super-Konkurrenz China und mit dem superverhaßten Iran abgeschlossen (Hey, das war unsere Energie!), er hat eine, wenn auch informale, ökonomische Allianz mit dem super-gehaßten kubanischen Führer Fidel Castro abgeschlossen, ein Schlag ins Gesicht [der Supermacht], als Teil des Versuches, eine Alternative zur von den US befürworteteten Amerikanischen Freihandelszone zu schaffen, von der Kuba ausgeschlossen wäre, er hat Waffen von Rußland und Spanien gekauft, er hat gedroht, den Ölhahn zuzudrehen, falls seine Regierung von Washington bedroht oder blockiert werden sollte und schließlichhat er letzte Woche – in einer letzten Beleidigung für die Bush-Administration ( für die Aussenpolitik und Militärpolitik fast dasselbe sind) – das US-Militär aus Venezuela hinausgeschmissen.

Daß dies ohne irgendwelche sichtbaren Gegenmaßnahmen geschah, ist ein gewisser Meilenstein.(...)Die Amerikas fallen [von den USA] ab.

Die anwachsenden Auseinandersetzungen mit Venezuela sind sogar nur die Spitze des Eisbergs in Bezug auf den Kontinent. Gerade letzte Woche zum Beispiel, als Frau Rice Lateinamerika besuchte und intensive Lobby betrieb, wählte die OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) den chilenischen Sozialisten und Innenminister Jose Miguel Insulza zum Generalsekretär der Organisation, den Kandidaten, gegen den sie bis zur letzten Sekunde Lobby betrieben hatte. „Das ist das erste Mal in der Geschichte der Organisation,“ berichtet Larry Rother von der New York Times, „daß ein Kandidat, der zunächst von den USA nicht akzeptiert worden war, die Regional-Gruppe mit 34 Mitgliedern führen wird.“ Insulza „hat nicht nur Schritte befürwortet, Kuba in die Organisation zurückzubringen, sondern wurde auch von Herrn Chávez unterstützt.“ Das kann man ein Signal für sich ändernde Zeiten nennen.(...)

Im März … auf einer Pressekonferenz [in Brasilien] stellte [Donald] Rumsfeld die Notwendigkeit für Venezuela in Frage, 100.000 AK-47-Gewehre von Rußland zu kaufen (...). Die Antwort des brasilianischen [Vize-Präsidenten und] Verteidigungsminister José Alencar (...) läßt sich aus der Diplomaten-Sprache so übersetzen: Rudere zurück, Don[ald].(...)

Raus aus der imperialen Umlaufbahn
Zieht man all dies in Betracht [die Souveränität, mit der die US-Regierungen in der Vergangenheit in ihrem Hinterhof Lateinamerika Regimes gestürzt und eingesetzt haben], ist es bemerkenswert, was die Bush-Regierung heute in ihrem eigenen Hinterhof nicht bewerkstelligen kann. Sie kann Kuba nicht vollständig isolieren, sie kann keine ‚Koalition der Willigen’ gegen Venezuela zusammenbasteln, sie kann eine Reihe von Ländern der Region nicht daran hindern, Energie-[Öl-] Geschäfte der einen oder anderen Art mit China, Iran, Indien und anderen potentiellen Konkurrenten um die Energie abzuschließen. (...)

Auf keinem anderen Gebiet war die Bush-Regierung vielleicht weniger erfolgreich als in den Beziehungen zwischen den Militärs der USA und anderer Länder, die als ausschlaggebend für ihre Pläne angesehen werden. Ein Teil davon beruht zweifellos auf ihrem einseitigen ‚Tunnelblick’. Um US-Soldaten vor jeder möglichen strafrechtlichen Anklage zu bewahren, hat sie das Gesetz über „Service Members Protection“ (ASPA) durch den Kongress gejagt. Es verbietet US-Sicherheits- Hilfsfonds und fast jede militärische Kooperation mit Ländern, die nicht den von der UNO geschaffenen Strafrechtsgerichtshof (ICC) ablehnen oder einen bilateralen Vertrag mit den USA über Immunität abschließen. (...)

Wie die Dinge sind, befinden sich 11 der Länder, die den ICC ratifiziert haben und sich geweigert haben, dem US-Militär generell Amnestie zu gewähren, in Lateinamerika. Ein weiteres Zeichen der Zeit. (...)

Alle größeren Länder Südamerikas, mit Ausnahme von Kolumbien und Argentinien, stehen auf der ASPA-Schwarzen Liste. (...) Die Zahl der Offiziere aus diesen Ländern, die in den USA ausgebildet werden, sank von 700 auf annähernd Null. (...)

Der von den USA nach dem ASPA-Gesetz offen gelassene Raum wird in zunehmendem Maße von China gefüllt.(...)

Es war einmal - vor Zeiten, als eine US-Regierung mit solchen Revolten umzugehen gewußt hätte [die Revolte gegen den equadorianischen US-freundlichen Präsidenten, die zu dessen Absetzung führte und die Massendemonstration in Mexico City für den US-kritischen Oppositionspolitiker Lopez Obrador, die dazu führte, dass der populäre Politiker für die Wahlen im nächsten Jahr zugelassen werden mußte], unter Benutzung des CIA, der Beziehungen zwischen den Militärs, der wirtschaftlichen Macht und verschieder Arten von Hilfe. Aber nun führen solche Ereignisse in Lateinamerika gerade einmal dazu, daß die Bush-Regierung beginnt sie wahrzunehmen. Ihre Fähigkeit zu reagieren ist begrenzter als üblich.

Über alles gesehen, der Irak ist ein Schwarzes Loch für die Macht [US-]Amerikas und eine Art von Friedhof für die weltweiten Ziele und Energien dieser Regierung. Dies gibt dem aus der Vietnam-Zeit bekannten Wort ‚quagmire’ eine neue Bedeutung [Das Wort bezieht sich auf die politische Situation ähnlich der einer Person, die in einen unbekannten Sumpf geraten ist und sich nur noch unter Gefahr bewegen kann].(...)

Niemand sollte natürlich die Macht des ‘Empires’ unterschätzen, zurückzuschlagen(...).

Die ‚Volksmacht’ ist eine schöne Sache, wenn sie Osteuropa und den Nahen Osten erschüttert, aber wenn sie sich auf die Amerikas ausdehnt, könnte sie unangenehm nah bei Zuhause sein. Was wäre, wenn die ‚Volksmacht’ die Vereinigten Staaten erfaßt? Die ‚Brot und Spiele’-Art von Demokratie war bis jetzt eine wirksame Garantie der politischen Apathie überall in [US-]Amerika, aber was wäre, wenn die [US-]Amerikaner eines Tages in großer Zahl aus ihrem politischen Schlummer erwachen und verlangen, daß sie auch eine wirklich repräsentative Regierung zusteht? Was wäre, wenn, was wäre, wenn tatsächlich wir alle begännen aus der Imperiums-Umlaufbahn zu fallen?

Wer den ganzen Artikel nachlesen will:

http://atimes.com/atimes/Front_Page/GE04Aa01.html

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