Fannie und Freddie in der Bredouille

Der nächste Schritt beim Rutsch in die Weltwirtschaftskrise

Von Karl Weiss

Hier bereits mehrfach vorausgesagt, erleben wir im Moment das Abrutschen in die Weltwirtschaftskrise, das eben in die zweite Phase eingetreten ist. Auslöser (aber nicht Ursache) war die US-amerikanische Immobilienkrise, aber die eigentliche Krise besteht im Rückgang der weltweiten Produktion, im Schließen von Fabriken und Firmen und Vernichten von Produktionskapazitäten.

USA: Foreclosure Zwangsversteigerung

Die zweite Phase begann am Freitag und hängt wiederum mit dem US-Immobilienmarkt zusammen. Die riesigen Immobilien-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac seien in seriösen Finanzierungsproblemen, wurde berichtet, nachdem die US-Regierung bereits die wesentlich kleinere Immobilien-Bank Indy Mac übernahm. Die Kurse (Dow Jones) in New York reagierten mit einem Verlust von 2% an einem Tag und der Index rutschte unter die Marke von 11.000 Punkten, die eigentlich eine starke Stopp-Linie hätte darstellen sollen.

Man erinnere sich daran: Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde die Marke von 20.000 Punkten für möglich gehalten.

Housing Slump

Indy Mac, eine Hypotheken-Bank, war praktisch Pleite gegangen und wurde von dem Hilfsfond aufgefangen, den die Regierung den Banken vorgeschrieben hatte, nachdem die Sparer insgesamt 1,3 Milliarden Dollar abgezogen hatten. Das ist der zweitgrößte (oder drittgrösste) Banken-Crash in der ganzen US-Geschichte!

Dies allein hat aber noch keine verheerenden Folgen. Die kündigen sich vielmehr an, wenn die beiden riesigen US-Immobilien-Banken „Federal National Mortgage Association“, genannt Fannie Mae, die größte Hypothekenbank der Welt, und die zweitgrößte, „Federal Home Loan Mortgage Corporation“, genannt Freddie Mac, in ernste Schwierigkeiten geraten, was für diese Woche erwartet wird.

Die beiden Banken bedienen im Moment praktisch alleine die Immobilien-Darlehen und Hypotheken in den USA, nachdem sich alles, was Beine hatte, aus diesem Markt zurückgezogen hat. Es ist undenkbar, die beiden würden Pleite gehen, denn damit wäre der gesamte Immobilien-Sektor gestoppt. Niemand könnte mehr bauen oder kaufen (es sei denn, er hätte alles Geld bereits vorher flüssig).

Immobilienkrise USA

Man kann also sicher davon ausgehen, die US-Regierung wird die beiden auffangen, sei es mit Steuergeldern und/oder mit Hilfe anderer Banken.

Trotzdem wäre eine solche Auffangaktion ein Desaster. Die Bedingungen, zu denen noch Hypotheken und Bau-Finanzierungen gewährt würden, verschlechterten sich gewaltig und die Bautätigkeit würde zusammenschnurzeln wie ein Hamburger in der Bratpfanne

Auch international hätte dies schwere Auswirkungen, denn der Hypothekenmarkt ist auch bereits globalisiert, wie sich u.a. an den Problemen der deutschen Landesbanken gezeigt hat.

Zwar ist noch nicht sicher, ob eine grosse Auffangaktion notwendig sein wird, aber die Börsen – auch ausserhalb der USA – werden bereits auf die Möglichkeit reagieren. Die Aktienkurse der beiden Institute brachen seit Beginn der Immobilienkrise bereits um etwa 90% ein. Am vergangenen Freitag verlor die Fannie-Aktie etwa 30%, die von Freddie um die 28%.

„Wir befinden uns inmitten eines Tsunamis im Finanzsektor. Dies ist ein Sturm, den die USA zuvor noch nie erlebt haben", sagte Peter Kenny, Direktor von Knight Equity Markets, laut einer Meldung der Wiener „Presse“.

In einer anderen Presemeldung wird berichtet, die Analysten erwarten in Deutschland einen Dax von 5600 für diese Woche.

Wichtig ist aber zu sehen: Die Weltwirtschaftskrise steht erst am Anfang. Bisher hat sie im engeren Sinne noch gar nicht begonnen. Das offizielle Kriterium einer Weltwirtschaftskrise ist, wenn die wesentlichen OECD-Länder zwei aufeinananderfolgende Quartale mit Verringerung des GDP (so etwas wie das das Bruttosozialprodukt) aufweisen. Das ist bisher noch in keinem Land der Fall.

Wenn das im Moment ein Tsunami ist, dann stelle man sich vor, welche Worte man verwenden wird, wenn die Weltwirtschaftskrise im engeren Sinne wirklich ausbricht.


Veröffentlicht am 14. Juli 2008 in der Berliner Umschau

Originalveröffentlichung

Zusatz zum Artikel vom 15.7.08
Wie sich die Immobilienkrise in den USA konkret auswirkt, zeigt eine Meldung, die heute um die Welt ging: In der grossen Industriestadt Cleveland, Ohio sind bereits 10% aller Häuser im Besitz der Banken, d.h. die ehemaligen Besitzer haben sie an die Bank verloren, weil die Raten zu hoch wurden. Die Banken warten auf bessere Zeiten, um die Häuser zu versteigern, denn im Moment sind die Preise auf Niedrigst-Niveau.
Wie die Wirtschaftskrise in den USA voranschreitet, sieht man an einer anderen Meldung: General Motors hat heute angekündigt, die noch vorhandenen Personalkosten um 10% vermindern zu wollen, also Massenentlassungen, nachdem man vorher bereits das Schliessen von vier der Fabriken angekündigt hatte.


Andere Artikel zur Weltwirtschaftskrise:

"Anzeichen Wirtschaftskrise?"

"Full Crash- Zweites Anzeichen Wirtschaftskrise?"

"Stehen wir am Beginn einer grossen Weltwirtschaftskrise?"

"25% Fall des Dollars?"

"Der Mini-Crash - 10 Monate zur Wirtschaftskrise?"

"Drittes Anzeichen Weltwirtschaftskrise"

"Die Zinswende der Langzeitzinsen leitet das Abgleiten in die Weltwirtschaftskrise ein."

"Viertes Anzeichen Weltwirtschaftskrise"

"Können die USA bankrott gehen?"

"Wann kommt die Wirtschaftskrise?"

"Dollar-Verfall bedroht deutschen Export – Die Krise wird fürchterlich"

"USA: Global Alpha, Red Kite, Fed-Chef, Immobilien-Crash"

"Globaler Einbruch der Börsen"

"Weltwirtschaftskrise – Der konkrete Übergang in die Barbarei"

"USA: Wirtschaftskrise beginnt"

"Hellseherei? Die Wirtschaftskrise"

"General Motors könnte pleite gehen"

"Drei EU-Länder sind bereits in der Wirtschaftskrise"

"Wirtschaftskrise in den USA"

"Europa sinkt in diesem Moment in die Wirtschaftskrise"

"Banken gerettet – Staat pleite?"

"Weitere gigantische Finanzmarkt-Risiken"

"Verdienen deutsche Banken Vertrauen?"

"Können Sie das glauben?"
Saint Germain - 15. Jul, 13:02

Dollar-Druckerpresse = Goldesel?

Finanzkrise in den USA, aber, aber - ist doch kein Problem. Vater Staat respektive das FED helfen doch gerne! Wie viel Milliarden werden gebraucht? 1500 Mill. $, auch kein Problem. Wir (FED) veröffentlichen ja keine M3 -Geldmenge mehr, also haben wir diese läppischen Milliarden bald gedruckt!
So und nicht anders läuft es derzeit in den USA ab. Dabei hat dieser Staat sage und schreibe 1300 Billionen $ Schulden, wenn man den öffentlichen Angaben Glauben schenken darf. Die eigentliche Inflationsrate dürfte real bei 45 % liegen!
Nein, so nicht! Hier wird eine Eruption erzeugt, die einen weltweiten Tsunami nach sich zieht. Und der kann sich jeden Moment in Bewegung setzen.

Sparer denkt an Eure Kröten!

Magic Light - 17. Jul, 10:48

@Saint Germain
Nicht frech werden, Capitan Amerika hat alles im Griff:-)

Ach ja, fast hätte ich es vergessen, die Amis sollen in Alaska oben noch
Öl für 200 Jahre haben. Irgendwie sowieso komisch, auch Brasilien findet
immer noch riesige Ölvorkommen ... und vom Öl hängt sehr vieles ab.
steppenhund - 17. Jul, 12:50

Erhaltungssätze

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde die Marke von 20.000 Punkten für möglich gehalten.
Ich verstehe nichts von Wirtschaft. Aber seit die Golddeckung abgeschafft wurde, ist Geld nur mehr ein Versprechen auf eine Leistung, die allenfalls erbracht wird, wenn ein Staat ordentlich wirtschaftet. Die Spekulationen an der Börse, im speziellen Put und Get-Options, sind ein Versprechen auf ein Versprechen.
Land wird nicht wirklich größer, die Bevölkerung verdoppelt sich nicht. Ja, in 15 Jahren könnte ein Index von 20.000 erreicht worden sein, wenn nicht die 11000 bereits ungerechtfertigt sind.
Ich verstehe, dass bestimmte Interessensgruppen solche Entwicklungen prophezeien und sich in den Luftgeschäften, die dazu notwendig sind, den substantiellen Rahm abschöpfen.
Dass aber die Menschen im allgemeinen solchen Prognosen trauen können, halte ich für eine systemische Dummheit des Menschen, der betrogen werden "will". Und so wird es Schweinezyklen geben, Weltwirtschaftskrisen und Kriege. Wir scheinen hier genetisch belastet zu sein.

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