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Rare Duplizität der Ereignisse

Zwei gleiche Fussballspiele

Von Karl Weiss

Fußball schlägt manchmal unglaubliche Kapriolen. So geschehen in Brasilien am 1. und 2. Juli 2009: Kaum zu glauben, aber im Süden Brasiliens wiederholte sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen fast genau der gleiche Ablauf eines Fußballspieles in zwei Stadien in der gleichen Stadt, die nur etwa einen Kilometer voneinander entfernt sind.

Akteure: Vier der besten Fußball-Teams Brasiliens.

Ereignisse: Am 1. Juli das zweite Endspiel um den Pokal Brasiliens, das hier mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird. Am 2. Juli: Der Kampf im Halbfinale der Kontinent-Vereinsmeisterschaft Libertadores um den Einzug ins Finale.

Das Geschehen: In beiden Spielen war die Heimmannschaft eine aus Porto Alegre, der Hauptstadt des südlichsten Bundestaates Brasiliens und hatte als Gegner eine Mannschaft aus dem bevölkerungsreichen Südosten Brasiliens zu Gast. In beiden Spielen war die jeweilige Heimmannschaft im Hinspiel mit zwei Toren Unterschied unterlegen, so dass sie ein 3:0 gebraucht hätte, um das Ganze zu gewinnen - oder ein 2:0 (bzw. 3:1), um ins Elfmeterschießen zu kommen. In beiden Spielen legte aber (nach der Anfangsoffensive der Heimmannschaft) die jeweilige Auswärtsmannschaft innerhalb weniger Minuten in der Mitte der ersten Halbzeit zwei Tore vor, was die Aufgabe für die jeweilige Mannschaft aus dem Süden Brasiliens praktisch unmöglich machte. In beiden Spielen konnte die Heimmannschaft in der zweiten Halbzeit noch jeweils 2 Tore erzielen, so dass beide Spiele 2:2 ausgingen, was aber die beiden Mannschaften aus dem Südosten ans Ziel brachte.

Die Akteure (und der Ort des Geschehens): Im Spiel am 1. Juli, dem zweiten Endspiel der Pokalendspiele, standen sich im Stadion "Beira Rio" (Flussufer) aus dem Südosten Brasiliens Corinthians São Paulo und Internacional Porto Alegre gegenüber. Corinthians gewann den Pokal. Im zweiten Spiel wiederholten sich die Ereignisse am 2. Juli im Stadion "Olímpico" von Gremio Porto Alegre, das gegen Cruzeiro Belo Horizonte antrat, einer der beiden großen Vereine aus der Stadt, aus der hier geschrieben wird. Dabei ging es im Halbfinale der Libertadores um den Einzug ins Endspiel. Cruzeiro steht nun in den beiden Endspielen gegen Estudiantes De la Plata aus Argentinien.

Beide Spiele waren äußerst ereignis- und abwechslungsreich mit vielen Torszenen und unglaublichen Torwartleistungen und hätten mit noch weit mehr als je vier Toren ausgehen können. Das Niveau kann ohne Schwierigkeiten mit den Ligen in Italien und Spanien verglichen werden (vielleicht nicht unbedingt mit der englischen). Meistens nimmt man an, die brasilianischen Mannschaften könnten nicht überragend sein, weil ja die besten brasilianischen Spieler in Europa spielen, aber es bleiben noch genügend hochklassige Spieler in Brasilien übrig.

In beiden Spielen konnte man auch Spieler sehen, die am vergangenen Wochenende noch in Südafrika in der brasilianischen Nationalmannschaft spielten, die in einem ebenso mitreißenden Spiel im Endspiel gegen die Vereinigten Staaten gewann und den "Confederations-Cup" mit nach Südamerika nahm: Bei Corinthians war André Santos tätig, der sich als Stammspieler auf der linken Außenbahn empfohlen hat und bei Cruzeiro spielte Ramirez, der sich den Stammplatz des rechten offensiven Mittelfeldspielers in der "Seleção" gegen Elano bis auf weiteres gesichert hat.

Wenn Cruzeiro es schafft, das hohe Niveau des Spiels für die beiden Endspiele um die Libertadores zu konservieren, ist die Mannschaft Favorit für den höchsten südamerikanischen Vereinstitel. Die beiden Endspiele sind angesetzt für den 8.7. in Argentinien und für den 15.7. in Brasilien.


Veröffentlicht am 6. Juli 2009 in der Berliner Umschau

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